Cochstedt l Der viel diskutierte Bau einer Sternwarte in der Stadt Hecklingen ist vom Tisch. Die Astronomische Gesellschaft Magdeburg (AGM) hatte sich ursprünglich Cochstedt ausgeguckt, um dort eine Sternwarte zu bauen. Die AGM wollte dort das eigenen Angaben nach „größte öffentlich zugänglichen Spiegelteleskop in der Mitte Sachsen-Anhalts“ platzieren. Denn der Verein hat dieses besondere Gerät als Dauerleihgabe unter der Voraussetzung erhalten, einen Standort dafür zu finden und es öffentlich zugänglich zu machen. Im Moment wartet das Teleskop darauf, eingesetzt zu werden. Cochstedt ist seit knapp zwei Jahren im Gespräch, Pläne wurden erarbeitet, Projektsteckbriefe erstellt, Beobachtungsabende durchgeführt, Flyer gedruckt, Vorbereitungen getroffen. Eine Förderung über 75 000 Euro stand in Aussicht. Diese ging für dieses Jahr aber wieder flöten.

25.000 Euro Eigenmittel konnten nicht aufgebracht werden. Weder die Stadt, noch der Landkreis haben Geld. Spenden reichen nicht. Die Finanzierung bleibt damit weiter unklar. Dabei hatte man dem Verein in Hecklingen erst Hoffnung gemacht, dass Geld für 2020 bezuschusst werden kann, dann kam es aber zum Rückzieher. Das heißt, der Verein müsste jetzt ein weiteres Jahr warten und selbst dann fehlt ihm die Sicherheit, dass 2021 gebaut werden kann. Jetzt steht fest, einen erneuten „Aufschub“ wird es nicht geben. „Wir haben kein Vertrauen mehr in die Stadt Hecklingen“, musste Klaus Retzlaff von der AGM mit Bedauern mitteilen, dass sich der Verein mit seinen Plänen aus Cochstedt schon gedanklich verabschiedet hat.

Er berichtet, dass die AGM darüber diskutiert, das Vorhaben an anderen Standorten umzusetzen. Der jetzige Stand sei seines Wissens nach so, dass andere Alternativen geprüft werden. Ins Auge gefasst werde die nähere Umgebung um Magdeburg, aber auch der Harzkreis oder der Bördekreis würden infrage kommen. „Fest steht, Cochstedt wird seitens des Vorstandes nicht mehr thematisiert“, weiß Retzlaff. Das sei sehr schade, immerhin habe es auch im Stadtrat und in Cochstedt Leute gegeben, die echtes Interesse daran gehabt hätten.

Denn Cochstedt und die Astronomie sind miteinander auch aus der Historie heraus verbunden, weiß Retzlaff, der dort wohnt. Denn hier sollen einst die Gebrüder Silberschlag gewirkt haben. Johann Esaias Silberschlag war etwa ein bedeutender Naturforscher des 18. Jahrhunderts.

Retzlaff, der selbst in Cochstedt wohnt, seit seiner Kindheit für Astronomie schwärmt, nebenberuflich Fachbuchautor ist und Beiträge in Fachpublikationen veröffentlich, kennt sich damit bestens aus. Der promovierte Physiker möchte die Einwohner im Ort auch weiterhin für das Thema begeistern, auch wenn das große Teleskop nicht nach Cochstedt kommt. Dafür könnten immer mal wieder kleinere Geräte aufgestellt werden, denkt er.

Sternengottesdienst

Heute kommt es dazu. Pfarrerin Dorothea Laser-Merker kündigt einen Sternengottesdienst an. „Angesichts der an diesem Abend hoffentlich unendlichen Weiten, fragen wir nach Gott, hören auf sein Wort“, heißt es in einer Ankündigung. „Dr. Retzlaff begleitet uns heute auf einer spannenden Reise durch das Universrum“, sagt sie. Soweit es das Wetter erlaube, sei es für die Besucher möglich, Galaxien, Planten und Sternenwolken durch ein mobiles Teleskop zu erleben. 18 Uhr beginnt der Gottesdienst. Er findet in der Festscheune auf dem Hof der Familie Taentzler, am Rathaus 3, statt, so Laser-Merker.

Zurück zur Entscheidung der AGM ihr Großteleskop woanders zu platzieren. Diesen Weg einzuschlagen, stand für den Verein nach der vergangenen turbulenten Stadtratssitzung in Hecklingen fest. Es habe sich der Eindruck ergeben, dass die Stadt aufgrund organisatorischer Probleme gar nicht die Kraft hat, entsprechende Pläne verwaltungstechnisch zu begleiten. Hintergrund ist, dass zwei Fachamtsleiterinnen Mitte September auf die Frage, ob die Verwaltung noch handlungsfähig ist, mitteilten, dass sie dem Bürgermeister schon vor längerer Zeit angezeigt haben, dass es Probleme gibt. Es war von „Arbeitsunfähigkeit“ und „Überlastungsanzeigen“ die Rede.

Vorher hatte sich Michael Freisleben (WGH) aus Cochstedt in der Einwohnerfragestunde zu Wort gemeldet. Er wollte noch einmal ein klares Bekenntnis, wie die Stadt zu den Plänen steht. Damals war noch einmal nach einem „kurzfristigen Signal“ seitens der Stadt gefragt worden.

Bürgermeister Uwe Epperlein (WGH) konnte an der Beratung nicht teilnehmen.

Jetzt teilte er dazu auf Nachfrage mit, dass das Vorhaben bedauerlicherweise nicht möglich ist. „Wir haben im Moment zu tun, unseren Haushalt in Ordnung zu bekommen.“

Wenn die AGM entscheide, sich zurückzuziehen, finde er das schade, aber dies müsse man akzeptieren. „Die Sternwarte wäre ein schönes Projekt gewesen. Ich hätte es gern gemacht.“ Aber wenn kein Geld da sei, sei kein Geld da, so Epperlein sinngemäß.