Hecklingen l Die Umfahrung von Schneidlingen im Zuge der Bundesstraße 180, deren Planung schon sehr weit fortgeschritten war, war bei der Aufstellung des Bundesverkehrswegeplanes 2030 vom Land Sachsen-Anhalt mit einer Trassenlänge von 4,5 Kilometern und einem aktuellen Investitionsvolumen in Höhe von 20,3 Millionen Euro zur Aufnahme angemeldet worden. Leider hatte die Trasse im Ergebnis der von Gutachtern im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums durchgeführten Bewertung im neuen Bundesverkehrswegeplan keine Berücksichtigung gefunden. Das Projekt würde angeblich nicht den wirtschaftlichen Ansprüchen des Bundes für diese Investition genügen, hieß es vor fünf Jahren aus Berlin.

Auf Vorschlag der Vorsitzenden der Fraktion Wählergemeinschaft, Ethel-Maria Muschalle-Höllbach, hat der Stadtrat in seiner letzten Sitzung in der vergangenen Legislaturperiode noch einmal einen neuen Anlauf für dieses wichtige Projekt genommen. Er wandte sich in dieser Angelegenheit mit einem Schreiben, das alle anwesenden Stadträtge unterzeichneten, an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), um ihn um eine erneute Prüfung zu bitten.

Schneidlingen wäre wichtiger Bestandteil

„Wichtig für das vom DLR geplante Institut und den Flughafen mit einer Landebahn von 3,1 Kilometer, einer 24-Stunden-Betriebserlaubnis sowie einem 80 Hektar großen, erschlossenen Gewerbegebiet, von dem derzeit 65 Hektar noch nicht vermarktet wurden, ist eine perfekte Verkehrsanbindung“, heißt es in diesem Brief. Diese könnte mit der bereits beplanten Ortsumfahrung Schneidlingen erreicht werden. Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt sehe das ähnlich und habe aus diesem Grund vor ein paar Jahren die Trasse der Bundesstraße 81 von Magdeburg bis nach Egeln vierspurig ausgebaut, „um die Landeshauptstadt besser mit dem Börde-Airport im Territorium unserer Stadt verbinden zu können. Die Ortsumgehung Schneidlingen war und ist ein wichtiger Bestandteil dieser Bestrebungen“, schrieben die Räte.

Die Umfahrung von Schneidlingen sei aber auch deshalb dringend notwendig, um die Anwohner der sehr engen Ortsdurchfahrt der B 180 vom Dreck, den Abgasen und der Lärmbelastung zu befreien. „Wir können uns nicht vorstellen, dass diejenigen, die dieses schon weit fortgeschrittene Projekt einfach gestrichen haben, unter solchen Umständen wohnen möchten wie die Schneidlinger, bei denen die Schwerlasttransporter nur rund einen Meter vom Fenster entfernt vorbei fahren. Das kann man den Bürgern nicht noch weitere Jahrzehnte zumuten“, schrieben die Stadträte dem Minister.

Sie bitten Scheuer, die Aufnahme des Projektes in den Bundesverkehrswegeplan bis 2030 zu prüfen. Das sei auch deshalb wichtig, damit die bereits vom Land bezahlten Planungskosten in Höhe von mehreren Millionen Euro nicht in den Sand gesetzt sind.

Einladung an Scheuer

Die Räte stellten klar: „Eine Verschiebung des Vorhabens auf den St. Nimmerleins-Tag können wir nicht hinnehmen, weil das nicht nur für den Ortsteil Schneidlingen, sondern auch für unsere Region extrem negativ wäre.“ Die Hecklinger Volksvertreter luden den Bundesverkehrsminister ein, sich vor Ort selbst ein Bild von der Notwendigkeit der Umfahrung zu machen.

Sachsen-Anhalts Ex-Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) hatte die Ortsumgehung damals vorangetrieben und als „Schmankerl“ für potenzielle Flughafen-Investoren bezeichnet.