Löderburg l In der Debatte nach der vorübergehenden Schließung der Sport- und Mehrzweckhalle Löderburg haben sich die Vereine der Ortschaft nun zusammengetan und einen Offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Staßfurt, Sven Wagner (SPD), gerichtet. „Wir, verantwortliche Vertreter der Löderburger Vereine, möchten Sie dringend ersuchen, die Sperrung der Sport– und Mehrzweckhalle in Löderburg kurzfristig aufzuheben“, heißt es da eingehend. „Sie verwiesen auf schwerwiegende Mängel in dieser Halle. Ist Ihnen bekannt, dass mit Ausnahme der neu gebauten Salzlandsporthalle keine einzige Sporthalle im Raum der Stadt Staßfurt – egal, ob kreislich verantwortet oder in Hoheit der Stadt Staßfurt Vorrichtungen hat, Dachluken oder Fenster im Brandfall automatisch zu öffnen?“

In einem Rundgang durch die Sporthallen der Stadt hatten Rolf Funda, Ex-Bürgermeister von Löderburg, und Stadtratsmitglied Carsten Fütterer (Linke) die Hallen besichtigt und dabei vor allem auf die Vorrichtungen für den Brandschutz geachtet. Dabei stellten sie fest: „Keine Halle ist so ausgestattet wie die in Löderburg“, sagt Fütterer. „Der technische Zustand ist am besten.“ So seien zum Beispiel in der Sporthalle Förderstedt die „Balken komplett offen. In der Sporthalle am Stadion in Staßfurt gibt es eine reine Holzdecke“, so Fütterer. Daraus schließt er: „Der Brandschutz als Schließungsgrund für die Sporthalle in Löderburg ist vorgeschoben.“ Im Offenen Brief heißt es: „Wenn Sie die gleichen Maßstäbe, die Sie bei Ihrer Entscheidung, die Löderburger Sport- und Mehrzweckhalle zu schließen, überall anwenden würden, müssten Sie augenblicklich alle Staßfurter Sporthallen schließen!“

Alle Vereine im Boot

Unterzeichnet wurde der Brief von den Sportvereinen FC Bode und SV Bode Löderburg, vom Schulförderverein, vom Geflügelzuchtverein, vom Kaninchenzuchtverein, vom Heimatverein und vom Feuerwehrförderverein. Dazu setzten die Vereine eine Protestnote auf, in der es heißt: „Wir Löderburgerinnen und Löderburger protestieren entschieden gegen die Schließung unserer Sport– und Mehrzweckhalle. Die von Ihnen vorgetragenen Gründe rechtfertigen keine Schließung. Wir erwarten von Ihnen, dass Sie gemeinsam mit den Verantwortlichen der Unteren Bauaufsichtsbehörde des Landkreises beraten, welche Maßnahmen kurz– und mittelfristig erforderlich sind, um unsere Halle wieder ihrer Bestimmung übergeben zu können. Die Sport– und Mehrzweckhalle Löderburg ist für das sportliche und geistig kulturelle Leben im größten Dorf innerhalb der Stadt Staßfurt unverzichtbar!“

Dieser Zettel lag in der Apotheke, der Sparkasse, der Post und bei Ärzten aus, dazu standen die Initiatoren vorm Supermarkt des Dorfes. Insgesamt wurden 1035 Unterschriften eingesammelt. Das Ziel der Bemühungen: Die Halle soll sofort wieder geöffnet werden. „Das ist eine öffentliche Willensbekundung“, sagt Rolf Funda. Carsten Fütterer geht es auch um Offenheit. „Ich wünsche mir mehr Transparenz, mehr Einsicht und mehr Klarheit“, sagt er. „Die Halle ist nicht in dem Zustand, dass sie gleich einbricht. Die Halle könnte wieder geöffnet werden.“

Vergangene Woche trudelte der Offene Brief im Rathaus ein, Sven Wagner hat diesen zur Kenntnis genommen. Er sagt klar, dass die Forderungen so nicht umsetzbar seien. „Wir haben klar zum Ausdruck gebracht, warum die Halle vorübergehend geschlossen werden musste“, sagt er. Daran sei nicht zu rütteln. „Wir haben den Fachplaner beauftragt, um die Sporthalle wieder in Betrieb zu nehmen und die Mängel zu beseitigen.“ Zum Vorwurf, die Mehrzweckhalle solle zu einer Einfeldhalle umgebaut werden, sagt er: „Die Bedeutung der Halle ist unstrittig. Der Umbau zu einer Einfeldsporthalle ist nur eine Alternative, die ganz weit weg ist.“ Das primäre Ziel sei es, die Halle als Mehrzweckhalle zu behalten.

Hallen nicht vergleichbar

Nicht verstehen kann Wagner den Brandschutzhinweis zu anderen Hallen. „Das ist nicht vergleichbar“, sagt er. „Jede Halle ist für sich zu betrachten.“ Kriterien, die in Löderburg gelten, müssen also nicht auch woanders gelten.

Dem Oberbürgermeister geht es nun noch einmal darum, das Gespräch mit den Löderburgern zu suchen. Er spürt, dass es Missverständnisse gibt. „Wir wollen aufklären“, meint Wagner. Derzeit befinde man sich in der Terminabstimmung. Neben den Vereinen aus Löderburg sollen der entsprechende Fachdienst, das Gebäudemanagement und die Baubehörde vor Ort sein. Möglich, dass noch Mitte April ein Termin zustande kommt.

Dort will Wagner auch einen Vorwurf aus dem Offenen Brief entkräften. Dort heißt es: „Es wäre möglich gewesen – und ist es auch heute noch – mit den Mitarbeitern dieser Behörde (der Bauaufsichtsbehörde des Landkreises, Anm. d. Red.) gemeinsam zu beraten, welche aufgezeigten Mängel sofort, und welche in welchem Zeitraum abzuarbeiten wären. Unserer Auffassung nach würde das erhebliche finanzielle Mittel für Gutachter einsparen.“ „Wir haben keine finanziellen Mittel für Gutachter eingeplant“, sagt Sven Wagner dazu. Richtig sei, dass im März Planungsleistungen für den Brandschutz (inklusive neues Brandschutz- und Nutzungskonzept) sowie für Hochbau und Elektroinstallation ausgeschrieben worden. Bis Ende Juni soll ein Sanierungskonzept vorliegen. Das ist noch immer der aktuelle Stand.

Carsten Fütterer hat den Offenen Brief an die Stadträte übergeben. „Ich warte jetzt die Reaktionen ab“, sagt er. Dann soll beraten werden, wie weiter vorgegangen werden kann.