Staßfurt l Bummernde Beats, die an die Nieren gehen. Laute Diskussionen, Geschrei bis tief in die Nacht. Und immer wieder diese Autos, die dröhnen und die Menschen aus dem Schlaf reißen. So und so ähnlich haben es die Anwohner beschrieben, wenn sie sich über die nächtlichen Ruhestörungen am Staßfurter Stadtsee beschwerten.

Wer will es den jungen Menschen verdenken, sich am See zu treffen? Mitten in der Stadt ist die kleine Wohlfühloase bei vielen Staßfurtern beliebt. Aber weil oft bis nach 22 Uhr gefeiert wurde, muss eine Lösung her. Das wissen viele Jugendliche selbst. Deswegen hat sich der Jugendbeirat, die politische Vertretung der jungen Menschen in der Stadt, Gedanken gemacht. Es muss ein neuer Versammlungsort her. Eine Fläche, an der Jugendliche ungestört zusammenkommen können. „Wir haben viel darüber geredet“, sagt Lukas Tran, Vorsitzender des Jugendbeirats.

Bei einem Workshop im vergangenen Jahr im Strandsolbad wurde dann in gemeinschaftlicher Runde eine Idee geboren, die gar nicht blöd klingt. Wie wäre es denn mit der Fläche zwischen Staßfurter Tafel, Bode und Post-Parkplatz? Hier gibt es Grünflächen, befestigte Wege zum Wasser und es erfüllt mehrere notwendige Kriterien. „Der Standort muss der Stadt gehören“, erklärt Stadtjugendpflegerin Jessica Krengel-Lienau. „Er muss zentral liegen“, ergänzt Kim Kellermann vom Jugendbeirat. Ja und ja. Haut beides hin. „Dazu gibt es dort eine öffentliche Toilette“, so Krengel-Lienau. Der Parkplatz an der Wassertorstraße ermöglicht zudem Jugendlichen über 18 eine Anfahrt mit dem Auto ohne weite Wege.

Das Projekt „Jugendfreizeitplatz“ soll dann mehrere Sachen verbinden. Zum einen soll eine überdachte Außensitzgruppe hergestellt werden, unter der sich die jungen Menschen bei schlechtem Wetter unterstellen können. Dazu regen die Mitglieder des Jugendbeirats an, es mit sportlichen Aktivitäten zu verbinden. „Ich träume von einem Basketball-Platz“, sagt Lukas Tran. Aber auch ein kleines eingezäuntes Fußball-Feld spielt in den Gedankenspielen der Jugendlichen eine Rolle. „Wenn man es grob überschlägt, könnte so etwas vielleicht 30 000 Euro kosten“, erklärt Krengel-Lienau.

Idee kommt gut an im Ausschuss

Natürlich ist das aber nur eine erste Idee. „Wir warten die Kommunalwahlen ab und dann schauen wir mal, dass wir intensiver darüber nachdenken“, so Tran. Der Vorschlag wurde bei der letzten Sitzung auch dem Ausschuss für Jugend, Senioren und Soziales als Teil des Jugendbeiratsberichts vorgestellt. „Wir sollten das aufnehmen und uns damit beschäftigen“, meint Ralf-Peter Schmidt (UBvS). „Ich sehe den Vorschlag positiv“, sagt Ausschussvorsitzender Michael Hauschild (SPD/Grüne). „In der nächsten Sitzung können wir darüber reden.“ Diese findet am 9. Mai vor dem Stadtrat statt.

Generell findet Hauschild für das Engagement von Lukas Tran nur lobende Worte. „Er hat das gut im Griff, ist sehr hinterher. Wir arbeiten ordentlich zusammen. Er ist Gestalter und nicht nur Mitläufer und kommt regelmäßig zu den Ausschusssitzungen.“

Was sagt die Stadt zum Vorschlag aus dem Jugendbeirat? „Ich möchte das nicht ausschließen. Das ist eine großartige Idee“, sagt Wolfgang Kaufmann, Fachbereichsleiter Bauen der Stadt Staßfurt. Um dem Sportkonzept entgegenzukommen, schlägt er sogar vor: „Vielleicht könnte man die Skaterbahn von der Tankstelle in der Lehrter Straße dort hinversetzen.“

Aber klar ist noch überhaupt gar nichts. „Wir müssen das konzeptionell betrachten“, so Kaufmann. „Das braucht Zeit.“ In der gesamten städtebaulichen Entwicklung sollen grundsätzliche Überlegungen angestellt werden und auch für die Fläche an der Bode eine Idee entwickelt werden. Möglich, dass der „Jugendfreizeitplatz“ dabei eine Rolle spielt, vielleicht gibt es aber auch andere Pläne. „Und natürlich sollte auch der Stadtrat gefragt werden“, sagt Kaufmann.

Baukosten über Spenden hereinholen?

Wie die Idee der Jugendlichen reifen könnte? „Ihr müsst auf die Stadträte zugehen“, empfiehlt Jessica Krengel-Lienau. Dort müssten Verbündete gesucht werden, die Anträge einbringen können. Das dürfen Mitglieder des Jugendbeirats nicht. Zudem müsste ja auch die Bereitstellung der Baukosten geklärt werden. „Vielleicht kann man das Geld über Spenden hereinholen?“, schlägt Kim Kellermann aus dem Jugendbeirat vor. Sich selbst helfen scheint ein Credo des Jugendbeirats zu sein. Die Idee steht nun im Raum. Ob mehr daraus wird, werden die Zeit und die Überlegungen von Stadtverwaltung und Stadtrat zeigen.