Staßfurt l Überall sind Schläuche verteilt auf der neuen Plattform, die einmal die Ausstiegsstelle für Kanufahrer am Staßfurter Wehr werden soll. Vor ihrem Transporter haben zwei Berufstaucher ihre Gerätschaften aufgebaut. Uwe Herrbold, der gerade nicht mit Tauchen dran ist, hat einen Apparat neben sich aufgebaut. Darüber spricht er mit seinem Kollegen unter Wasser und hört ihn atmen.

„Geht‘s?“, fragt Uwe Herrbold ihn ab und an. Der wiederum ist nicht zu sehen. Man sieht es nur ganz nah an der großen Spundwand blubbern. Aus dem Wasser steigen Feuerfunken und Qualm auf. Der Taucher im Wasser, Axel Lindemann, trennt die großen Spundwände unter Wasser bis auf den Grund ab. Dazu benutzt er glühende Brennstäbe und diese werden so heiß, dass sie tatsächlich unter Wasser brennen.

Spundwände sichern Anlagen

Mit seinem Bagger steht der Leiter der Großbaustelle Enrico Hasenbein bereit. Er erklärt: „Wir haben hier an der Kanustelle Spundwände gesetzt, um die Baustelle trockenzulegen und arbeiten zu können. Jetzt werden die Spundwände bis zum Gewässergrund abgetrennt.“ Im Untergrund des Gewässers halten die Spundwände die ganze Konstruktion und sichern sie, sodass sie nicht vom Ufer abrutscht.

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Einen neuen Brennstab fordert der Taucher unter Wasser jetzt durch die Sprechanlage. Der Kollege reicht ihm das Stück zum Einsetzen. Kurze Zeit später kann der Taucher schon das Kommando geben: Ein weiteres Stück der Spundwand ist jetzt abgetrennt und kann vom Bagger aus dem Wasser gezogen werden.

„Zum Arbeiten ist es heute nicht so toll“, sagt Bauleiter Enrico Hasenbein. Die Wendefurther Talsperre wurde am Freitagnachmittag für die Baufirma überraschend geöffnet und befördert Unmengen an Wasser in die Bode. „Seitdem ist der Pegel hier am Wehr um die 50 Zentimeter gestiegen.“ Zum Glück waren keine teuren Baumaschinen mehr in Wassernähe, als die Bauarbeiter schon im Feierabend waren.

Wehr geöffnet

Am Staßfurter Wehr mussten vor einigen Tagen auch einige Schotten geöffnet werden. Seitdem rauscht das Wasser durch. Dreck wird aufgewirbelt, das Wasser ist trübe. „Da sieht man schlecht beim Arbeiten unter Wasser“, meint der Bauleiter. Das Taucherteam aus Wittenberg schafft seine Aufgaben am Staßfurter Wehr trotzdem in zwei Tagen.

„Die Atemluft kommt über die Schläuche“, erklärt der Taucher Uwe Herrbold an Land. „Die Sauerstoffflasche hat er eigentlich nur für den Notfall dabei.“ Jeder der Taucher „schufftet“ etwa drei Stunden unter Wasser, dann wechseln sich die Kollegen ab. Die „Bautaucher“ von „Wirth und Lindemann“ arbeiten übrigens deutschlandweit an Wasserkraftwerken, Schleusen und Brücken. „Es ist eine Abwechslung zum normalen Berufsleben“, plaudert Uwe Herrbold über seine Arbeit. Aber es ist auch ziemlich anstrengend. „So als würde man die ganze Zeit Wassergymnastik machen“, lacht er. Die Mitarbeiter haben eine Schweißerausbildung und eine Fortbildung zum Taucher.

An der Fischtreppe, die in 65 Meter Länge am Staßfurter Wehr vorführt, muss der Ein- und Ausgang von den Tauchern aufgeschweißt werden. Bisher war auch die Aufstiegsanlage für den Bau trockengelegt. Als die Spundwände aufgeschnitten sind, kann das Wasser zum ersten Mal hindurch strömen. Die ersten Fische können also seit dieser Woche durch die neue Anlage schwimmen.

Das Land investiert 1,2 Millionen Euro, um das Wandern aller Fischarten und die „ökologische Durchlässigkeit“ zu ermöglichen, damit die Bode den neuesten Standards aus der Wasserrichtlinie der Europäischen Union entspricht.

Ende der Bauarbeiten absehbar

Zur Zeit sind weitere Bauarbeiter der sächsischen Firma, die seit Juni 2018 die Fischaufstiegsanlage errichtet, mit einer neuen Brücke beschäftigt. Hans-Jürgen Holz und Ronny Gumz bauen zur Zeit dafür das Widerlager. Die Brücke soll den Fußgängerüberweg auf dem Wehr und den Radweg in der Horst verbinden und führt über den neuen Fischpass.

Es fehlt nicht mehr viel, dann ist alles rund um den neuen Fischpass abgearbeitet. „Wir müssen noch die Fundamente der Brücke fertig machen und die Anbindung des Radwegs auf der Seite des Landschaftsschutzgebiets“, so Enrico Hasenbein. An der Stelle soll der Radweg asphaltiert werden. Der Fischpass bekommt noch ein Geländer.

Eine Brücke möchten die Bauleute aber erst aufsetzen, wenn am Radweg alles fertig ist. „Ich schätze mal, das wird in 14 Tagen sein“, meint der Bauleiter. Denn auch wenn die Baustelle gesperrt ist, hält sich kaum ein Spaziergänger oder Radfahrer an das Verbot und das könnte gefährlich werden.

Aktuell erreiche man bei dem hohen Wasserstand mit den Baufahrzeugen das andere Ufer aber schlecht. Die Baustraße, die sich die Mitarbeiter quer durch die Bode für ihre großen Fahrzeuge gelegt haben, ist überflutet.

„Alles in allem sind wir bestimmt in vier Wochen fertig“, so der Ausblick des Bauleiters. Das Bauwerk soll dann im April nochmal von den Offiziellen bei einer feierlichen Übergabe eingeweiht werden. Sachsen-Anhalts Umwelt- ministerin Claudia Dalbert soll dazu nach Staßfurt kommen.