Staßfurt l Jeden Dienstag kommen die drei- bis fünfjährigen Kinder ab 16 Uhr zum Tanzunterricht, ab 17 Uhr sind die Sechs- bis Zehnjährigen an der Reihe. Die beiden neuen Kurse in der Galerie des Staßfurter Salzlandtheaters finden seit der neuen Theatersaison, seit einigen Wochen also, statt und werden von Victoria Vavilova geleitet. „Es sind noch Plätze frei. Die Kinder können ausprobieren, ob der zeitgenössische Tanz etwas für sie ist“, sagt sie.

Die gebürtige Russin, die heute 31 Jahre alt ist, stammt aus Moskau und ist seit 2016 in Staßfurt. Mit ihrem Mann, der im ehemaligen Opelautohaus Rennautos tunt, und ihren zwei Kindern, wählte sie die Bodestadt als neue Heimat aus, ohne vorher je in Deutschland gewesen zu sein. „Wir haben in großen Städten gelebt, aber sehen auch in Kleinstädten wie Staßfurt Vorteile, gerade für Gründer“, erklärt sie.

Tanz als internationale Sprache

Aber egal, wo die Vavilovas leben, der Tanz ist eine internationale Sprache, die jeder versteht. So ist es auch für die Tanzkurse im Salzlandtheater nicht schlimm, dass Victoria Vavilova die deutsche Sprache erst nach und nach lernt. „Am Anfang sind sicher die Eltern auch zurückhaltend wegen des Englisch, aber am Ende können sie sich doch gut verständigen“, sagt sie.

Deswegen klappt auch die Verständigung mit den Kindern, die Victoria Vavilova im Tanz unterrichtet. Die Begriffe des Tanzes stammen sowieso aus dem Französischen und Englischen, ihre Kurse hält sie halb auf Deutschen, halb auf Englisch ab, viel geht auch über Zeigen und Nachmachen. Und jede Woche wird das Deutsch der Tanzlehrerin besser.

Seit sie fünf Jahre alt ist, spricht Victoria Vavilova diese Sprache, die ihr am wichtigsten ist: Die des Tanzes. Die professionelle Tänzerin kann im zeitgenössischen Tanz mit Ballett, Jazz, Paartanz, Stepptanz und akrobatischem Tanz verschiedenste Richtungen bedienen. Schon zu Schulzeiten ging sie auf eine Tanzschule, bevor sie Tanz studierte und ihr Diplom in Choreografie, das auch in Deutschland anerkennt wurde, gemacht hat.

Talente entdecken

Bereits in Russland war sie Lehrerin an einer Tanzschule, denn sie möchte Kindern die Chancen, die im Tanzen liegen, zeigen und ihre über 25-jährige Erfahrung weitergeben: Zum einen weil der Tanz für Kinder, Jugendliche und später Erwachsene ein wunderbares Hobby sein kann. Zum anderen weil man dabei den Grundstein für eine eventuelle Karriere in dem Bereich legen kann. Man kann nicht früh genug mit dem Tanzen beginnen, will man es später einmal professionell betreiben. „In meinen Kursen bereite ich Kinder und Jugendliche auch auf weiterführende Tanzschulen vor, die sie zum Studium in der Richtung führen können“, erklärt Victoria Vavilova.

So hat sie auch in Finnland eine eigene Tanzschule geleitet, als sie mit ihrer Familie zwei Jahre dort lebte. Und auch hier in Mitteldeutschland unterrichtet sie neben den Kursen am Salzlandtheater auch an der Internationalen Schule in Barleben zeitgenössischen Tanz. Dort wird es von der Schule sogar begrüßt wird, dass der Unterricht auf Englisch abgehalten wird und die Kinder so früh das englische Sprechen trainieren und mit konkreten Erfahrungen verbinden.

Am Salzlandtheater haben nun einige Mädchen - Jungs sind natürlich auch willkommen - mit dem zeitgenössischen Tanzen angefangen. Victoria Vavilova umschreibt dies als Mischung aus Elementen von Ballett, Jazzdance, modernem Tanz.

Kindgerechte Einheiten

In ihren Tanzkursen steht das kindgerechte Training an erster Stelle. „Bei den ganz Kleinen, den Drei- bis Fünfjährigen, ist es eine Vorbereitung auf das eigentliche Tanzenlernen“, erklärt sie ihre Kursinhalte. „Es ist ganz klar, dass diese kleinen Kinder kaum eine vollendete Choreographie hinlegen können.“ Im Hinblick auf die körperliche Entwicklung der Kinder müssen sich auch die Eltern mit ihrer Erwartungshaltung gedulden.

Die Kurse beginnen mit kleinen Übungen, in den die Kinder zum Beispiel lernen, Gefühle auch körperlich darzustellen: „Tanz ist nicht nur eine Schrittfolge, es ist Mimik und Gestik, es ist Musik und Tanz“, erklärt Victoria Vavilova. Körperhaltung, Gesichtsausdruck und Musik müssen zueinander passen. Man sei Schauspieler, Tänzer und Musiker zugleich.„Ich frage die Kinder zum Beispiel: Was macht ihr für ein Gesicht, wenn ihr ein Eis bekommt? Sie strahlen, richten sie auf, lachen.“ Die Kleinen erlernen so den körperlichen Ausdruck, dazukommt das Üben von Rhythmen, sportliche Übungen, dann kleine Schritte und Choreografie.

Für die Kinder muss jede Stunde abwechslungsreich sein, erzählt die Tanzlehrerin. Durch einen Tanzkurs soll sich kein Kind quälen. „Wenn ich merke, dass ein Kind keine Freude am Tanzen hat, werde ich es nicht zwingen, sondern mit den Eltern überlegen, ob das wirklich das richtige Hobby ist.“

Tanz für die Entwicklung

Tanz sei darüber hinaus förderlich für die persönliche Entwicklung eines Kindes - von Körperhaltung über Gang, das Gefühl für den eigenen Körper bis hin zum positiven Körpergefühl und Selbstbewusstsein. Tanz könne bei Spätentwicklern Wunder wirken, erzählt Victoria Vavilova aus ihren Erfahrungen als Tanzlehrerin.

Tanz ist für sie selbst übrigens die Chance, auf der Bühne Emotionen mitteilen zu können, ihr Herz zu öffnen und Dinge deutlicher und eindrucksvoller zu sagen, als es Worte je könnten.

Anmeldungen für Kinder - bei Bedarf kann auch ein Kurs für Erwachsene geöffnet werden - sind möglich unter http://www.victoriavavilova.com oder unter (0157) 53 68 39 56.