Staßfurt l Im Sommer und auch im Winter geht das Trio vor die Tür, empfängt die Gäste, die die Salzstadt Staßfurt besuchen wollen, am Stadt- und Bergbaumuseum mit einem warmen Lächeln. Nach der kurzen Begrüßung startet der Rundgang. Seit fast 20 Jahren führt der Hecklinger Peter Knauf als ehrenamtlicher Stadtführer durch die Stadt. Auch Michael Scholl, Leiter des Stadt- und Bergbaumuseums, führt Touren durch. Im Frühjahr stieß der Aschersleber Jörg Puhl dazu. „Und da geht es auch im Winter dick eingemummelt raus“, sagt Michael Scholl.

Schreckt Staßfurt Touristen ab? Oberbürgermeister Sven Wagner verneint das ganz klar (Volksstimme berichtete). Und gerade der Zulauf bei den Stadtführungen bestätigt den Stadtchef. Nicht nur, weil die Stadt im Frühjahr einen dritten Stadtführer engagieren musste, um den Anfragen gerecht zu werden. Auch der überaus warme Sommer war gut für die Bodestadt. „Im Juli und August gab es in diesem Jahr teilweise vier Führungen am Tag“, freut sich Scholl. Da brauchte es tatsächlich Organisationstalent, um den Zulauf kanalisieren zu können. In der kälteren Jahreszeit gibt es weniger Anfragen und Führungen. Aber auch im November gibt es noch zwei Termine. „Es läuft gut. Es sind in den letzten Jahren auch mehr geworden“, so Scholl.

20 bis 30 Gäste im Schnitt

20 bis 30 Zuhörer gibt es im Schnitt. Oft sind es Gruppen, die für ein Klassentreffen wieder in der Bodestadt sind. „Das sind also alte Staßfurter“, sagt Scholl. Aber auch aus Magdeburg reisen Gruppen bei „Dankeschöntouren“ an. Dazu buchen Reiseunternehmen aus ganz Deutschland Touren. „Wir hatten auch schon Gäste aus Frankreich und England“, erklärt Scholl. Da mussten dann sogar Lehrer vom städtischen Dr.-Frank-Gymnasium als Dolmetscher aushelfen, um die interessierten Touristen passend zu unterhalten.

Es lohnt sich also, die Stadtführungen anzubieten und auch finanziell in Wegweiser durch die Innenstadt zu investieren. Gerade das Rondell in der Gollnowstraße, ein Bestandteil der alten Wehranlage und historischen Stadtmauer, ist ein ständiger Anlaufpunkt beim historischen Stadtrundgang. Da werden Geschichten erzählt aus der frühen Neuzeit dem Dreißigjährigen Krieg.

Ja, Staßfurt atmet Geschichte. Was es aber dringend braucht: Einen durchgängig und gut ausgeschilderten Rundgang durch das Zentrum. Dazu mehr Informationstafeln an den bis zu 23 Standorten. Denn diese sind zum Teil entfernt oder beschmiert worden. So fehlt die Tafel am Stadtmuseum oder am Rondell. Jene an der Interimskirche ist beschmiert. Dort sind die Stadtführer gefragt. „Es werden viele Fragen gestellt“, so Scholl. Nur gut, dass Scholl, Knauf und Puhl in der Materie drin stecken und beweisen, dass in Staßfurt mehr drinsteckt, als man auf den ersten Blick sieht.