Staßfurt l Kommunalpolitiker in Staßfurter Ortschaftsräten und Stadtrat sowie im Kreistag haben in dieser Woche über die neue Mega-Stromleitung befunden. Streitpunkt ist die Frage, wo die Stromtrasse genau lang gehen soll.

Besonders für den Bereich zwischen Biere und Löbnitz ist sich die Kommunalpolitik uneins. Momentan würde die Bundesnetzagentur es vorziehen, dass die Stromleitung von Biere östlich der Land- straße verläuft und zwischen Atzendorf und Förderstedt sowie Glöthe und Üllnitz hindurch.

Die Stadt Staßfurt schlägt in ihrer Stellungnahme vor, dass man statt dieser Strecke, die Stromtrasse lieber gleich ab Biere an Eickendorf vorbei bis an die A 14 heranführt. Diese Variante bestätigte der Staßfurter Stadtrat in der Sitzung am Mittwoch einstimmig.

Änderungsantrag der CDU

Auch dass an der Stelle keine Freileitung neu gebaut, sondern ein Erdkabel verlegt werden soll, befürwortete der Stadtrat einhellig. Ebenso hatte sich der Bauausschuss des Stadtrats am Dienstagabend positioniert. „Ich habe es als direkter Nachbar oft genug miterlebt, wie die Leitungen bei feuchtem Wetter schnurren“, sagte Hans-Jürgen Lärz (CDU).

Die CDU-Fraktion des Staßfurter Stadtrats wollte hier noch zur Stellungnahme der Stadt eingefügt haben, dass die Variante an der Autobahn auch aus Naturschutzgründen besser wäre. Fraktionschef Stephan Czuratis sagte: „Wenn die Trasse schon durch unser Stadtgebiet verläuft, dann so ökologisch wie möglich.“ Die Voruntersuchungen hätten den Vogel Wachtelkönig hier als schützenswert eingestuft.

Auch Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) hat versucht, die Autobahn-Variante im Kreistag durchzusetzen: „Ich habe im Kreistag Änderungsanträge eingebracht, dass wir die Trasse lieber gleich bis ran an die A 14 haben möchten“, erklärte er im Stadtrat. „Dieser Variante hat der Kreistag aber nicht zugestimmt. Wir haben also zumindest versucht, dafür zu kämpfen.“ Mit der Ablehnung einer neuen Freileitung in dem Bereich war der Kreistag aber einverstanden.

Auch wenn der Kreistag den Staßfurter Wunsch, sicherlich zugunsten von Bördeland und Eickendorf, ablehnt, hat die Bundesnetzagentur das letzte Wort. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Sven Wagner sagte: „Nun können wir nur hoffen, dass die Bundesnetzagentur unserer Stellungnahme einen hohen Wert gibt.“

Was die Stromtrasse ab Löbnitz anbelangt, geht Staßfurt mit den Plänen der Bundesnetzagentur mit: Hier soll die Leitung bei Löbnitz unter der Bode durch zur Autobahn und Richtung Süden neben der A 14 verlaufen. Die andere Variante – zwischen Staßfurt und Hohenerxleben hindurch und an Rathmannsdorf vorbei – wäre zu nah an den Ortschaften heran gewesen.

Ein Übel akzeptieren

Zustimmung fand die Stellungnahme der Stadt auch im Ortschaftsrat Förderstedt. Elf Räte stimmten dafür. Drei enthielten sich aber auch, einer stimmte dagegen. Vor der Abstimmung gab es noch einmal eine hitzige Diskussion. Besonders Johann Hauser (FDP) wirkte erzürnt. „Ich kann einem Erdkabel nicht zustimmen, ich lehne das ab“, sagte er. Die Frage der Auswirkungen der Mega-Stromleitung auf den Boden ist offen. Gerade Bauern der Region machen sich Sorgen um ihre Böden. Auch deswegen stimmte Hauser, der in Atzendorf ein Gut betreut, im späteren Stadtrat nicht mehr ab, weil er sich befangen fühlte.

Beim Ortschaftsrat Förderstedt ging es dann auch noch mal um eine Parallel- leitung. Staßfurt hatte ursprünglich eine Hybridlösung für 2,4 Kilometer gewünscht. Die neue Stromleitung solle also auf bestehende aufgesattelt werden. Hierzu erklärte Ratsmitglied Detlef Michelmann (FDP): „Es sind schon vier Systeme auf einem Mast. Eine Hybridlösung ist nicht möglich.“ Also doch eine neue Parallelleitung? „Ich muss das so sagen: Ich fände das scheiße“, meint Johann Hauser.

Im Endeffekt sind auch für die Stadt Staßfurt beide Optionen nicht zufriedenstellend. „Das Beste wäre doch die Leitung kommt gar nicht“, sagte Sven Wagner. „Wir müssen aber ein Übel akzeptieren.“ Lob gab es aber vom Förderstedter Ortsbürgermeister für die Bemühungen der Stadt Staßfurt. „Ich finde, dass die Stellungnahme exzellent ist“, sagte Peter Rotter (CDU).

„Das bringt die Meinung des Stadtrats gut zum Ausdruck. Man muss auch bedenken: In Bayern wurde nicht ein Meter Freileitung zugelassen. Ich sehe es nicht ein, dass wir die Landschaft verschandeln lassen. Irgendwann muss es reichen. Unsere Region soll ein schönes Stück Heimat bleiben.“