Staßfurt l Wenn die Tierpfleger zur Führung durch den Tiergarten starten, wird es gleich interessant. Am Mittwoch waren es Philipp Peters und Sandra Schneeberg, die bei der Winterfütterung des Ortsverbands der Linken mit den Besuchern direkt ins Affenhaus marschierten.

Die Warane vom Zoll

Dort ist es wunderbar warm und für jeden Besucher die Gelegenheit, sich aufzuwärmen. In der Mitte fällt gleich das große Terrarium der Warane auf. Kuscheln die beiden oder will jeder nur am dichtesten an die Wärmelampe heran? Die beiden stammen, erfährt man von Philipp Peters, vom Zoll. Sie wurden illegal nach Deutschland eingeführt und dann von Zollbeamten beschlagnahmt. Solche furchtbaren Geschichten mussten übrigens fast alle Reptilien im Affenhaus erleben, erklärt der Tierpfleger den Besuchern. Einige Tiere waren vom Veterinäramt sichergestellt worden, weil sie nicht artgerecht gehalten wurden. Schließlich muss das Veterinäramt die Tier irgendwo unterbekommen. „Bei beschlagnahmten Tieren ist es so, dass diese dann für immer hierbleiben“, sagt der Tierpfleger.

Aber weiter zu den anderen Tieren: Die Affen könnten jetzt im Winter nach draußen, wenn sie wollen. Machen sie aber nicht. Maximal ein paar Sekunden schauen sie heraus, dann erschrecken sie vor der Kälte und huschen schnell wieder hinein ins Warme. Über Nacht bleiben sie auch besser drin. Denn sie sind sehr streitlustig, haben sich schnell in den Haaren - wenn keiner nachts da ist, wäre das schlecht.

Die Krabbe und der Kürbis

Zwei Neuigkeiten für die Besucher hat das Affenhaus auch: Neu eingezogen ist die Halloween-Landkrabbe. Die Furchen auf ihrem Panzer sollen an einen Kürbis erinnern, deswegen der Name. Das kleine rote Tierchen versteckt sich noch schüchtern ganz hinten in seinem Terrarium. Gleich daneben sind seine Nachbarn, ebenfalls Neue im Tiergarten, zu finden: Die Achatschnecken, die größten Landschnecken der Welt, können ein Gehäuse bis zu 20 Zentimeter Länge bekommen. Die im Affenhaus sind aber noch jung und bis jetzt nur handgroß geworden.

Aber weiter, jetzt nach draußen ins Freie. Im hinteren Teil des Tiergartens wartet die nächste Sensation: Die beiden Dingos sind jetzt Eltern geworden und haben alle überrascht. Denn bisher sah es so aus, als würde es zwischen dem Paar nicht funken. Jedenfalls hat die Dingodame „Püppi“ jetzt vier kleine Welpen bekommen. Sie sind in einer Höhle in der Erde draußen versteckt und kommen noch nicht raus. Nur die stolzen Eltern lassen sich draußen blicken.

"Basil" und "Kalle"

Gegenüber im großen Gehege stehen die beiden Kamele „Basil“ und „Kalle“ mit Lamas und Alpakas. Diese ganze Mannschaft ist absolut winterfest. Die Lamas und Alpakas werden so geschoren, dass sie im Winter über ein warmes Fell verfügen. „Basil“ und „Kalle“ haben jetzt so viel Wolle, dass man sicher das ganze Tierparkteam mit Pullis ausstatten könnte. „Wenn wir im Frühjahr dann das Winterfell auskämmen oder mit der Hand abziehen, genießen sie das richtig“, erzählt Tierpflegerin Sandra Schneeberg. „Dann legen sie sich hin und lassen sich die Wellnessbehandlung gefallen.“ Bei „Kalle“ müssen die Tierpfleger beim Bürsten dann einen Höcker hochheben, der von Geburt an hängt, weil er viel zu groß gewachsen ist. „Der ist ganz schön schwer“, lacht die Tierpflegerin.

Weiter geht es im Sauseschritt. Während sich die Erdmännchen in ihrem Häuschen verstecken, tollen im Streichelzoo die Ziegen munter herum. Mit Futter kriegt man sie sowieso immer. Und siehe da: Sogar Nachwuchs haben die Ziegen jetzt schon. Zwei Ziegenmädchen wurden vor zwei Woche geboren und führen den Besuchern ihre tollkühnen Sprünge vor.

"Opa" interessiert sich für Gemüse

Das Stachelschwein gewährt den Besuchern ebenfalls eine Audienz. Besonders die Stadträte der Fraktion Die Linke wollen ihrem Schützling mal guten Tag sagen. Immerhin hat die Fraktion seit Jahren eine Patenschaft für das Stachelschwein. Doch „Opa“, wie das 27-jährige Tier genannt wird, scheint sich irgendwie mehr für Kohlrabi als für Kommunalpolitik zu interessieren.

Der Winter macht die Arbeit im Tiergarten übrigens nicht einfach. Die Wasserleitungen frieren zu, deshalb tragen die Tierpfleger das Wasser in großen Blechkannen herum. Und bevor der Winter einbricht, müssen einige Tiere aus ihren Anlagen gefangen werden. Zum Beispiel Vogelarten, die in der rückwärtigen Haltung überwintern und dazu jetzt in der Auffangstation untergebracht sind.

Verrückter Emu-Mann

Eine andere abenteuerliche Fangaktion haben die Tierpfleger übrigens mit dem Emu-Mann hinter sich. Er war einmal über den Zaun seines Geheges gesprungen, das sich am Eingang des Tiergartens befindet. Wahrscheinlich hat er „Eheprobleme“. Denn mit seiner Emu-Dame will es einfach nicht klappen. Die beiden streiten sich mehr als alles andere. Da war der Emu-Mann wohl in seiner Rage über den Zaun gesprungen. Als nach Stunden ein spezialisierter Tierarzt eintraf, hat er einen Betäubungspfeil bekommen und konnte endlich eingefangen werden. Deswegen hat er jetzt sein eigenes Abteil neben der Emu-Dame, das mit hohen Holzbrettern gesichert ist. Man hofft, dass der werte Herr bald wieder zu Vernunft kommt.

Den Schlusspunkt setzt im Tiergarten immer das gemütliche Café. Hier arbeiten Menschen der Behindertenwerkstätten der Lebenshilfe Bördeland, die sich immer sehr viel Mühe beim Kochen geben und beim Servieren sehr zuvorkommend sind.

Immer ein Klassiker

Für Staßfurter Familien ist der Tiergarten ein ungebrochener Klassiker, egal ob Sommer oder Winter: „Wir sind immer mal hier, weil die Kinder einfach gern im Tiergarten sind“, sagt zum Beispiel Jasmin Förster aus Staßfurt, die mit ihren Söhnen Niclas und Pepe bei der Winterfütterung dabei war.

Öffnungszeiten im Winter:

Tiergarten: Montag bis Sonntag 9 bis 16 Uhr Tiergarten-Café: Dienstag bis Sonntag 11 - 18 Uhr