Wolmirsleben l Ulrich Biermann hatte laut Protokoll in der Einwohnerfragestunde der Gemeinderatssitzung vom 13. November 2017 darauf aufmerksam gemacht, dass am Schachtsee alle Bäume gefällt wurden.

Genehmigung?

Dazu vermerkt das Protokoll: „Herr Kluczka erklärt, dass der Eigentümer eine Fällgenehmigung auf Grund der Gefährdung von Besuchern des Schachtsees erhalten habe.“

Lüge?

„Hat der Bürgermeister somit bewusst den gesamten Gemeinderat belogen“, fragt sich Biermann unter Hinweis auf die Aussage der Sachgebietsleiterin für Natur- und Artenschutz der Landkreisverwaltung Eva Beyer. Sie hatte auf Anfrage der Volksstimme zu diesem Sachverhalt mitgeteilt: „Die Beseitigung der Gehölze (Bäume und Sträucher) und des Röhrichts stellen Eingriffe in Natur und Landschaft im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes dar, die einer Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde bedurft hätten. Genehmigungen für die Beseitigung des Röhrichts und die Rodung der Bäume wurden allerdings nicht erteilt. Es handelt sich hierbei somit um ungenehmigte Eingriffe bzw. Zerstörungen von Biotopflächen, welche Ordnungswidrigkeiten darstellen.“

Mit Landkreis abgesprochen

Der Volksstimme erklärte Bürgermeister Knut Kluczka (CDU) gestern dazu, dass sich die Genehmigung zum Fällen lediglich auf die Bäume auf gemeindlichem Grund und Boden im unteren Bereich bezogen habe. „Das war mit dem Landkreis abgesprochen“, sagte das Ortsoberhaupt und fügte hinzu: „Was am Naherholungszentrum passiert ist, ist eine Privatangelegenheit.“

In diesem Zusammenhang verwies der Bürgermeister darauf, dass die Kommune für ihre Flächen eine Aufforstung plane.

Artenschutz?

Nach Mitteilung der Sachgebietsleiterin für Natur- und Artenschutz sind auf dem Campingplatzgelände mindestens 36 Bäume, 150 Quadratmeter Strauchwerk und 100 Quadratmeter Röhricht beseitigt bzw. gerodet worden. „Es ist jedoch davon auszugehen, dass die tatsächliche Anzahl bzw. Fläche an beseitigten Gehölzen noch höher dimensioniert war“, so Beyer. Aus natur- und artenschutzrechtlichen Gesichtspunkten sei die Beseitigung des gesamten Schilfgürtels entlang des Ufers des Campingplatzgeländes als wesentlich gravierender einzustufen. Bei einer Kontrolle am 11. Januar sei festgestellt worden, dass dort neben den bereits entfernten 100 Quadratmeter Röhricht weitere zirka 1740 Quadratmer entlang des Campingplatzgeländes beseitigt wurden. Der beseitigte Schilfgürtel stelle laut Beyer eine Fortpflanzungsstätte für Zwergdommeln, eine streng geschützte Art im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes, dar. In diesem Zusammenhang verwies die Sachgebietsleiterin, die von einer Straftat sprach, dass es verboten sei, Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten und somit auch der streng geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.

Gefahrenabwehr?

Auf die Vorwürfe angesprochen, hatte der Besitzer Joachim Noeske erklärt, dass er die Anlage an die Mitteldeutsche Camping und Gastro GmbH verpachtet habe. Die 40 Meter hohen und rund 60 Jahre alten Pappeln seien aus Gründen der Gefahrenabwehr gefällt worden. „Es gab auf mehren Campingplätzen Tote, weil Äste runter geflogen sind“, sagte Noeske. Auf den Schilfgürtel eingehend, sagte er, dass dieser einen Verwesungsgeruch verströmt habe nachdem dort rund 60 Jahre lang das Laub von den Pappeln hereingefallen sei.