Schneidlingen l Beide Vorhaben gleichzeitig sind aus Sicht der Verwaltung finanziell nicht drin. Das sorgt für Diskussionen. In den nächsten drei Jahren soll im Straßenbau in Schneidlingen was passieren. Das sieht der Plan einer Prioritätenliste vor, den die Räte der Stadt Hecklingen mehrheitlich beschlossen haben (Die Volksstimme berichtete). Doch die Frage, wo gebaut wird, ist im Moment noch offen und die Debatte darum hat im Stadtrat bereits die ersten Gemüter erhitzt.

Denn die Verwaltung will Stadträte in diesem Jahr zwischen zwei Vorhaben entscheiden lassen, weil das Geld für beide Vorhaben nicht reicht.

Zum einen wird der weitere Ausbau der B 180 im Ort vorgeschlagen. Für die weitere Sanierung (von der Feuerwehr bis zum Ortsausgang Richtung Egeln) hat das Land Geld zugesagt. Hecklingen müsste aber einen Eigenanteil über rund 600 000 Euro zuschießen, außerdem würden Planungskosten über 67 000 Euro dazu kommen.

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Investitionspauschale

Dafür steht der Stadt zwar eine Investitionspauschale (jährlich bekommt die Stadt rund 300 000 Euro) vom Land zur Verfügung. Die wäre dann aber für zwei Jahre aufgebraucht, würde die Stadt investieren. Das heißt, 2021 stünde gar kein Geld für Investitionen zur Verfügung.

Zum anderen geht‘s um die Oststraße. Ihre Sanierung wird den Schneidlingern seit Jahren immer wieder zugesagt. Problem an der Sache: Die Stadt müsste den Ausbau komplett aus der eigenen Tasche, also aus der besagten Investitionspauschale tragen, und könnte nur schrittweise Jahr für Jahr in Teilabschnitten bauen. Denn um eine Förderung für den grundhaften Ausbau der Anliegerstraße bemüht sich die Verwaltung seit vielen Jahren ohne Erfolg, weil die Voraussetzungen nicht gegeben sind. Daher wurde die Maßnahme immer wieder verschoben.

Jetzt will Bürgermeister Uwe Epperlein den Stadtrat in diesem Jahr eine Entscheidung treffen lassen, was 2020 angegangen wird: Oststraße oder Bundesstraße 180?

B180 sinnvoll

Fragt man Uwe Epperlein (WGH) wie er selbst dazu steht, sagt er, dass aus seiner Sicht, die Bundesstraße 180 „sinnvoll wäre“. Die Stadt sollte das Angebot des Landes annehmen, meint der Rathauschef. Er erklärte, dass auch der Ortschaftsrat in Schneidlingen mehrheitlich dafür gestimmt hat. Epperlein sagte aber auch, dass die Oststraße dann eben leider „mal wieder aufgeschoben werden müsste“. Denn beide Vorhaben zugleich seien für die Stadt nicht umsetzbar. Dennoch befinde sich die Oststraße aber „nicht auf dem Abstellgleis“.

Der Bürgermeister bedauert es, zu glauben, dass „die Ortschaft hier sehr zerrissen ist.“ Für die einen habe die Ortsdurchfahrt oberste Priorität, für die anderen die Oststraße. „Das Schlimme ist, beide Parteien haben Recht, aber beides gleichzeitig geht eben nicht“, so Epperlein.

Günther Hoffmann (CDU) aus Schneidlingen ärgert sich, dass der Rat sich in diesem Jahr zwischen den zwei Vorhaben entscheiden muss. „Wir können es nicht zulassen, die Dinge gegeneinander auszuspielen“, sagte er der Volksstimme. Sonst rücke die Oststraße wieder weiter nach hinten. Das Land sollte der Stadt doch angesichts ihrer finanziellen Lage die Möglichkeit einer Vorfinanzierung für die Nebenanlagen B 180 geben, sodass auch die Ortsdurchfahrt gebaut werden könnte und Hecklingen das Geld in Raten zurückzahle. „Dann wären wir nicht in dieser Bredouille und könnten auch die Oststraße wie geplant 2020 sanieren“, spielte er darauf an, dass die Planungen zur Oststraße (vor der Zusage des Bundes für die B 180 in diesem Jahr) beginnen sollten. Hinzu komme, dass die Oststraße auf die B 180 trifft. Ihre Einfahrt wäre somit auch betroffen. Da wäre es nur zweckmäßig, beide Maßnahmen miteinander zu verbinden, findet Hoffmann.

Angebot annehmen

Ortsbürgermeisterin Ingrid Engelmann ist dafür, das Angebot des Landes für die B 180 anzunehmen. Sie hat darüber auch während des Neujahrsempfanges der Stadt Hecklingen mit Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) gesprochen. Danach hat sie zusammen mit weiteren Vertretern des Ortes und der Stadt dazu mit ihm noch ein Gespräch in Magdeburg geführt. Engelmann ist froh, dass das Land Geld für den weiteren Ausbau der B 180 zur Verfügung stellt, wenngleich sie weiß, dass auch die Oststraße wichtig ist. Allein könnte sich die Stadt das auf gar keinen Fall leisten, sagte sie.

Diese Einstellung brachte Günther Hoffmann im Stadtrat auf die Palme. „Wir reden jetzt seit über zehn Jahren über die Oststraße. Wenn hier ältere Leute mit dem Rollator unterwegs sind, brechen sie sich die Ohren“, machte Hoffmann auf den desolaten Zustand aufmerksam.