Staßfurt l Nur wenige Meter sind die Geschäfte in der Steinstraße voneinander entfernt. Aber zwischen den Meinungen ihrer Inhaber scheinen Welt zu liegen.

Vernachlässigt

Im Sportgeschäft fühlt man sich mit dem Standort in der unteren Steinstraße abgehängt und vernachlässigt. „Erst waren hier unten keine Weihnachtsbäume angebracht, bei Festen wie ‚Staßfurt in Flammen‘ oder dem ‚Salzlandfest‘ ist hier wenig los, bei der Straßenreinigung hat man uns schon mal vergessen und nicht einer vom Rathaus war hier“, erklärt Mitinhaberin Maren Maier, was sie schon lange stört.

Dass die Stadt Kress in Staßfurt ansiedeln möchte, nimmt sie übel, auch weil sie genau dieselben Marken bereits im Sortiment hat. „Man kann nicht einfach behaupten, es fehle in Staßfurt an Angeboten für Bekleidung. Hier gibt es bereits alles von billig bis hochwertig.“

Hoffnungsvoll

Genau gegenüber in der Apotheke redet Inhaber Michael Teuber ganz anders. „Dass die Postagentur hier nebenan eingezogen ist, bringt uns noch mehr Leben in die Straße und ist für Staßfurt einfach genial“, sagt er. „Wenn die Leute sehen, dass hier eine Apotheke ist, merken sie sich das vielleicht für ihren nächsten Besuch.“ Die Weihnachtsbäume für die Laternen seien ja dann doch noch nachgeliefert worden. Zwar verspüre auch er im unteren Teil der Steinstraße „ein bisschen eine Leere“, aber mit dem neuen „Haus am See“ werde sich das bestimmt ändern.

Außerdem hat Michael Teuber das Glück, dass seine Apotheke die Kunden quasi „automatisch“ anzieht, sie selbst ein Magnet ist, da Medizin oft unverzichtbar ist. Nach dem Motto „Selbst ist der Mann“ hat Teuber übrigens in Eigenregie neue Parkplätze angelegt, um es den Kunden leichter zu machen.

Zwiegespalten

Roswitha Hönig, mit ihrem Lottoshop ein „Original“ in der Steinstraße, sieht das Thema mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Eine positive Entwicklung in der Steinstraße wird jetzt durch Frau Kurse vom Kreativbüro und Herrn Beyer von der Stadt spürbar, die Händler reden endlich wieder miteinander.“

Allerdings seien die Menschen in Staßfurt einfach tief enttäuscht: „Die Leute sind sauer, weil die Deutsche Bank und die Post einfach wegfallen. Es kann nicht sein, dass diese Bankkunden hier keine Geld mehr bekommen. Staßfurt kann doch nicht zum Loch werden. Das kann doch nicht die Erfüllung sein?“

Überrascht

„Das hätte ich mal nie gedacht, dass es so gut läuft“, sagt Michael Fels. Mit seinem Ballonshop ist er seit einem Monat neu in der Steinstraße, bekam Hilfe von der Stadt, als er unbedingt in die Innenstadt wollte. Im Vergleich zum letzten Standort am Bahnhof komme jetzt „viel mehr Laufkundschaft“, so Michael Fels, der so auch mehr Umsatz macht. „Allein die Parkmöglichkeiten machen hier viel aus.“

Glücklich

Ebenso gehören Fotograf Ritchy Stock und Floristin Nadine Schmidt zu den „Neuen“ in der Steinstraße. Sie sind im Juni extra in die mittlere Steinstraße gezogen, um mehr Zustrom zu haben, aber auch um die Innenstadt zu beleben. „Es ist wirklich viel los“, sagt Nadine Schmidt, „nicht nur an den beiden Wochentagen, wenn Markt ist.“ Sie freut sich über die positiven Reaktionen von Menschen, die ihr Geschäft bis heute neu für sich entdecken. „Es ist doch schön geworden in der Steinstraße, wenn man das Bild mal mit dem letzten Jahr um diese Zeit vergleicht. Es ist mehr los.“

Auch der Fotograf im Obergeschoss über dem Blumenladen freut sich über „etwas mehr Laufkundschaft“ als vorher in der unteren Steinstraße. „Also ich will hier nicht mehr weg“, sagt Ritchy Stock und lächelt.

„Wir betreiben seit 2013 das Theatercafé in der Steinstraße“, erklärt Michael schnock. „Anhand unserer Gästezahlen können wir nach fünf Jahren sagen: Unsere Besucherfrequenz ist konstant.“ Dabei war es gut, dass die Stadt die Poller aus der Straße entfernt und sie für Autofahrer wieder freigegeben hat.

Optimistisch

Die neue Aktion „Licht in allen Läden“, der neue Wirtschaftsförderer Stefan Beyer und der Leitbildprozess sind für den Gastronomen „erste positive Entwicklungen“, ebenso wie der Frischemarkt, der die Innenstadt belebt, und die langjährigen Aktivitäten des Gewerbevereins mit seinen Festen. „Auch wenn der Prozess der Entwicklung langfristig und teilweise langwierig ist, sehen wir dieser Entwicklung und der Zukunft in der Stadt Staßfurt sehr positiv entgegen“, so sein Fazit.

Teil 3: Ein ganz neues Gebäude wird in der Innenstadt entstehen. Wenn auch Sie ihre Meinung äußern wollen, schreiben Sie an redaktion.stassfurt@volksstimme.de. Sehen Sie eine Entwicklung in der Steinstraße? Woran machen Sie das fest? Was kann noch besser werden in Staßfurts Innenstadt?