Staßfurt l „Das Material aus DDR-Zeiten entspricht nicht mehr dem Standard“, erklärte Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) gestern beim Spatenstich für eine neue Bodebrücke in Staßfurt. Das Bauwerk in der Förderstedter Straße von 1973 wird demnächst abgerissen. Laut Webel ist ein Neubau wirtschaftlicher als eine Reparatur. Sein Ministerium und das Land investieren rund 3,7 Millionen Euro.

Besserer Radweg

Die Stadt Staßfurt beteiligt sich mit 42.000 Euro am Gehweg auf der neuen Brücke. „Es wird auch die Attraktivität des Radwegs R1 gesteigert“, sagte Oberbürgermeister Sven Wagner. Denn mit der neuen Brücke wird der R1 darunter etwas angehoben und hat nach oben hin mehr Platz, sodass die Radfahrer nicht mehr den Kopf einziehen müssen.

Die aktuell knapp elf Meter breite Stahlbrücke wird durch eine neue Spannbetonbrücke von 12,10 Meter Breite ersetzt. Die Fahrbahn wird sieben und der einseitige Rad- und Gehweg 4,1 Meter breit. Ein „Not-Gehweg“ von einem Meter Breite kommt auf die andere Seite.

Schmaler, aber stärker

Optisch ein wenig verzieren sollen die neue Brücke je gemauerte Pfeiler am Beginn und Ende. Zudem soll die Brücke als Stütze noch einen Pfeiler mehr erhalten, der in die Bode in Richtung Ufer am Kreisverkehr gesetzt wird. „Wir können mit der Brücke wegen der örtlichen Gegebenheiten kaum höher als jetzt gehen“, erklärte Uwe Langkammer, Präsident der Landesstraßenbaubehörde, die das Bauprojekt verantwortet. „Die Konstruktion an sich muss also schlanker werden, wenn wir unter der Brücke mehr Platz für den Radweg schaffen wollen.“ Daher muss der zusätzliche Pfeiler die Last abfangen. „Der Wasserablauf der Bode bleibt dabei gewährleistet“, so Langkammer.

Das Land hatte die Brücke 2017 prüfen lassen. Sie bekam die Note von 3,4, wobei 4 der maximal schlechteste Wert ist. Dies sei eine „erheblich schlechte Zustandsbewertung“, so Langkammer. Die Korrosion der Stahlkonstruktion sei im „kritischen Zustand“, sagte er. „Außerdem fanden wir wasserführende Risse bis zu 3 Millimetern im Bauwerk.“

Ab sofort richtet die Baufirma Ost Bau aus Osterburg ihre Baustelle ein und Versorgungsleitungen werden umverlegt. „In zwei Wochen etwa beginnt der Rückbau der Brücke“, informierte Stefan Hörold, Regionalchef der Landesstraßenbaubehörde. Für den Abriss werden zunächst das Geländer entfernt und die Fahrbahn abgefräst.

Schild gestohlen

Für Ärger hatten Diebe gesorgt, die vor rund vier Wochen das historische Schild mit der Aufschrift „Brücke der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“ vom Geländer gestohlen hatten. Uwe Langkammer erklärte ironisch, dass diese „Freiwilligen“, die sich vorzeitig beim Abriss engagiert haben, das Schild gern zurückgeben dürfen. Denn es sollte an das Geländer der neuen Brücke montiert werden.

Eine Ersatzbrücke für Fußgänger und Radfahrer wird es nicht geben. Für die Landesvertreter sind die ausgeschilderten Umleitungen für Radfahrer und Autofahrer in Staßfurt keine großen Umwege (Umleitung: Salzrinne, Calbesche Straße und Am Steinbruch).