Staßfurt l Überraschung im Staßfurter Stadtrat am Donnerstag. Die Stadträte Ralf-Peter Schmidt, Harald Weise und Harald Friedrich (Unabhängige Bürgervertretung Staßfurt) haben Dr. Peter Klamser eingeladen. Der ehemalige Leiter des Bergamtes in Staßfurt wurde darum gebeten, seine Meinung zum Konzept für das Strandsolbad abzugeben. Seinen Ausführung wird aufmerksam zugehört, der Stadtrat bedankt sich bei dem unverhofften Gast, der mittlerweile in Rente ist.

Was wird mit Weststrand

Vor allem das Thema Weststrand des Strandsolbads interessiert an dem Abend. Denn die CDU-Fraktion will die Neugestaltung am Weststrand vorziehen, dafür schon im nächsten Jahr 90.000 Euro einplanen und nicht erst 2020 damit starten, wie es die Stadt geplant hatte.

Von einer Betonmauer am Westufer, die verhindert, dass weiter Sand ins Wasser rutscht, hält der Experte aber nichts: „Eine Mauer ist keine gute Idee, da das Salz im Wasser den Beton angreift.“ Er zeigt ein Foto, wie sich Salz in eine Mauer gefressen hatte und das ein hässliches Bild ergab. Und: „Eine Betonmauer ist nicht Rollstuhlfähig.“

Lieber keine Mauer

Sein Vorschlag ist stattdessen: „Geotextilien zur Stabilisierung des Strandes und Anpflanzung von salzwasserverträglichen Gräsern.“ Das geht in Richtung einer Idee, die das Konzept der Stadt schon für das Westufer genannt hatte. Der Bereich zwischen Gehweg und Ufer wird abgeflacht und als abfallende Böschung gestaltet. Geotextilien werden unter eine dünne Schicht Sand gelegt und verhindern das Abrutschen. „Das könnten auch Jute- oder Kokosgewebe als Begründungsmatten sein“, schlägt Dr. Peter Klamser vor.

Genau an dieser Stelle geht der Stadtrat mit: Solche Kokos- oder Jutematten könnten das Stützbauwerk werden, dass man sich früher als geplant wünscht. So wird dann auch beschlossen, dass 90.000 Euro schon für 2019 eingeplant werden, um spätestens im Herbst 2019 anfangen zu können.

Auch zur Wasserqualität, die wieder erhöht werden soll, hat Dr. Peter Klamser seine Meinung. Man könne Stoffe ins Wasser geben. „Bentonit oder Bleicherde (beides Tonmineralien) bindet Stoffe und setzt sich dann nach unten ab.“ Das könne man zum Beispiel im Herbst machen und es sei relativ billig.

Bloß nicht belüften

Aber der Experte warnt dringend vor einer Erhöhung des Salzgehalts oder einer Anregung der Zirkulation im Wasser durch Belüftung. Denn kommt der saline Wasserkörper in Bewegung, könnte es wieder zu Senkungen „oder gar Schlimmerem“ kommen. „Es ist ganz wichtig, den Untergrund zufrieden zu lassen“, mahnt Dr. Peter Klamser. „Nicht ohne Grund traut sich niemand, dort Probebohrungen zu machen. Denn das könnte nach hinten losgehen.“

Klamser hatte erklärt, dass in Staßfurt zwar keine Senkungen mehr gemessen werden, aber es sich um ein „sehr labiles Gebiet“ handelt und dass es gerade im Bereich Strandsolbad keine Daten gibt, die auf die Stabilität des Untergrunds hinweisen könnten.

Man könne eigentlich froh sein, dass der Salzgehalt des Strandsolbads abnimmt, so Klamser. „Denn wenn das nicht so wäre, wäre der Untergrund noch aktiv“, was zu spontanen Einbrüchen und Senkungen, sprich zu Gefahr für Leib und Leben, führen würde.