Schneidlingen l Für viele kam die Nachricht von der Schließung der Turnhalle plötzlich und ohne Vorankündigung. „Die Stadt hat mich angerufen“, erinnert sich die Leiterin der Fitness-Gruppe vom Sportverein Fortuna Susanne Dürrling, daran, dass ihr gesagt wurde, dass die Halle aufgrund baulicher Mängel mit sofortiger Wirkung nicht mehr genutzt werden kann. Das habe ein Gutachter der Stadt bestätigt. Ein paar Tage danach flatterte die Nachricht auch mit der Post ein. Schriftlich wurde mitgeteilt, dass der Verein raus muss. „Wir mussten unsere Sachen kurzfristig bis zum 16. Juni räumen.“ Denn danach, so die Information, würden die Schlösser ausgetauscht.

„Für uns kam das alles Knall auf Fall. Wir hatten echt Stress.“ Die ganzen großen Sportgeräte, viele große Trampoline musste woanders untergebracht werden, dazu noch Matten, diverse Fitnessgeräte, Gewichte und noch mehr. Sicher, davon, dass die Stadt über den Verkauf der Halle nachdenkt, habe man in der Vergangenheit schon gehört, aber, dass es von heute auf morgen zur Schließung kommt, damit habe niemand vom Verein gerechnet, meint die junge Frau. Denn der Sportverein nutzt die Halle nicht nur das ganze Jahr mindestens einmal in der Woche mit der Fitnessgruppe, sondern auch, wenn die Jugendfußballmannschaften im Winter hier trainieren. Auch eine Kindergruppe soll unabhängig davon Sport in dem Gebäude gemacht haben, auch wird berichtet, dass eine Physiotherapie hier arbeitete.

Die Fitnessleute sind mittlerweile kurzfrsitig nach Cochstedt umgezogen. Doch Schneidlingen sei eben ein zentraler Punkt gewesen, meint Susanne Dürrling. Denn auch Mitglieder aus umliegenden Orten seien zur Fortuna zum Training kommen.

Wohin mit dem Sportunterricht?

Die Schließung trifft weiter die freie Sekundarschule „Leben lernen.“ Schüler haben die Turnhalle täglich montags bis freitags zum Sportunterricht genutzt. „Wir haben über ein Telefonat mit der Stadt erfahren, dass wir die Halle nicht mehr nutzen können und wurden danach schriftlich informiert“, erinnert sich Schulleiterin Elke Atzler. „Ansonsten steht jetzt dahinter für uns ein großes Fragezeichen“, sagte die Lehrerin. Vor allem, wenn im Herbst und Winter kein Sportunterricht mehr draußen stattfinden kann, ist im Moment unklar, wo die Schüler dann unterrichtet werden. Und damit nicht genug. Auch für Arbeitsgemeinschaften der Schule wurde die Halle genutzt. „Wir suchen jetzt nach neuen Lösungen“, sagte die Direktorin.

Für Aufsehen sorgte die Entscheidung der Stadt auch in der Kommunalpolitik vor Ort. Schneidlingens stellvertretender Ortsbürgermeister Mario Zimmermann (BBH) sagte, dass weder er noch die Ortsbürgermeisterin frühzeitig informiert wurden. Mittlerweile weiß er, dass die Halle von der Stadt aufgrund eines aktuellen Gutachtens, das bauliche Mängel ausweist, geschlossen wurde.

Für Zimmermann steht fest, dass die Halle nicht für immer zu bleiben darf, dafür werde sie zu sehr gebraucht. Jetzt müsse es darum gehen, die Punkte in dem Gutachten abzuarbeiten, dass es wieder zur Öffnung kommen kann, meint er. „Die Halle kann nicht für immer zu bleiben“, so Zimmermann.

Lange Mängelliste

Der Volksstimme liegen Auszüge des Gutachtens vor. Darin werden die Mängel aufgelistet: „Der Hallenboden ist beschädigt (große Spalten im Parkett, Parkett hebt sich). Die Bodenhülsen sind nicht sicher abgedeckt. Die Wände sind bis zu einer Höhe von zwei Metern nicht ballwurfsicher, ebenflächig, geschlossen und/oder splitterfrei; Die Wände weisen Schädigungen durch Einbauten/Verankerungen auf Risse im Mauerwerk (Putz löst sich.); die Türen/Tore der Geräteräume sind nicht wandeben, leichtgängig und/oder können nicht abgesperrt werden (keine vorhanden beziehungsweise Gittertor.); der Hallenbereich weist Fangstellen auf (Prallschutz für Heizung); Polsterungen sind beschädigt, beziehungsweise fehlen (Polsterecken lose, Prallschutz für Heizungen lose...); Bausubstanz sehr alt, Risse und loser Putz, Heizungsrohre verleiten zum Klettern: Gefahrenquelle!“ Am Ende kommt die Analyse zum Schluss, dass eine „gefahrenlose Nutzung der Sporthalle nicht gewährleistet ist. Bei weiterer Nutzung besteht Unfallgefahr. Sporthalle ist hiermit gesperrt!“

Bürgermeister Uwe Epperlein (WGH) sagte der Volksstimme gestern, dass die Nachricht des Gutachtens für die Stadt ebenfalls überraschend kam.

Denn solche Prüfungen finden turnusmäßig einmal im Jahr für alle Hallen der Stadt statt. Im vergangenen Jahr sei davon für Schneidlingen noch nicht die Rede gewesen. Keine habe erahnen können, dass die Schäden plötzlich so gravierend sind, dass von jetzt auf gleich eine Schließung empfohlen wird. Die Verwaltung habe auch noch einmal versucht, mit dem Gutachter zu reden, was aber nicht zum gewünschten Erfolg geführt habe. „Jetzt sind wir dabei, Angebote für die Behebung der Schäden einzuholen, dass wir die Kosten einstufen können“, sagte Epperlein.

Dann müsse alles so instand gesetzt werden, dass die Halle wieder benutzt werden könne. „Ziel ist es, sie wieder nutzbar zu machen“, so Epperlein.