Höhepunkte der Spielzeit 19/20

Vieles, was gut funktioniert, wurde auch für die neue Spielzeit wieder aufgenommen. Aber auch neue Farbtupfer werden gesetzt. Hier eine Auswahl wichtiger Termine:

8. November: Musikalische Lesung mit Suzanne von Borsody. Die bekannte Schauspielerin lässt mit Briefen, Gedichten und Tagebucheinträgen die große Malerin Frida Kahlo zu Wort kommen (ab 30 Euro).

17. November: Traumzauberbaum und Mimmelitt – ein Familienmusical von Reinhard Lakomy (ab 13,50 Euro).

28. November: Komplexe Väter – eine Komödie mit Jochen Busse, Hugo Egon Balder, René Heinersdorff und weiteren (ab 39 Euro).

22. Februar: Claudia Michelsen liest „Marlene Dietrich“. Die Schauspielerin zeichnet ein Porträt der Stilikone (ab 25 Euro).

28.+29. Februar: Es war nicht alles Sex – Comedy mit Tatjana Meissner und André Kuntze (22 Euro).

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Staßfurt l In der Arbeiterstadt Staßfurt, die vom Schweiß getränkt, sich durch schwere Zeiten geschleppt hat, gebeugt ist vom Bergbau und salzverkrustet im Gesicht, gibt es eine kleine, doch recht große Wohlfühloase für Kulturfans. In einer Stadt, in der Kultur sonst manchmal nicht den größten Stellenwert hat, kommt das Salzlandtheater als Schmankerl für Touristen daher, das Auswärtigen zeigt: Staßfurt kann mehr und viel.

Noch ist Sommerpause. Aber der 13. September rückt immer näher. Und dann geht der Vorhang auf. Auf die Bühne kehrt wieder Leben ein. Die feierliche Eröffnung der Spielzeit 2019/2020 steht an. „Damit wollen wir uns auch selbst feiern“, sagt Bianca Görke, Vorsitzende des Theaterfördervereins, nicht ganz unbescheiden. „Das fordert uns auch ein Stück. Die Messlatte wurde vor zwei Jahren ziemlich hochgelegt. Diesem Anspruch wollen wir weiter gerecht werden.“

Was gibt es also zu sehen? Comedian Thomas „Tutty“ Tran wird nach Staßfurt kommen. Dazu gibt es einen Auftritt der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie Schönebeck unter der Leitung des neuen Dirigenten Jan Michael Horstmann. Die Ballettcompagnie des Theaters Koblenz und das Theater Eisleben werden sich präsentieren. Die Kreismusikschule schickt einen Vertreter vorbei. Und nicht unwichtig: Das Buffet ist beim Preis von 25 Euro inbegriffen. „Dieses Jahr haben wir fast ein Luxusproblem im Programm“, sagt Görke. Mehr wäre möglich. Nicht alles ist umsetzbar.

Kosten für Gagen gestiegen

Das zeigt aber eben den Stellenwert, den das Theater in der Region hat. Grundsätzlich gilt auch für die neue Spielzeit: „Der Genremix wird gewahrt“, sagt Theaterleiter Stephan Czuratis. Es wird also vor allem das geboten, was sich lohnt. „Wir sind ein Dienstleister“, so Czuratis. Ein Dienstleister der Bevölkerung. Veranstaltungen müssen sich selbst tragen. Wurden vor zehn bis zwölf Jahren noch etwa 100 000 Euro für Gagen und Unterkünfte der Künstler ausgegeben, so sind es laut Czuratis mittlerweile um die 200 000. Im Gegensatz zu anderen Städten gibt es in Staßfurt kein festes Budget. Alles muss erwirtschaftet werden. Das macht es leicht und schwer. Auch deshalb wurde vor 13 Jahren die Betreibung des Theaters in die Hände des Fördervereins gelegt. Das Haus ist auf viele Kooperationen und Förderer angewiesen, um existieren zu können. „Da gibt es ein gewisses Haftungsrisiko“, sagt Bianca Görke.

Weil Schauspiel in Staßfurt nicht so zieht, setzen die Programmmacher auf Konzerte und Kabarett. Einen großen Stellenwert nimmt das Kindertheater ein. Das wurde einst von Czuratis‘ Vorgängerin Sandy Gärtner initiiert. Weil das gut lief, wird das weiter fortgesetzt. „Einmal im Monat an jedem zweiten Sonntag wird es eine Kinderveranstaltung geben“, sagt Czuratis. Diese findet dann 10.30 Uhr statt. Oft handelt es sich dabei um Puppentheater.

„Das hat sich etabliert. Wir haben da mittlerweile keine Veranstaltung mehr mit unter 120 Gästen“, so Czuratis.

Ein besonderer Höhepunkt in der Weihnachtszeit könnte für Kinder das Weihnachtsmärchen „Schneeweißchen & Rosenrot“ sein, das vom Theater Eisleben am 14. Dezember aufgeführt wird.

Neuer Kulturkalender

Immer wieder muss sich aber auch das Theater samt Förderverein neu entwickeln. Immer wieder steht zum Beispiel die Frage im Raum, wie mehr Aufmerksamkeit generiert werden kann. In einer der Vorstandssitzungen kam die Idee auf, einen Kulturkalender für die kommende Spielzeit auf die Beine zu stellen. Mit dem Kooperationspartner Stadtwerke wurde im A3-Format ein Kalender gestaltet, auf dem gewisse Termine eingetragen sind. Der kulturinteressierte Staßfurter soll daran erinnert werden, wenn Termine im Theater anstehen. Der Kalender ist mit der neuen Spielzeit also fest verankert. 500 Exemplare werden dabei rausgehen, gekauft werden kann der Kulturkalender für sieben Euro. Gestaltet wurde der Kalender mit der Hilfe der Werbeagentur von Boris Funda.

Wie läuft denn die Suche nach Künstlern? Natürlich gibt es gemeinsame Abspracherunden von Theaterleiter und Theaterförderverein. Die größte Verantwortung trägt Stephan Czuratis aber selbst. „Er ist da nicht an der kurzen Leine. Wir vertrauen ihm“, sagt Görke. „Wir kriegen nie alle Künstler, die wir wollen“, sagt Czuratis. „Irgendwo enden die Werkzeuge.“ Beim Ballett kommen die Gäste zum Beispiel von weit her, das könne aber nie ohne Hilfe von außen gestemmt werden.

Und schon jetzt plant Czuratis mit dem Theaterförderverein die Spielzeit 2020/2021. Da wird dann auch das Schauspiel bei einem Termin eine ziemlich gewichtige Rolle spielen. Zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl im Jahr 2021 wird ein Stück über die letzten Tage der Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime auf die Bühne in Staßfurt gebracht. Ein Ensemble aus Rheinland-Pfalz bringt sich da ein. Auch sonst laufen parallel natürlich bereits Gespräche.