Staßfurt l Etwas eigenartig ist es schon, dass nicht etwa Ur-Staßfurter durch die Salzstadt führen und deren Geschichte erklären. Doch seit dem Peter Knauf vor 19 Jahren mit seinem Ehrenamt als Stadtführer begann, hat sich noch niemand daran gestört, dass er in Hecklingen wohnt. Und warum soll nicht auch ein Heimatfreund aus Aschersleben Staßfurter Geschichte vermitteln können? Der Aschersleber heißt Jörg Puhl und ist 43 Jahre alt. Im Oktober 2017 begann er mit Hilfe seines 77-jährigen Kollegen, sich für dieses Ehrenamt zu engagieren.

Über einen Bildungsträger war der Einestädter zu einem zweiwöchigen Praktikum ins Stadt- und Bergbaumuseum nach Staßfurt gekommen. Der Leiter der hiesigen Kultureinrichtung Michael Scholl erkannte das Potenzial des Praktikanten, der sich seit seiner Schulzeit für Geschichte interessiert und auch in Aschersleben als Stadt- und Gästeführer aktiv ist und der dort auch schon Friedhofsführungen unternommen hat. Puhl nimmt an der Geschichtswerkstatt des Landkreises teil, absolvierte Praktika im Museum und im Archiv in Aschersleben, war sogar schon zu einem Auslands- praktika in Südengland.

Peter Knauf könnte etwas neidisch werden beim Blick auf den Werdegang seines jüngeren Kollegen, der bezüglich der Ausbildung viel Unterstützung seitens seiner Heimatstadt erfuhr. „Ich weiß nicht, ob ich alles richtig mache“, so Knauf, „In Magdeburg gab es zum Beispiel mal einen Lehrgang, an dessen Ende ein Zertifikat stand. Dafür hätte ich mich interessiert. Aber die Stadt Staßfurt leider nie.“

Man kann sich nicht alles erlesen

Nichtsdestotrotz hat Peter Knauf mit seinen Stadtführungen mittlerweile etwa 3500 Teilnehmern eine Freude bereitet. „Das Interesse war am Anfang doppelt so groß“, meint der Hecklinger, den übrigens der damalige Stadtrat Eberhard Müller gut zugeredet hatte, unbedingt als Stadtführer weiterzumachen, weil die Stadt so etwas brauche. Da hatte Peter Knauf die Sanierung des Staßfurter Rondells 1999 als ABM-Projektleiter beendet – und sich quasi in das einstige Festungsbauwerk verliebt, welches – nebenbei bemerkt – unbedingt mal wieder Pflege bräuchte, bevor es wieder zuwächst. Heute kommt Peter Knauf auf etwa acht bis zehn Führungen im Jahr.

Jörg Puhl wiederum ist froh, wenn er von älteren Kollegen mit reichem Erfahrungsschatz etwas lernen kann. Museumsleiter Scholl pflichtet dem bei: „Man kann sich nicht alles erlesen. Viele kleine Geschichten werden erst durchs Erzählen vermittelt.“

Auch solche Tipps, dass eine Führung möglichst nicht länger als anderthalb Stunden dauern und man als Stadtführer nicht mit zu vielen Jahres- oder anderen Zahlen arbeiten sollte, gibt Peter Knauf gern weiter. Sonst werde es unter Umständen langweilig. „Ich habe es selbst schon in anderen Städten erlebt. Zu Beginn der des Rundgangs waren wir 30 Teilnehmer, am Ende vielleicht noch ein Dutzend...“

Und man müsse sich immer auf die Gäste einstellen. Dabei spiele eine große Rolle, ob es Staßfurter sind oder Fremde. „Vieles ergibt sich dann auch aus Gesprächen, wo man gegenseitig neue Episoden erfahren kann“, weiß Michael Scholl.

Eine der schönsten Führungen, die Peter Knauf mal erlebt hat, sei gewesen, als die Gesellschaft ihren Urgroßvater zu Gast hatte, einen ehemaligen Staßfurter. Von ihm habe er selbst sehr viel lernen können.

Stadtführungen – ob eine kleine Runde mit Besuch des Rondells oder die große Runde unter Einbeziehung von Stadtsee, Theater und historischen Schachtanlagen – kann man übrigens über das Staßfurter Museum buchen für den Eintritt eines Museumsbesuches. Die Stadtführer freuen sich natürlich am Ende so eines Rundgangs auch über einen kleinen Obulus als Dankeschön.

Sehr beliebt als Anlass von Stadtführungen sind Klassentreffen.

Über das Stadt- und Bergbaumuseum Staßfurt (Tel. 03925/32 31 33) werden auch Sonderführungen am Schnitzaltar (15. Jahrhundert) im Seniorenheim Luisenplatz vermittelt, welche durch Jürgen Lindemann und Pfarrer i.R. Thomas Weigel geleitet werden.