Groß Börnecke l Kirchen gehören oft zu den ältesten noch erhalten Gebäuden in vielen Städten und Gemeinden. Oftmals haben die Bürger bereits im Mittelalter die Häuser errichtet, um gemeinsam zu beten. Groß Börnecke macht dabei keine Ausnahme.

Die kleine Sankt-Laurentius-Kirche im Herzen des Ortes war früher katholisch, sagt Jörg Biedermann. Vor 500 Jahren schlug Martin Luther seine Thesen an die Kirchtür. Schon vor ihm gab es Reformbewegungen innerhalb der Kirche. Nach Luther kam es zur Spaltung der Kirche. Aus katholischen Gemeinden wurden evangelische Gemeinden, weiß Jörg Biedermann. Der Wandel und die Kirchenspaltung gingen auch an den Gotteshäusern nicht spurlos vorüber. Immer wieder wurden sie angepasst.

Früher, sagt er, habe es die Stufen nicht gegeben. Auch sei die Kanzel, von der heute die Pfarrerin Dorothea Laser-Merkers zur Gemeinde spricht, aus einer anderen Kirche geholt worden.

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12 Stationen

Zum Tag der offenen Kirche am vergangenen Sonntag hatten Pfarrerin und Kirchengemeinde zwölf Stationen für die Besucher vorbereitet. In den zwölf Stationen konnten die Bürger selbst viel über ihre Kirche lernen.

Das Gotteshaus ist in Groß Börnecke nicht nur ein Ort des gemeinsamen Gottesdienstes gewesen. Die Kirche ist auch ein Ort des Erinnerns. Das zeigen deutlich die großen Tafeln an der Wand für die Gefallenen der großen Kriege der vergangenen Jahrhunderte.

„Heldenhaft“ fielen dabei noch die Einwohner beim Krieg 1871 gegen Frankreich. Heute würde dies niemand mehr so formulieren, ist die Pfarrerin überzeugt. Man müsse die Gedenktafel auch im zeitlichen Kontext sehen. Damals haben die Menschen die Dinge anders betrachtet. Auch für die gefallenen Bürger der nachfolgenden großen Kriege sind Erinnerungstafeln in der Kirche angebracht.

Die Kirche ist dabei aber mehr, als nur ein Bauwerk oder ein Ort der Erinnerungen. Die Kirche ist auch ein Treffpunkt der Mitglieder der Kirchengemeinde. Je aktiver sie ist, desto lebhafter ist auch das Kirchenleben.

Nur Bruchteil geht in Kirche

In einer Gesellschaft, in der nur noch ein kleiner Bruchteil der Bevölkerung eine Beziehung zur Kirche hat, waren die zwölf Stationen dazu gedacht, viel über die Kirche und ihre Einrichtungen zu erfahren, erzählt Pfarrerin Dorothea Laser-Merker.

Überall gab es Erklärungen und Hinweise. Den Altar konnten sich die Besucher dabei ebenso ansehen wie die Kanzel. Hier hatte sich die Pfarrerin noch etwas Besonderes ausgedacht. Mutige Besucher konnten einen Bibelspruch von der Kanzel sprechen.

Etwas Mut gehört schon dazu, auf die Kanzel zu gehen und laut zu sprechen, sagte Lea-Naomi. Die junge Besucherin überwand sich aber und sagte einen Spruch auf.

Im Rhythmus von zwei Wochen steht Pfarrerin Dorothea Laser-Merker auf der Kanzel und spricht zur Gemeinde. Es sei schön, dass es regelmäßig einen Gottesdienst im Haus gebe, sagt Jörg Biedermann. Der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates und ehrenamtliche Organist erinnert daran, dass die Gemeinde sich seit langer Zeit für die Sanierung der Laurentiuskirche eingesetzt habe.

Neuerungen im Gebäude

Die Deckenbemalung ist wiederhergestellt worden. Hinter dem Altar sind neue Fenster eingebaut worden. Im Laufe der Jahrhunderte habe sich die Kirche immer wieder verändert, sagt er. Auch nun geschehe dies wieder.

An der Orgel drückt er einige Tasten. Als Nächstes werde die Gemeinde eine Sammlung für die Orgel starten, erzählt er weiter. Das Musikinstrument müsse dringend komplett saniert werden, betont er. Die 1859 erbaute Orgel sei in keinem guten Zustand mehr. Seines Wissens nach sei das Instrument bereits zweimal seit dem Einbau saniert worden. Zuletzt seien Fachleute in den 1960-er Jahren den Pfeifen zu Leibe gerückt, beschreibt er.

Nun sei es wieder an der Zeit, die Orgel zu sanieren und damit für die Zukunft zu erhalten. Die Sanierung werde rund 15.000 Euro kosten. Eine Stange Geld für die gut 500 Mitglieder starke Kirchengemeinde.

Die Kirchengemeinde hoffe aber auf Fördermittel für die Orgelsanierung. Dauerhaft werde sie auch nicht sein, weiß der erfahrene Musiker. Nach einem gewissen Zeitraum werden spätere Generationen ebenso mit dem Erhalt des Musikinstruments beschäftigt sein.

Zwei Kirchen stehen noch

Früher waren die Bürger in Groß Börnecke offenbar reich. Denn es gab einmal drei Kirchen in dem landwirtschaftlich geprägten Ort. Neben der Laurentiuskirche steht nur die Clemenskirche noch.

Sie wurde vor dem Mauerfall als Lagerraum genutzt. Heute kümmern sich Bürger in einem Verein um den Erhalt des Hauses. Denn auch diese Kirche ist ein Teil der Ortsgeschichte.

Am kommenden Sonntag findet bundesweit wieder der Tag des offenen Denkmals statt. An diesem Datum hätten die Börnecker ihre Kirche ebenso öffnen können. Allerdings, sagt die Pfarrerin, ist das Angebot an diesem Tag sehr groß. Die kleinen Kirchen hätten dann das Problem, dass sich kaum ein Besucher noch für sie interessiere. Denn vor allem die großen Bauwerke profitierten von dem Tag des offenen Denkmals. „Als kleine Kirche muss man sich etwas anderes einfallen lassen, um Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagt sie. Deshalb habe sich die Kirchengemeinde bewusst dazu entschieden, ihre Kirche eine Woche vorher zu öffnen. Ohne große Konkurrenz besuchten dann sehr viel mehr Leute das kleine Gotteshaus und lassen sich auf die Geschichte ein.

Am kommenden Sonntag öffnet die Cochstedter St.-Stephani-Kirche in der Zeit von 14 bis 18 Uhr ihre Türen. Um 14.30 Uhr gibt es sogar ein Orgelkonzert im Gebäude. Die Kirchengemeinde bietet an dem Tag ebenso Führungen durch das Gotteshaus an, welches immer noch saniert wird. In den vergangenen Jahren haben die Cochstedter sehr viel Geld, Arbeit und Zeit in ihre Kirche investiert.