Staßfurt l Das Schwimmbad im Salzland-Center in Staßfurt wird am Freitag besonderen Besuch bekommen, der nicht zum Baden gekommen ist. Vertreter der Stadt Staßfurt wollen sich ein Bild machen, um den Gerüchten und Hinweisen nachzugehen, die spätestens seit vergangener Woche herumgehen.

Die Stadtverwaltung wurde in dieser Zeit darüber informiert, dass das Wasser im Schwimmbad des Salzland-Centers zu kalt eingestellt sei. Dazu: „Es riecht unangenehm nach Gülle, aus der Dusche kommt kaltes Wasser. Allgemein ist es zu kalt in der Halle“, berichtet eine Mutti, die anonym bleiben möchte. Lehrer hätten sich eine Jacke drüber ziehen müssen. „Vier Kinder fehlen gerade im Unterricht, eins hat sich erkältet. Seit Anfang November gibt es diese Probleme. Mehrere Eltern wollen ihre Kinder unter diesen Bedingungen nun nicht mehr zum Schwimmunterricht schicken“, erzählt die Mutti eines Mädchens aus der Förderstedter Grundschule. Die Eltern tauschen sich dabei auch über eine WhatsApp-Gruppe aus.

Kein Kind bekannt, das erkrankt ist

Fakt ist: Seit Beginn des zweiten Lockdowns Anfang November ist das Erlebnisbad im Salzland-Center geschlossen. Nur noch die Drittklässler, die jeden Freitag Schwimmunterricht haben, kommen derzeit in das Bad herein. Fakt ist auch: Weil das Bad für normale Besucher geschlossen ist, wurde das Wasser etwas heruntergekühlt. „Statt 30 Grad hat das Wasser nur noch 28 bis 29 Grad“, berichtet Fachdienstleiterin Ina Siebert im Ortschaftsrat Förderstedt. Hier hatte Enrico Lärz (CDU) auf das Problem hingewiesen. Die Stadt habe vergangene Woche davon Kenntnis erhalten und sei gerade dabei, den Sachverhalt zu prüfen und zu analysieren. „Die Schwimmkoordinatorin berichtet, dass das Wasser nicht zu kalt ist. Es ist möglich, dass die Kinder es kälter empfinden. Uns ist aber kein Kind bekannt, das deswegen erkrankt ist“, so Siebert. Schon davor habe es eine Beschwerde von der Grundschule Löderburg gegeben. „Da hat sich aber ergeben, dass da nichts dran ist“, sagt Ina Siebert.

Volker Schilling – Geschäftsführer vom Salzland-Center – ist einigermaßen erstaunt über den anfänglichen Buschfunk, der sich nun zur handfesten Kritik am Salzland-Center entwickelt hat. „Das ist einfach nicht wahr, dass das Wasser zu kalt ist“, sagt auch er und betont: „Es handelt sich um ein Erlebnisbad. Daher ist das Wasser sonst auf 30 Grad eingestellt.“ Was für ein normales Schwimmbad eigentlich zu warm ist. „In der Zeit des zweiten Lockdowns haben wir die Wassertemperatur auf 28 bis 29 Grad heruntergekühlt, was man aber am Körper kaum merkt.“

Diese Entscheidung wurde vor allem getroffen, um Energiekosten einzusparen. Ein bis zwei Grad würden dabei viel ausmachen. „Die Hallentemperatur ist auf 29 bis 30 Grad eingestellt“, so Schilling. „Mit der Wassertemperatur liegen wir noch immer über anderen Bädern.“ Die Absenkung der Temperatur sei dabei auch mit den Lehrern abgesprochen gewesen. Alle beteiligten Schulen wären informiert und einverstanden gewesen. Von drei weiteren Grundschulen habe es zudem keine Beschwerden wegen kalter Luft und kaltem Wasser gegeben.

Schilling erklärt, dass in Bädern anderer Städte das Wasser auf 27 Grad eingestellt sei. So zum Beispiel in Aschersleben. Auch die Schwimmkoordinatorin – eine Lehrerin von der Grundschule Nord – habe am Mittwoch per Mail bestätigt, dass das Wasser nicht zu kalt eingestellt sei.

Was ist da nun wirklich dran? Förderstedts Ortsbürgermeister Peter Rotter (CDU) habe sich laut eigenen Angaben selbst in Verbindung mit Eltern und der Schule gesetzt. Er sagte am Dienstag im Förderstedter Ortschaftsrat: „Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Da kann schon was dran sein.“ Er betont, dass der Schwimmunterricht wichtig ist.

Stadt will selbst messen

Weil aber Aussage gegen Aussage steht, schlägt Günter Döbbel (FDP) vor: „Vielleicht können die Stadtvertreter es testen? Man könnte doch einfach selbst die Temperatur des Wassers und der Luft messen? Dann sieht man doch, ob das Wasser und die Luft zu kalt sind.“ Ina Siebert: „Das ist eine gute Idee.“ Sie nahm den Vorschlag mit und betont: „Das Thema ist auf unserer Prioritätenliste ganz oben. Wir stehen im Kontakt mit Volker Schilling. Wir haben ihm aufgetragen, Luft- und Wassertemperatur zu messen. Mehr können wir nicht machen.“ Konkrete Indizien, dass der Vorwurf sich bewahrheitet, gibt es also nicht.