Staßfurt l 40 Schnelltests hat die Staßfurter Goethe-Grundschule für die Lehrerschaft bekommen. Zehn Lehrer zählt Schulleiterin Heike Härtge und meint, dass das wohl eher etwas der Beruhigung dient. Denn es ist offensichtlich, wie lange die Tests reichen – wenn ab Montag jeder Lehrer einen Tag vor seinem Notdienst-Antritt einen Selbsttest unternimmt.

Härtge und ihr Team widmen derweil ihre Aufmerksamkeit verstärkt dafür, wie es mit dem Unterricht für die acht Klassen mit insgesamt 166 Schülern weitergeht. Und vor allem auch, wie die Eltern informiert werden. Anstelle des Landesportals nutze man ein eigenes namens „Elternnachricht“. Hier werden Arbeitsmaterialien bereitgestellt, hier wird kommuniziert – „Ohne, dass gleich alles zusammenbricht.“

Zu Winterferien-Verlegung und Halbjahres-Zeugnisverzicht, was derzeit die Runde macht, meint Heike Härtge: „Wenn wir nach den Ferien wieder normal starten können, ja. Das hängt dann sicher von den Fallzahlen ab. Ob aber die Eltern in ihren Betrieben so kurzfristig ihren Urlaub ändern können...?“ Zur Aussetzung der Februar-Zeugnisse sagt sie: „In der Schweiz gibt es keine Halbjahres-Zeugnisse. Aber wir sind jetzt schon dabei, sie zu schreiben. In einigen Fächern wird es keine Noten geben.“

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Was sie rückblickend positiv betrachtet, ist die Einführung des Klassenlehrer-Prinzips: Ein Lehrer unterrichtet alle Fächer. „Das ist nicht unbedingt schön für die Kinder, aber es hat sich als richtig erwiesen.“ Es gebe einfach eine geringere Bewegung auf den Fluren – auch durch die klassenweise Pausengestaltung begegne man sich weniger. „Wir haben bislang nur zwei Klassen in Quarantäne schicken müssen.“

Worauf man jetzt wartet, sei die Verordnung, die unter anderem auch genau sagen werde, wer in den Genuss einer Notbetreuung kommt. Heike Härtge erwartet nach derzeitigem Stand am Montag zehn Kinder.

Abiturienten vor Ort und ein Appell an die El

„Wir arbeiten wieder im Sondermodus und sind froh, dass die 12. Klassen im Präsenz- unterricht sein können“, zeigt sich Schulleiter Steffen Schmidt mit der Lehrerschaft des Dr.-Frank-Gymnasiums Staßfurt vorbereitet. „Da wir nur mit einer Jahrgangsstufe in der Schule arbeiten, ist die Raumsituation entspannt und die Abstandsregeln können eingehalten werden.“ Die Abi-turienten des Jahrgangs 2021 würden also jeden Tag in der Schule und nach dem gültigen Stundenplan unterrichtet.

Der Unterricht in den Jahrgangsstufen 5 bis 11 werde derweil von den Fachlehrern als Distanzunterricht durchgeführt. „Das bedeutet, dass den Schülern zu erarbeitende Inhalte vorgegeben werden, die Erstanwendung und die Festigungsphasen erfolgen dann über die Bearbeitung von Übungsaufgaben.“ Schmidt appelliert: „Bei der Beurteilung der Lernfortschritte müssen die Schüler selbst und möglicherweise auch ihre Eltern aktiv werden, denn die Lehrer werden nicht immer alle Leistungen korrigieren können.“ Lösungen und Erwartungsbilder, die zur Verfügung gestellt werden, sollen eine Selbst-Einschätzung ermöglichen.

Die Hygieneregeln wurden unterdessen am Gymnasium nicht verändert. Der Sportunterricht der Abiturienten wird in der kommenden Woche als Theorieunterricht abgehalten. „Wir wollen hier das Infektionsgeschehen im Salzlandkreis beobachten und unnötige Risiken vermeiden“, erklärt Steffen Schmidt.

Auch BBS: Mit Freude an Schulzeit zurück denk

Eine Verschärfung jener Regeln ist auch aus Sicht von Liane Wiele nicht notwendig. „Aber“, so die stellvertretende Leiterin der Berufsbildenden Schulen (BBS) des Salzlandkreises, „Jetzt sind unsere jungen Leute gefragt. Leider mussten wir vor Weihnachten beobachten, dass einige sich nur mit vielen Ermahnungen an die Regeln gehalten haben. Wir müssen ihnen bewusst machen, dass sie entscheidend dazu beitragen, dass sich das Leben wieder normalisieren und Schule wieder zu einem Ort wird, wo man gerne lernt und unbeschwert auch seine Jugend genießen kann. Auch unsere Kinder sollen mit viel Freude an ihre Schulzeit zurück denken und nicht: Wie ,toll‘ war mein PC!“

Ab Montag werden die Abschlussklassen in der BBS sein: in Staßfurt das Berufliche Gymnasium Klasse 13 und die zweijährige Fachoberschule Wirtschaft, in Aschersleben die Klassen der Berufsfachschule Sozialassistenz und die BVJ-Schüler, die einen Hauptschulabschluss erwerben wollen.

„Im Teilzeitbereich (Duale Ausbildung) werden alle Klassen beschult, die an den gestreckten Abschlussprüfungen teilnehmen. Das sind in Aschersleben fünf Klassen in der Metallausbildung und eine Klasse aus dem Bereich Handel“, erklärt Liane Wiele.

Je nach Klassenstärke werde in Gruppen tageweise beziehungsweise nach Originalplan unterrichtet. „Für die anderen Schüler und Auszubildenden wird Distanzunterricht über verschiedene Möglichkeiten angeboten.“ Die BBS habe gute Erfahrungen mit dem Portal (XSCHOOL) vom Salzlandkreis, so würden die meisten Informationen auch darüber ausgetauscht. „Natürlich nutzen wir auch die Plattform des Landes und alle Möglichkeiten, die die Lehrkräfte so nutzen können.“

Obwohl die BBS mit verschiedenen Zeitmodellen arbeitet, versuche man, möglichst jedem gerecht zu werden. Eine Klassenteilung oder der Unterricht im Klassenverbund hänge von verschiedenen Faktoren ab – kleine Klassen bleiben im Verbund, andere werden geteilt. Raumgrößen spielen ebenfalls eine Rolle. „In Schichten unterrichten wir nicht. An dieser Stelle muss ich auch an die Kraft des Kollegiums denken, denn bei den vielen verschiedenen Modellen – das ist unter normalen Bedingungen schon nicht so einfach – plus Distanzunterricht kommt man schnell an seine Grenzen.“

Aufgeteilt und im Wechsel

Aufgeteilt wird an der Ganztagssekundarschule Am Tierpark in Staßfurt – die Abschlussklassen mit den Hauptschülern der drei 9. Klassen mit vier bis zehn Schülern. Wie der stellvertretende Schulleiter Mike Ortmann weiter erklärt, werde in den beiden 10. Klassen in Halbgruppen wöchentlich gewechselt. „Für die anderen wird Distanzunterricht über die Homepage organisiert, wo Aufgaben für die jeweiligen Klassen gestellt werden. Dann stellen die Schüler Kontakt zu den Fachlehrern über die Dienstmail her und erhalten so die Reflektion.“ Für Schüler, die es nicht digital lösen können, bestehe die Möglichkeit der Abgabe in Papierform. Ortmann ist bezüglich der Homepage-Betreuung Winfried Vahldieck sehr dankbar.

Hygienekonzept rettet

Die Abschlussklasse erwartet auch Tanja Schaaf am Montag. Die Leiterin der Freien Sekundarschule Güsten kündigt den Unterricht als Präsenzveranstaltung mit täglich wechselnden Gruppen an. Die anderen Schüler erhalten Aufgaben über die Plattform Moodle. „Dort besteht auch die Möglichkeit, mit den Fachlehrern zu kommunizieren. In der ersten Woche werden Klassenleiterstunden als Videokonferenzen durchgeführt, ab der zweiten Woche gibt es wenigstens eine Stunde in den Kernfächern als Videokonferenz.“ Die Schulen seien ja bis 31. Januar geschlossen und der Präsenzunterricht nur in der Abschlussklasse gestattet. „Zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs für die Klassen 5 bis 9 müssen wir die nächsten Beschlüsse abwarten“, schickt Tanja Schaaf voraus.

Zum bestehenden Hygienekonzept bemerkt sie noch, dass dessen strikte Umsetzung die Schule „schon zwei Mal vor einer größeren Quarantäne-Anordnung gerettet“ habe. Schüler und Lehrer würden weiterhin ihre Alltagsmaske tragen. Der Unterricht der Halbgruppen erfolgt in getrennten Räumen. Die sind wieder so eingerichtet, dass alle im Raum mindestens 1,5 Meter zum Nächsten haben.

Eltern dankbar für Skype-Unterricht

„Wir starten wieder mit dem Skype-Unterricht“, teilt Ute Ellert, Leiterin der Freien Grundschule Rathmannsdorf, mit, „Die Kinder verfügen mittlerweile über Erfahrungen damit, sind konzentrierter und belastbarer. Das ermöglicht uns täglich drei Stunden Unterricht in Mathematik und Deutsch.“ Auch interaktive Hausaufgaben. Verlage hätten sich an das veränderte Lernen in Coronazeiten angepasst, stellen abwechslungsreiche interessante Zusatzübungen zur Verfügung. „Die Kollegen haben sich während der Weihnachtsferien in neue Aufgabenformate eingearbeitet.“ Auf das Versenden von Arbeitsblättern könne man komplett verzichten.

Auch Eltern begrüßen das Online-Angebot. Anne Nettlau hat drei Kinder und ist froh, dass sie ihren Sohn nicht komplett selbst unterrichten muss. In der Zeit könne sie sich um die Geschwister kümmern. Er kann seine Freunde sehen. „Damit bleibt außerdem ein fester Lernrhythmus erhalten.“

Auch Mandy Magenheimer sieht ihre Sophie glücklich, dass sie neben dem Lernen via Skype ihre Klassenkameraden sehen und hören könne. „So bleibt der soziale Kontakt erhalten, und bezüglich des Unterrichts entstehen keine Lücken.“