Groß Börnecke/Schneidlingen l Geld ist nötig, aber knapp oder gar nicht da: Die Stadt Hecklingen kann davon seit Jahren ein Lied singen. Die Kommune muss immer wieder mehr ausgeben, als sie einnimmt, unter anderem, weil sie gezwungen ist, hohe Umlagezahlungen aufzubringen. Damit unabhängig davon Bauvorhaben nicht ganz auf der Strecke bleiben, erhalten Städte und Gemeinden vom Land jährlich Geld. In Hecklingen sind das rund 300.000 Euro für alle vier Orte. Diese Investitionspauschale wird beispielsweise benötigt, wenn die Gemeinde Zuzahlungen, sogenannte Eigenmittel, beisteuern muss, wenn öffentliche Träger Straßen bauen.

Zwei solcher Projekte waren für die Stadt Hecklingen für die kommenden Jahre im Gespräch. Hecklingen kann seinen Anteil daran jetzt aber doch nicht leisten.

Zum einen fehlt das Geld für den Ausbau einer Zufahrt zur Jakobsgrube, wenn ein Teilstück der Kreisstraße kurz vor der Ortseinfahrt Groß Börnecke erneuert wird. Seit Jahren müssen Autofahrer hier auf die Eisen gehen. Es gilt Tempo 30, nachdem sich der Boden der Fahrbahn abgesenkt hatte und Löcher im benachbarten Acker aufgetreten waren. Gründe lagen mit im Altbergbau. Das Erdreich war untersucht und Holräume verfüllt worden. Jetzt plant der Kreiswirtschaftsbetrieb (KWB) die Sanierung der Straße.

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Kein Geld von der Stadt

Ursprünglich wollte die Gemeinde sich einklinken und eine Zufahrt zum Ortsteil Jakobsgrube neu bauen. Daraus wird aber nichts, weil kein Geld zur Verfügung steht. Das teilte Bürgermeister Uwe Epperlein (WGH) dem Stadtrat mit.

Auf Nachfrage der Volksstimme, ob die Kreisstraße unabhängig davon, ob Hecklingen sich mit der Zufahrt beteiligt oder nicht, trotzdem gebaut wird, meinte Epperlein, dass er davon ausgeht.

Der Betriebsleiter vom Kreiswirtschaftsbetrieb (KWB) des Salzlandkreises Ralf Felgenträger bestätigte das. „Die Kreisstraße wird trotzdem umgesetzt“, sagte er gestern, auch wenn die Stadt sich nicht mit der Zufahrt beteiligen kann. Die Baumaßnahme wird, wenn sie beginnt, über zwei Jahre laufen. Es werde in Abschnitten gebaut, eine Vollsperrung müsste zeitweise eingeplant werden, so Felgenträger. Der KWB strebt einen Baubeginn für das kommende Jahr an. Felgenträger konnte aber noch nicht sicher sagen, ob es dazu kommt.

Kein Geld für Gehwege

Und noch ein nötiger Zuschuss zu einem Bauvorhaben ist im Moment nach Auskunft Epperleins nicht drin. Hier geht es um den weiteren Ausbau der Ortsdurchfahrt Schneidlingen. Das Land würde der Kleinstadt einen neuen Straßenabschnitt zahlen, wenn Hecklingen den Ausbau der Nebenanlagen aus eigener Tasche finanziert. „Wir haben im Moment nicht genügend Mittel, um unseren Teil zu tilgen“, musste Epperlein im Stadtrat informieren. Bei der Ortsdurchfahrt, sei aber „noch nicht aller Tage Abend“, meinte er in Anspielung auf ein persönliches Gespräch, dass er zu diesem Thema mit dem Verkehrsminister des Landes Sachsen-Anhalt Thomas Webel (CDU) am Rande einer Tagung des Städte- und Gemeindebundes führte.

Ihm sei mitgeteilt worden, dass der Minister es sich durchaus vorstellen könnte, dass das Land die Gehwege im Zuge der Straßensanierung mit trägt. Voraussetzung wäre aber ein neues Förderprogrammm, dass 90, sogar vielleicht 100 Prozent der Kosten deckt. „Aber soweit ist es noch nicht.“ Aus diesem Grund müsste die Maßnahme nach hinten gestellt werden, so der Bürgermeister.

Bleibt zu fragen, warum der Stadt das Geld aus der ihr zur Verfügung stehenden Investitionspauschale für die genannten Maßnahmen fehlt.

Die Antwort führt nach Groß Börnecke zum Grundschulzentrum „Bördeblick“, wo auch Kinder aus den Nachbarorten Schneidlingen und Cochstedt lernen. Hecklingen will die Zukunft des Standortes sicher wissen und investiert in diesem Jahr über 400.000 Euro, stemmt umfangreiche Sanierungsmaßnahmen aus eigener Kraft. Und auch im kommenden Jahr ist Geld aus der neuen Investitionspauschale zum Teil für die Sanierung der dazu gehörenden Turnhalle bereits verplant, so Epperlein.