Staßfurt l Mit ihrem Superporsche aus Staßfurt haben Vitaly Vavilov und sein Team von der Tuningwerkstatt „Scuderia V“ einen neuen Weltrekord eingefahren. Beim „Race 1000“ auf dem Cochstedter Flughafen ging der weiße, getunte Porsche 911 Carrera T als schnellstes Auto ins Ziel. Ein Profifahrer beschleunigte in einer halbe Meile (804 Meter) auf 262 Kilometer pro Stunde - die Bestzeit für einen 911 Carrera aller Zeiten.

Bei dem Rennen in Cochstedt, das mehrmals im Jahr stattfindet, geht es einzig und allein um die größtmögliche Beschleunigung auf der Distanz von einer halben Meile – es wird nur geradeaus gefahren auf einer Startbahn des Flughafens. Bei dem Wettbewerb vor vier Wochen nahmen 200 Autos aller Marken und aus der ganzen Welt teil. Rennställe, Liebhaber und Tuningunternehmen ließen ihre Autos einfliegen für das Event eines Rennveranstalters, das sich in der Szene mittlerweile etabliert hat. Die Angabe, wie schnell ein Wagen auf einer halben Meile beschleunigen kann, wird dabei exakt gemessen und später als feste Angabe gehandelt. In Cochstedt gab es für Rennautos vier verschiedene Klassen, die sich nach der PS-Zahl unterschieden.

Bereits in 2017 ging die „Scuderia V“, die in dem Jahr erst ihren Sitz in Staßfurt bezog, bei demselben Rennen in Cochstedt mit einem getunten Lamborghini Huracan mit 1600 PS an den Start und schaffte den europäischen Rekord über eine halbe Meile.

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Damit ist das Rennauto aus Staßfurt aktuell der Porsche 911 Carrera mit der größtmöglichen Beschleunigung weltweit – der schnellste oder besser der stärkste.

Auf Porsche spezialisiert

Der Superporsche wird in der Staßfurter Werkstatt als „Showcar“ bezeichnet und ist ein Vorführmodell zur Präsentation der unendlichen Möglichkeiten des Tunings. Vitaly Vavilov, der 2003 in Moskau ein internationales Unternehmen für Rennautotuning gegründet hatte, hat eigens das Basismodell, den Porsche 991 Carrera T, für diesen Zweck ausgewählt.

Es ist das Modell mit dem wenigstens Schnickschnack, einen leichtem Fahrgestell und puristischer Ausstattung, das ab 107 000 Euro über den Ladentisch geht. „Wir wollten gerade mit diesem Modell zeigen, dass es durch Tuning schneller als das schnellste Porschemodell, das zur Zeit existiert, werden kann, schneller als der 911 Turbo S, den es ab 205 000 Euro gibt“, sagt der Autotüftler.

Aus 370 PS werden 600 PS

Das Werkstatt-Team modifizierte den handelsüblichen Carrera, der über den Partner, das Porsche Zentrum Magdeburg, direkt aus der Fabrik geliefert wurde, bis auf das letzte Teilchen. Hersteller aus der ganzen Welt lieferten Spezialanfertigungen von einzelnen Bauteilen für den Superporsche. Alles wurde eingesetzt, getestet, ausgetauscht, wieder getestet.

Vitaly Vavilov ist zum Großteil seiner Arbeit damit beschäftigt, Zulieferer für bestimmte Bauteile zu finden und anzufordern, manchmal auch selbst welche zu konstruieren. Wenn nach diesem langwierigen Prozess dann alles stimmt, wird das Auto getestet - in der Werkstatt, auf der Rennstrecke, auf der geraden Bahn, bei Hitze und bei Glatteis.

Seit Ende Januar ist der Superporsche in der Staßfurter Werkstatt. Die schweren Bauteilen sind heute durch leichtere ersetzt. Eine spezielle Software wurde eingebaut, dazu besonders leichte Felgen, ein Auspuffsystem aus Titan statt aus Stahl und durch weniger Gewicht letztendlich ein geringerer Spritverbrauch. Aus Original 370 PS wurden 600 PS, 50 Kilogramm kamen vom Gewicht um die 1400 Kilogramm runter (Zum Vergleich, der 911 Turbo S hat 540 PS und wiegt rund 1600 Kilogramm).

Der Superporsche ist nun Prototyp. Kunden, die ihrem Porsche das gewisse Etwas verleihen wollen, können ihn in Staßfurt durch Einzelteilen tunen lassen, die für den Prototypen erstmals in Spezialanfertigung entstanden sind. Die „Scuderia V“ erhofft sich von ihrem Renn-Rekord jetzt auch größere Bekanntheit in Deutschland, wo sie sich gerade in der Szene etabliert.

Das Unternehmen tunt generell alle Sportautomarken von Lamborghini bis Nissan, hat sich aber auf das Umbauen des Porsche spezialisiert. Die Besitzer der Rennautos kommen aus ganz Europa und nutzen ihre Schmuckstücke für Hobbyrennen, professionelle Rennen oder für den Alltag.

Sicherheit geht vor

Die Staßfurter Supermechaniker haben bei all ihrer Arbeit übrigens immer zwei Dinge im Blick - erstens die Sicherheit. „Wenn gewisse Modifikationen an die Grenzen der Sicherheit gelangen, machen wir es nicht“, sagt Vitaly Vavilov. Die „Scuderia V“ organisiert daher Theoriekurse und Fahrsicherheitstraining auf Rennstrecken zwischen der Motorsportarena Oschersleben und dem Nürburgring.

„Ich betrachte es kritisch, dass sich heute theoretisch jeder ein Auto mit 2000 PS kaufen kann, aber niemand den Menschen beibringt, wie man damit umgehen muss“, kommentiert der Tüftler.

Freiheit, Geschwindigkeit und Emotionen

Faktor Nummer 2 sind die Emotionen. Hinter allen neuen Bauteilen und Modifikationen steht letztendlich das Gefühl von Freiheit, Geschwindigkeit und Fahrspaß. „Am Ende geht es bei diesen Autos um Emotionen“, sagt Vitaly Vavilov. Diese Emotionen versucht er in seiner Arbeitsweise ganz besonders anzuregen. Er verändert das Auspuffsystem so, dass das Auto „einen richtigen Sportwagen-Sound“ bekommt. Dieser Sportwagen-Sound kann in den getunten Autos über einen Knopf ein- und ausgeschaltet werden und lässt jede einzelne Bewegung des Motors aus dem Kofferraum hören.

Viele weitere Projekte der Autotüftler warten noch auf Staßfurt. Das Mechanikerteam besteht aktuell noch aus mehreren Tuningexperten, die ab und an aus Finnland einfliegen. Denn die „Scuderia V“ hat Standorte in Dubai, Helsinki und Moskau.

„Ich möchte aber langfristig Menschen aus der Region einstellen“, sagt Vitaly Vavilov, der echte Spezialisten sucht. Die Werkstatt in Staßfurt ist wegen der aufwendigen Renovierungsarbeiten im einstigen Opelautohaus zwar noch nicht eröffnet, aber mittlerweile ist Staßfurt der Hauptsitz der „Scuderia V“ geworden. Weitere Weltrekorde aus Staßfurt kommen bestimmt.