Staßfurt l Mit der linken Hand klopft Karl-Heinz Maruhn auf den fast mannshohen Mattenstapel im Geräteraum auf der linken Seite der Salzland-Sporthalle. „Hier müssen wir uns hinsetzen, mehr Platz haben wir nicht.“ Nein, es braucht keine tiefgreifende zwischenmenschliche Analyse, um zu verstehen, dass der Nachwuchskoordinator vom HV Rot-Weiss Staßfurt dicke Backen hat.

Seit kurzem ist das Staßfurter Urgestein zurück im Handball-Geschäft und zeichnet verantwortlich für die fünf Nachwuchs-Mannschaften des HV Rot-Weiss. Seine Aufgabe: Die Qualität und die Quantität der Nachwuchsarbeit nach vorn bringen. Doch in dieser Aufgabe fühlt sich Maruhn ausgebremst. „Wir haben keinen Platz“, sagt er. „Wir können kein Equipment anschaffen, die Mannschaften müssen teilweise zur gleichen Zeit trainieren. Darunter leidet die Ausbildung. Es ist immer beengt.“ Oder wie Präsident Patrick Schliwa es ausdrückt: „Das ist wie Flöhe hüten. Es gibt kaum individuelle Möglichkeiten. Das ist nicht optimal.“

Auslastung nicht bei 100 Prozent

Der Kernvorwurf: Die Kapazitäten der im September 2018 eröffneten Salzland-Sporthalle sind zu knapp. Schließlich hätten nicht nur die beiden Handball-Vereine HV Rot-Weiss Staßfurt und HC Salzland 06 ihr neues Domizil in der Halle gefunden. Auch die drei Schulen Förderschule J. H. Pestalozzi, Grundschule Nord und die Gemeinschaftsschule „Hermann Kasten“ nutzen die städtische Halle für den Schulsport. Allerdings offenbart der Hallenplan, dass die Schulen natürlich nur in den Morgen- und Vormittagsstunden in der Halle sind. Ab 15.30 Uhr oder 16 Uhr nutzen die beiden Handball-Vereine die Halle. Dazwischen ist sogar noch Luft. „Wir haben Auslastungsgrade von 80 bis 85 Prozent“, sagt Oberbürgermeister Sven Wagner. Theoretisch ginge also sogar noch mehr.

Bilder

Dass beim HV Rot-Weiss trotzdem das Gefühl aufkommt, die eigenen Teams kämen zu kurz, hat auch seine Gründe in den baulichen Unterschieden zur alten Paul-Merkewitz-Halle, in der beide Vereine zuvor beheimatet waren. Dort gab es einen Auslastungsgrad von 40 bis 45 Prozent. „In der Merkewitz-Halle konnte man auch hinter dem Tor trainieren, Fußball spielen, einen Kraftkreis machen oder Athletik-Ausbildung machen“, sagt Maruhn. „Da gab es Matten, Hürden und Blöcke.“

Nicht so viel Platz

Werden diese in der neuen Halle ausgebreitet, ist das Parkett der Dreifelder-Halle gut belegt. Hinter den Toren ist kein Platz. Dafür gibt es auf der rechten Seite eine Laufbahn für individuelles Training. „Es ist eine Herausforderung. Auch wir sind mit bis zu drei Teams gleichzeitig in der Halle“, sagt Sylvia Breitenstein aus dem Vorstand vom HC Salzland. „Aber das wurde gemeinsam mit den Vereinen und der Stadt abgesprochen. Man muss sich daran gewöhnen. Die Lösung ist erst einmal in Ordnung. Es muss aber nachgesteuert werden, ein oder zwei Einheiten entzerrt werden. Vielleicht kann man sich da zur neuen Saison mal zusammensetzen.“

Was Breitenstein vorschwebt: „Vielleicht kann man für beide Vereine reine Trainingstage eintakten.“ Für sie ist das nur ein Organisationsproblem. Auch der HC Salzland hat sieben Nachwuchs-Teams, dazu zwei Mannschaften im Erwachsenen-Bereich. Und logisch: „Es ist schwierig, sich umzugewöhnen. Ich war seit 1982 in der Merkewitz-Halle. Mein Herz hängt an der Halle.“ Aber Breitensteins Wille und der des Vereins sind vorhanden.

Zumal sich alle Beteiligten einig sind, dass die neue Halle ein richtiges Schmuckkästchen ist. „Die Halle ist top“, sagt auch Karl-Heinz Maruhn. „Wir freuen uns alle“, so Sylvia Breitenstein. Oder wie Sven Wagner es ausdrückt: „Die Rahmenbedingungen verdienen Bestnoten. Solche Bedingungen suchen ihresgleichen.“ Und zur Kritik vor allem vom HV Rot-Weiss: „Ich habe vollstes Verständnis für die Belange der Vereine.“ Aber die Generalkritik kann er nicht nachvollziehen.

Der Knackpunkt: Die Salzland-Sporthalle ist eine städtische Halle. Während die zwei Vereine in der alten Merkewitz-Halle völlig freie Hand hatten, aber auch da nur in den Nachmittags- und Abendstunden die Halle nutzten, müssen sie sich nun an veränderte Regeln halten. So muss sich der HV Rot-Weiss eben den Sportgeräteraum mit der Grundschule Nord teilen. Auch der HC Salzland bekommt einen Raum. „Da zeichnet sich eine Lösung ab“, sagt Sven Wagner. Aber weil drei Schulen einen solchen Raum brauchen, hat kein Verein einen Geräteraum nur für sich. Was Wagner an der Kritik des HV Rot-Weiss stört: „Wir müssen miteinander statt übereinander reden. Ich hätte mir gewünscht, dass die Verwaltung und der Fachdienst direkt angesprochen werden.“

Ein engerer Kontakt muss auch bei der Gestaltung des Eingangs her. Denn der ist laut HV Rot-Weiss wenig einladend für die Vereine. „Wir haben keine Möglichkeiten für Aushänge, können uns nicht repräsentieren“, sagt Karl-Heinz Maruhn. „Unsere Pokale stehen im Sportbüro im Keller“, so Patrick Schliwa. „Wir hatten im November einen Termin mit der Stadt, wie wir das gestalten können. Der wurde krankheitsbedingt abgesagt. Seitdem haben wir nichts mehr gehört. Unsere Tradition fällt runter.“ Aber Abhilfe naht, wie Hans-Georg Köpper, Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung mitteilt: „Es ist vorgesehen, zeitnah zu einer Besprechung mit dem Verein zusammenzukommen.“