Staßfurt/Schönebeck l Der Jubel bei den Kindern hallte bis zur Wand und erfüllte den Klassenraum vollends. Auch ein paar Arme gingen voller Freude nach oben. Schulsozialarbeiterin Lisa Suckel hatte in der Förderschule für Lernbehinderte J.H. Pestalozzi in Staßfurt die siebte Klasse in den „Snoezel-Raum“ eingeladen und erntete Begeisterungsstürme. Auch Suckel muss nun lächeln.

Im Entspannungsraum liest sie kurz danach den Kindern kleine Geschichten vor. Im Hintergrund läuft beruhigende Musik. Kann Schulsozialarbeit so einfach sein? So entspannt? Scheinbar. Aber es steckt freilich mehr dahinter, damit Schüler einen Ansprechpartner haben in der Schule, der sie an die Hand nimmt, der auf Augenhöhe kommuniziert und sich einfach Zeit nimmt.

Keine Fee mit Zauberstab

„Ich bin nicht die gute Fee mit dem Zauberstab“, sagt Lisa Suckel. „Die Lehrer müssen auch mitmachen.“ Das tun sie. Seit knapp fünf Jahren ist die 28-jährige Suckel, die aus Magdeburg kommt, Schulsozialarbeiterin in Staßfurt und schwärmt von ihrer Arbeit. „Ich kann viele Projekte machen und bin hier unglaublich glücklich.“ Schließlich betreut sie Klassen von der ersten bis zur zehnten Klasse. So etwas ist die Ausnahme.

Suckel ist eine von 33 Schulsozialarbeitern im Salzlandkreis. Mit den Jahren ist die Zahl gestiegen, weil der Bedarf da ist. Und weil es nur positive Rückmeldungen der Lehrer gibt. „Sie nehmen uns jede Menge Arbeit ab, strahlen Ruhe aus“, sagt Norbert Volkland, Schulleiter der Sekundarschule Johann Gottfried Herder in Calbe. „Wir können es uns ohne gar nicht mehr vorstellen. Es gibt vielfältige Angebote, Gewaltprävention, Telefonate werden übernommen“, freut sich Jeanette Ladebeck, Schulleiterin der Grundschule Am Lerchenfeld in Schönebeck.

Alle Pädagogen sind in ihren Schulen fester Bestandteil des Tagesablaufs. Doch trotzdem gibt es im Salzlandkreis noch Handlungsbedarf. 150 Schüler auf eine Fachkraft, das ist der Idealzustand. In der Realität sind es aber bis zu 800 Schüler, die von einem Schulsozialarbeiter betreut werden. Das ist eine extreme Belastung mit hoher Verantwortung. Gerade im ländlichen Bereich ist Kontinuität da wichtig.

Gute Arbeit spricht sich herum

Es braucht mehr Schulsozialarbeiter an mehr Schulen. Auch an Gymnasien. Denn die sind im Salzlandkreis noch völlig unbesetzt. „Auch da gibt es Drogen und Alkohol. Wir wollen nicht, dass das ausufert“, sagt Karl-Heinz Burbank, Kreiselternratsvorsitzender. Zusammen mit anderen Eltern will er jetzt Geld einsammeln, um eine Stelle am Dr.-Carl-Herrmann Gymnasium in Schönebeck zu finanzieren. Wem nicht geholfen wird, der hilft sich selbst.

Gute Arbeit spricht sich aber herum. So auch bei Lisa Suckel in Staßfurt. „Die Arbeit ist sehr facettenreich, ich mach das total gern. Die Lehrer stehen hinter mir. Ich fühle mich als Teil des Teams“, sagt sie. Viel läuft über Projektarbeit. Bei den Kleinsten vor allem über Sozialtraining. Mit einer Handpuppe namens „Ferdi“ bereist Suckel zusammen mit den Schülern verschiedene Stationen. Auch ein Astronaut, der verschiedene Planeten bereist, kommt zum Einsatz. „Da wird auch gezeigt, dass es ok ist, wenn man mal wütend oder traurig ist“, so Suckel. In der siebten Klasse geht es dann auch um Emotionstraining. „Einige können da ihre Gefühle nicht ausdrücken. Das ist ein schwieriges Alter“, erklärt Suckel. Konzentrationsübungen helfen, viel Gruppenarbeit auch. Weil aber auch alles vorbereitet und nachbereitet werden muss, gehen viele weitere Stunden drauf. Genauso wie bei den persönlichen Gesprächen, wo Suckel als Zuhörerin und Helferin bei Liebeskummer, Stress mit den Eltern oder der besten Freundin hilft.

Der Wille, an der Schulsozialarbeit festzuhalten, ist breit verankert. Allein eine feste Finanzierungszusage über das Jahr 2020 fehlt. „Sicherheit ist mir sehr wichtig. Es gibt Existenzängste“, sagt Lisa Suckel. „Wir machen alle unsere Arbeit mit Herzblut.“ Für eine gesunde Bildung braucht es eine Wohlfühlatmosphäre bei den Kindern. Diese Idee ist im Grunde angekommen in den Köpfen. „Es muss aber noch mehr ausgebaut werden“, weiß auch Suckel. Denn noch immer müssen zahlreiche Schulen im Salzlandkreis ohne Sozialarbeiter auskommen. Die Welt wird eben komplexer. Wer die richtigen Hebel ansetzt und an der richtigen Hand läuft, umkurvt Hindernisse spielerisch.