Löderburg/Hecklingen l Wem gehört denn nun der Löderburger See? Vor allem die Frage, wer bekommt eigentlich die Steuern aus dem Betrieb der Freizeit- und Erholungsstätte? beschäftigt die Löderburger Ortschaftsrätin Kathrin Wüstenhagen. „Nichts gegen das Tourismuszentrum, das ist alles top. Aber warum beschließt der Stadtrat Staßfurt investive Mittel, wenn wir keinen Nutzen davon haben?“

Wie die Vertreterin der Linken während der jüngsten Ortschaftsratssitzung bereits von der Staßfurter Fachdienstleiterin Ina Siebert erfuhr, kassiert Hecklingen tatsächlich die Steuern. Denn den Staßfurter Nachbarn gehört die Gemarkung, auf der sich das Grundstück der Stadt Staßfurt mit besagter Anlage befindet. Und die Stadt Staßfurt hat es an den Betreiber der Naherholungsstätte verpachtet.

Steuern werden gezahlt

Michael Schnock sieht die Situation so: „Ich bezahle meine Steuern dahin, wohin sie gehören.“ Heißt, ihm wäre es quasi egal, welche Stadt sie kassiert. Ein Gebietsaustausch sei bereits bei Bürgermeister Martin Kriesel (CDU) Thema gewesen, und auch bei Sven Wagners (SPD) Vorgänger René Zok (parteilos).

„Zu DDR-Zeiten haben solche Besitzverhältnisse erst recht niemanden interessiert.“ Da sei es eben einfach so gewesen und egal wer, Hauptsache einer hat das Naherholungszentrum betrieben und es war geöffnet.

Bis heute kommt die Frage der Besitzverhältnisse jedenfalls immer mal wieder auf.

Zwei Ansprechpartner statt einem

Michael Schnock wäre es lieb, hätte er praktischerweise nur mit einer Verwaltung zu tun. In Sachen Saisonplanung, Veranstaltungen und Umbautvorhaben müsse er sich nämlich mit der Stadtverwaltung Staßfurt abstimmen, weil es ihre Anlage ist. Die Anträge bautechnisch gesehen, sind dagegen im Hecklinger Rathaus zu stellen. Und deren Mitarbeiter seien jedesmal happy über neue Ideen des über die Kreisgrenzen hinaus beliebten Freizietparadieses

Ein „Doppeltes-Lottchen“ verlangen auch die Ordnungsamts-Angelegenheiten. Die Gemarkungen treffen auf dem Damm des Löderburger Sees aufeinander. Der Badestrand liegt auf Hecklinger Seite, die Wasserskianlage auf Staßfurter. Eine unsichtbare Borderline geht auch mitten durch den Parkplatz auf der Wiese.

„Es ist jedes Mal doppelter Aufwand, etwas zu machen“, stellt der Pächter des Löderburger Sees die verzwickte Situation dar.

Verständnis habe er ja, wenn die Stadt Staßfurt „dicke Backen macht“ und nach Sand für den Strand gefragt wird. Oder dass es etwas länger dauert, eine ausgefallene Pumpe zur Wasserhaltung zu besorgen wie im Frühjahr 2018, während Hecklingen die Einnahmen verbucht.

80.000 Besucher

Und Hecklingen wiederum wird sich verständlicherweise nicht darum bemühen, auf die Steuern des beliebten Ferien- und Freizeitzentrums zu verzichten. Um welche Höhe es sich bei diesen Einnahmen handelt, falle übrigens ins Steuergeheimnis, macht der Hecklinger Bürgermeister Uwe Epperlein deutlich. Immerhin lag die Besucherzahl während der Badesaison 2018 nach Volksstimme-Informationen bei rund 80.000.

Nein, einen Plan eines möglichen Gebietsaustauschs gebe es nicht, so Epperlein. „In meiner Amtszeit seit 2015 ist das Thema auch nicht an mich herangetragen worden.“

Völlig normal sei es jedenfalls, dass Steuern in die Kasse derjenigen Kommune fließen, auf deren Gemarkung sich ein Unternehmen befindet.

Der Staßfurter Fachbereichsleiter Wolfgang Kaufmann findet zu dem angesprochenen Gebietsaustausch lediglich, dass so ein Vorgang einer Flurneuordnung gleichzusetzen wäre. „Ein Riesenaufwand“.