Staßfurt l Die junge Frau ist selbstbewusst, fröhlich und voller Tatendrang. „Ich wollte noch mehr neue Erfahrungen sammeln und mir eine neue Herausforderung suchen“, sagt Jessica Krengel-Lienau im Volksstimme-Gespräch. Seit 1. April hat sie den Posten als Stadtjugendpflegerin in Staßfurt inne und schon jetzt sagt sie: „Es ist eine sehr abwechslungsreiche, sehr vielseitige Arbeit, bei der die Kinder und Jugendlichen - die Zukunft unserer Stadt - im Mittelpunkt stehen.“

Jessica Krengel-Lienau merkt man an, dass sie richtig Lust auf die Arbeit hat und sich mit viel voller Energie reinhängt. Die ersten Erfolge ihrer Arbeit sind schon sichtbar: Neben einem Ferienpass, der dieses Jahr neue Angebote in petto hatte, gibt es auch beim Jugendbeirat, den sie betreut, erste Ergebnisse. Mit einem neuen Flyer wirbt dieser jetzt vermehrt Mitglieder an. Eine Juniorwahl zur Bundestagswahl soll unter der Regie der neuen Stadtjugendpflegerin auch in Staßfurt stattfinden. Beim Salzlandfest hat sie erstmalig den Jugendbeirat für eine „Jugendmeile“ bei der Veranstaltung gewinnen können. Und auch die Befragung von Jugendlichen in Staßfurt, die der Jugendbeirat durchgeführt hat, ist jetzt fertig.

Mit 25 Jahren hat Jessica Krengel-Lienau in Staßfurt gleich eine Führungsposition bekommen und sich gegen fünf Bewerber durchgesetzt. Ihre Vorgesetzte, Ina Siebert vom Fachdienst Jugend und Kultur, fand: „Mit dem Studienabschluss in Richtung Sozialpädagogik, den vielen Erfahrungen, auch in schwierigen Bereichen, und natürlich weil es persönlich einfach gepasst hat, fiel die Wahl auf sie.“

Aufgewachsen in Neundorf

Jessica Krengel-Lienau stammt ursprünglich aus Neundorf, hat am Staßfurter Gymnasium Abitur gemacht und wohnt jetzt in Bernburg. Nach einem einjährigen Praktikum in einem Kinderheim, hat sie das duale Studium „Soziale Arbeit, Hilfen zur Erziehung“ an der Berufsakademie Sachsen im Erzgebirge abgeschlossen. Im Studium, das wiederum die praktische Arbeit in einem Kinderheim beinhaltete, hat sie sich speziell auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit hohem Erziehungsbedarf und die Führung von Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen vorbereitet. Während des Studiums leitete sie eine eigene Theatergruppe mit Jugendlichen und eine Arbeitsgemeinschaft zur Sexualpädagogik.

Jessica Krengel-Lienau machte gleich nach ihrem Studium erste Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern mit belasteten Lebensläufen, zum Beispiel mit Jugendlichen im Betreuten Wohnen bei Kids e.V. in Bernburg und in einer Kinderpsychiatrie. Da ihr letzter Job als Schwangerschaftsvertretung befristet war, hat sie das zum Anlass genommen, sich nochmal neu zu orientieren.

Während ihrer Arbeit bei der Stadt macht Jessica Krengel-Lienau übrigens noch berufsbegleitend ihren Master und muss aktuell noch die Masterarbeit fertig schreiben, um das Studium „Integrative Lerntherapie“ erfolgreich zu beenden.

Leiterin der Jugendclubs

Die Stadtjugendpflegerin, die immer hauptamtlich bei der Stadt Staßfurt angestellt ist, hat auch die Leitung über die städtischen Jugendclubs. Sie ist also „Dienstvorgesetzte“ der Mitarbeiter etwa in den Jugendclubs Nord, Förderstedt oder Brumby. Dort arbeiten sowohl hauptamtlich angestellte Sozialpädagogen als auch ehrenamtliche Betreuer, deren Arbeit verantwortet werden muss. Die Führung solcher Einrichtungen hat sie bereits im Studium gelernt. Die zwölf Ehrenamtlichen, die in den Jugendclubs Brumby, Rathmannsdorf, Hohenerxleben oder Nord arbeiten seien „unsre Engel“, sagt Jessica Krengel-Lienau, weil sie sich in ihrer Freizeit für die Jugendlichen engagieren.

In diesem Bereich spielt auch die theoretische Planung eine Rolle. Der sogenannte „Jugendentwicklungsplan der Stadt Staßfurt“ wurde noch gemeinsam mit der Vorgängerin Nicole Netwall, die nach Leipzig gegangen ist, für 2017 bis 2019 aktualisiert. Bei dieser Arbeit geht es um Analysen der Besucherzahlen in den Jugendclubs, Prognosen für die Zukunft, Personal und Erhalt der Einrichtungen.

Zu den Aufgaben gehört auch, die pädagogische Arbeit der Jugendclubmitarbeiter auf dem aktuellsten Stand zu halten. Die Stadtjugendpflegerin organisiert Weiterbildungen für das Personal und informiert die Mitarbeiter regelmäßig über neue Gesetzlichkeiten oder Regelung, die in die Jugendarbeit hineinspielen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit sind sämtliche Aktivitäten rund um die Jugend in Staßfurt. Ferienspiele im Strandbad, Ferienpass und die jährlichen Staßfurter Kinder- und Jugendtage im September sind Aktionen, die das Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche attraktiver machen sollen. Auf den Erfolg des diesjährigen Kindertages, der im Tiergarten gefeiert wurde, ist Jessica Krengel-Lienau stolz: „Der Tag war top besucht“, sagt sie, die Organisation und Finanzierung in den Händen hielt.

Ob Aufklärungsveranstaltungen im Jugendclub oder Erlebnisfahrten - jede Aktivität muss einzeln bearbeiten werden. Die Stadtjugendpflegerin holt Zuwendungen vom zuständigen Amt im Salzlandkreis ein, stellt Anträge und taktet Personal und Sachkosten ein.

Das erweiterte Kinderzimmer

Den Jugendclubs misst Jessica Krengel-Lienau große Bedeutung im Stadtleben bei. Hauptaufgabe ist die sinnvolle Freizeitgestaltung bei Kindern und Jugendlichen, die in ihrer Freizeit nicht an Arbeitsgemeinschaften, Vereinsangeboten, Musikunterricht oder Sport teilnehmen. Nicht immer liegen die Gründe dafür in der finanziellen Situation der Familie. „Mir gefällt ein Satz sehr gut: Der Jugendclub ist das erweiterte Kinderzimmer“, sagt Jessica Krengel-Lienau. Im Jugendclub sind Freunde, Pädagogik, Unterhaltung, Hausaufgaben, Versorgung und ein offenes Ohr unter einem Dach vereint.

Ziel der Stadtjugendpflege ist es, „die Jugendarbeit mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken“, sagt sie. „Ich höre von jungen Leuten oft, dass sie die Jugendclubs gar nicht kennen. Aber wir haben Angebote für alle, die die jungen Leute freiwillig nutzen können und bei denen sie sich einbringen können“, sagt sie. Mit den Schulen soll daher in Zukunft enger zusammengearbeitet werden.