Rathmannsdorf l Auf dem Sportplatz sagen sich offensichtlich nicht Fuchs und Hase „Gute Nacht“. Zutreffender ist, dass sich ein Luchs den Köksbusch ringsum als Jagdrevier auserkoren hat. Zumindest für die Zeit eines Festmahls.

Es geschah vor etwa 14 Tagen. Spaziergänger trauen ihren Augen kaum: Was liegt da für ein großes Tier an einer der Eckfahnen am waldnahen Tor? Daneben ein Reh?

Es ist ein Luchs. Der Koordinator vom Luchsprojekt Harz in St. Andreasberg berichtet über die seltene Begegnung mit der wilden Katze im „Flachland“. „Klares Foul an der Eckfahne!“ frotzelt Ole Anders. Und im Ernst: „Es handelte sich um ein Jungtier in guter Verfassung. Sicher ein Jährling, etwa 19 Kilogramm schwer.“ Sie erreichen etwa ein Gewicht von 25 Kilogramm.

Wie kommt nun ein Luchs ins Salzland, das als eine der baumärmsten Regionen Deutschlands gilt? „Zufällig“, meint Anders, „Tatsächlich bevorzugt der Luchs eher bewaldete Gebiete als Lebensraum. Wir haben im Harz zurzeit etwa 55 ausgewachsene, sogenannte selbständige Exemplare. Jedes Jahr kommen etwa 35 Jungtiere dazu. Da ist der Platz begrenzt.“ Und das führe eben dazu, dass sich Jungtiere ein neues Revier suchen. Manche erben eins von gestorbenen Artgenossen. „Der größte Teil geht aber raus“, erklärt Ole Anders. Das habe eine hohe Sterblichkeit zur Folge. „Von den Tieren, die wir eingesammelt haben, wurden etwa 30 Prozent auf der Straße oder Schiene überfahren.“ Zuletzt bei Letzlingen.

Der Rathmannsdorfer Luchs hatte offensichtlich Glück. Und dieses Pinselohr konnten die Luchs-Experten mit einem Sender versehen. Damit kann dessen weiterer Weg nachvollzogen werden. Gesichtet wurde dieser Luchs auch nochmal an einem Waldrand bei Hecklingen. Durch den Hakel ist er mittlerweile auch bereits gezogen.

Ein Mensch müsse sich im Übrigen keine Sorgen machen, wenn er einem Luchs begegnet. „Einen Hund würde ich aber besser nicht frei laufen lassen“, rät Anders, „Erst recht nicht, wenn ein Luchs gerade Beute gemacht, sich über sein Festmahl hermachen möchte und der Hund möglicherweise ebenfalls Interesse daran zeigt.“ Da greift dann wohl auch das sprichwörtliche „Aufpassen wie ein Luchs“.

Angriffe auf Menschen gab es in den fast 20 Jahren, nachdem das Luchsprojekt im Harz gestartet wurde, jedenfalls nicht, unterstreicht Ole Anders.

Im Jahr 2000 waren die ersten von 24, in Tiergärten gezogenen, Luchsen ausgewildert worden.

Das Luchsprojekt Harz ist nach wie vor interessiert an Meldungen von Luchssichtungen. Diesbezügliche Meldungen am besten per E-Mail an: luchsprojekt-harz@posteo.de oder per Telefon (05582)91 89 37, Mobil 0170/206 11 23. Das Projekt ist der Nationalparkverwaltung Harz, Außenstelle Oderhaus, Oderhaus 1, in 37444 Sankt Andreasberg angegliedert. Ein Luchs-Schaugehege gibt es in der Nähe von Bad Harzburg an der Rabenklippe. Weitere Infos: www.luchsprojekt-harz.de