Staßfurt l Konzentriert setzt Hartmut Hoffmann feinste Pinselstriche. Der Staßfurter Museumsfreund hat seine schöne Aufgabe fast beendet. Vor ihm steht eine der rar gewordenen Kalinchenfiguren. Seine Hülle ist geschliffen und strahlt weiß. „Jetzt geht es an die Details“, sagt Hartmut Hoffmann. Eine Schabracke ziert das Maskottchen. Auf der Satteldecke sind die Stadtwappen von Staßfurt, mit Johannes dem Täufer, und von Lehrte zu sehen. Im roten Feld, auf einem silbernen Andreaskreuz schreitet ein goldener Löwe. Bekrönt ist alles von drei Türmen. Gut zwei Wochen hat sich Hartmut Hoffmann Zeit genommen, um die filigranen Arbeiten auszuführen. „Das soll alles vernünftig aussehen, denn das Kalinchen findet einen würdigen Platz“, sagt der Hobbykünstler, der eine ähnliche Figur vor kurzem auch erst für das Stadt- und Bergbaumuseum gestaltet hat.

Städtepartnerschaften im Stadtbild präse

Tatsächlich. Wenn alles fertig ist, geht das Kalinchen auf Reisen und wird sein neues Zuhause in Lehrte finden. Staßfurts niedersächsische Partnerstadt will nach einer Anregung durch die Politik, besonders durch den Ausschuss für Kultur, neue Möglichkeiten erschließen, die freundschaftlichen Verbindungen noch deutlicher im Stadtbild in Erscheinung treten zu lassen. Im Moment finden sich bereits Hinweise auf Schildern an den Ortseingängen. Zukünftig sollen die Lehrter auch beim Flanieren von ihren Partnerstädten gegrüßt werden. „Auf der ehemaligen Bahntrasse, die vor einigen Jahren zu einem Grünzug mit Wegeverbindungen mitten durch Lehrte umgewandelt worden ist, bietet es sich an, den Partnerstädten mehr Raum geben zu können“, sagt Fabian Nolting von der Stadtverwaltung Lehrte. Die fünf Partnerstädte Vanves (Frankreich), Ypern (Belgien), Trzcianka (Polen), Mönsteras (Schweden) und Staßfurt seien aufgefordert gewesen, nach Möglichkeiten dafür zu suchen, wie man sich selbst vorstellen und repräsentieren könnte. „Von Seiten der Stadt Lehrte wurden ganz bewusst keine Vorgaben gemacht, um Raum für eigene Ideen zu geben“, so Fabian Nolting. Dass die Salzstadt das Kalinchen als possierlichen Botschafter schickt, werde „ausgesprochen positiv aufgenommen“, so der Lehrter Rathausmitarbeiter.

Freundschaft wird auf vielen Ebenen gelebt

Die Städtepartnerschaft Lehrte-Staßfurt wurde als letzte innerdeutsche Städtepartnerschaft kurz vor der Grenzöffnung begründet. In beiden Orten gibt es eigens Beauftragte dafür. In Staßfurt nimmt Michael Hauschild diese Aufgabe wahr. Die Bürgermeister beraten regelmäßig. Nicht nur offizielle Delegationen, sondern auch Vereine und Schulen halten untereinander Kontakt. Fabian Nolting: „Ich glaube, dass zwischen den Menschen in Staßfurt und Lehrte eine Freundschaft gewachsen ist, die sicherlich auch darin begründet liegt, dass es zwischen beiden Städten viele geschichtliche Ähnlichkeiten gibt.“

Staßfurts Oberbürgermeister Sven Wagner freut sich über die Einladung, sich in Lehrte mit dem Kalinchen zeigen zu können. „Das ist gelebte Freundschaft“, sagt er.