Staßfurt l Der nonverbale Türsteher kam mit Helm und Brille um die Ecke. Sicherheit geht vor. Nur wer die beiden Dinge auf der Nase und dem Kopf trug, durfte rein. Und es spielte keine Rolle, ob der Herr Landrat, Oberbürgermeister, Geschäftsführer oder simpler Pressevertreter war. Das Unternehmen Ciech Soda lud ein, um den nächsten Schritt bei der permanenten Erweiterung im Portfolio am Standort Staßfurt anzugehen.

In Staßfurt geht eine neue Bikarbonat-Anlage ans Netz. Schon jetzt werden Teile Stück für Stück hochgefahren, was man hört und spürt. Es ist warm und laut und drinnen arbeiten die Maschinen bereits im Fiebereifer. „Es war ein langer Weg für Staßfurt und Ciech Soda. Das ist ein stolzer Tag“, sagte Mathias Hübner, Geschäftsführer von Ciech Soda Deutschland. „Das ist ein Meilenstein. Damit sichern wir den Standort.“

Für 30 Millionen Euro hat Ciech Soda in den vergangenen 18 Monaten eine Bikarbonat-Anlage bauen lassen. Der breiteren Bevölkerung ist das auch als Natron bekannt. Und dieses ist wichtig für viele Lebensbereiche. „Wir wollen den Weltmarkt bedienen“, so Hübner. Wichtig sei das Natron zum Beispiel bei der Nierenhydrolyse. Aber auch in Lebensmitteln ist Natron drin, es ist beliebt als Hausmittel oder zum Hände waschen. In Staßfurt will Ciech Soda auf den Gesundheitsbereich setzen.

Kein Produktionsrückgang

Schon in den vergangenen Jahren war in Staßfurt Bikarbonat hergestellt worden. Bisher lag die Herstellungsmenge bei 60 000 Tonnen im Jahr, nun sattelt Ciech Soda mit der neuen Anlage weitere 50 000 Tonnen drauf, verdoppelt die Produktion also. „Die neue Anlage wurde dabei bei laufendem Betrieb gebaut“, betont Hübner. „Das war also eine OP am offenen Herzen.“ Es gab keinen Produktionsrückgang. „Wir danken auch bei der Unterstützung im Genehmigungsverfahren“, so Hübner. „Das Lob hindert uns nicht daran, effektiver und besser zu werden“, sagte Landrat Markus Bauer (SPD). „Das ist genau das, was wir wollen. Wir sind eine Region, die aktiv ist. Ciech Soda hat vor zehn Jahren das Zeichen gegeben, dass es die Region wert ist, hierzubleiben.“ Denn vor etwas mehr als zehn Jahren war das polnische Unternehmen in Staßfurt eingestiegen. „Wenn sie viel produzieren, geht‘s auch uns gut“, so Bauer in Blickrichtung der Unternehmensleitung.

„Das Werk ist einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Stadt“, betonte auch Staßfurts Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD). Etwas mehr als 400 Arbeitnehmer hätte das Unternehmen in Staßfurt, dazu in den zehn Jahren knapp 100 Millionen in den Standort investiert. „Ich danke dafür. Ich freue mich, dass Ciech Soda in Staßfurt investiert. Das ist ein großes Pfund für die Region. Sie sind ein Anker und Fundament für Staßfurt“, sagte Wagner.

Dabei läuft die neue Anlage schon seit geraumer Zeit. „Das ist ein sehr komplexes System“, erklärte dazu Mathias Hübner. „Wir fahren die Anlage in Schritten hoch und erwarten einen Performancetest.“ Ende Juni soll die gesamte neue Anlage dann am Netz sein. „Links und rechts haben wir beim Bau dabei zu 100 Prozent produziert. Das war eine Herausforderung“, so Hübner weiter.

Nächster Schritt Salzwerk

Lob gab es derweil auch aus der Zentrale in Polen. „Das Engagement zeigt unsere Strategie in komprimierter Weise. Das ist ein großer, innovativer Schritt. Ich glaube an unsere Werte und bin sehr stolz auf unser Team“, sagte CEO Dawid Jakubowicz vom Mutterkonzern beim Besuch in Staßfurt. „Das ist eine tolle Kooperation.“

Der Bau der Bikarbonat-Anlage in der Salzstadt war dabei nicht das Ende der kurzfristigen Fahnenstange bei der Erweiterung des Werks. So plant die Ciech Soda Gruppe auch den Bau eines neuen Salzwerks, das finanziell und wirtschaftlich den jetzigen Schritt noch übersteigen wird. 100 Millionen Euro wird das polnische Unternehmen beim neuen Salzwerk investieren. Dabei entstehen auch ungefähr 100 neue Arbeitsplätze in Staßfurt. 450 000 Tausend Tonnen Salz werden in Form von Speisesalz, Salztabletten, Geschirrspülmaschinensalzen und hochspezialisiertem pharmazeutischen Salz in Staßfurt produziert. „Dabei gibt es noch keinen Baustart“, verriet Mathias Hübner. In ferner Zukunft liegt dieser aber nicht mehr.