Staßfurt l Jürgen Nebel hatte sich auf einen gemütlichen und informativen Mittwochvormittag mit seiner Frau gefreut. Der Bürger aus Haldensleben wollte das Schloss Hohenerxleben besichtigen. Zweifellos eine touristische Attraktion. Und weil dieses erst um 11 Uhr aufmachte, dachte sich der 76-Jährige, dass davor doch ein Bummel durch die Staßfurter Innenstadt die Warterei gut verkürzen würde. „Ich hatte meiner Frau den Mund wässrig gemacht“, so Nebel.

Zuletzt war der Rentner zu DDR-Zeiten in Staßfurt, „der Wiege des Kalibergbaus“. „Allerdings musste ich mich durchfragen. Es gab keine Wegweiser zu den Sehenswürdigkeiten“, schimpft er. „Und wer am Innenstadtsee visuelle Anschauung und Erläuterung zur Entstehung dieses Gewässers erwartet, wird auf eine IT-Prozedur verwiesen.“ Dazu gebe es seiner Meinung nach zu wenig Toiletten. „Außerdem war die Stadtverwaltung geschlossen. Es gab nur spärliche Infos. Dabei hat die Stadt durchaus touristisches Potential, um das andere Städte sie beneiden würden.“

Kein Touristenmagnet

Ist Staßfurt tourismusfeindlich? Fakt ist: Staßfurt ist kein Touristenmagnet wie vergleichbar große Städte im Harz. Das weiß auch die Stadt. Das weiß auch Oberbürgermeister Sven Wagner. Das schlagende Problem: „Wir haben keinen Marktplatz. Unser Marktplatz ist die Steinstraße.“ Die ja an Attraktivität zugelegt hat. Konzepte werden entwickelt, die Stadt füllt das Zentrum mit Leben, versucht Mieter zu finden für leerstehende Ladenzeilen. Und ganz generell: „Das stimmt so nicht, was der Bürger sagt“, meint Wagner.

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So gibt es am Bahnhof einen Aushang mit Bürgerservice, der auf Strandsolbad, Salzland Center, den Tiergarten oder die Museen hinweist. Wagner verweist da auch auf das Bürgerinformationszentrum in der Steinstraße. Dort gibt es aufklappbare Flyer mit dem Titel „Willkommen in Staßfurt“, die ebenfalls auf touristische Attraktionen hinweisen. Dazu Hinweisschilder in der Innenstadt für den historischen Stadtrundgang. Und in der Hohenerxlebener Straße für Autofahrer, die von der Autobahn kommen, Hinweisschilder.

Alles gut also? Natürlich nicht. Auch der OB sieht ein, dass nicht alles perfekt ist. So wird die Beschilderung der Innenstadt auf den Prüfstand gestellt, eine Broschüre als Stadtführer geistert als Idee herum. Kanutouristen, die vor dem Staßfurter Wehr ein- und aussteigen, sollen besser in die Stadt gelotst werden per Hinweisschilder zu Gaststätten. Dazu hat Staßfurt offizielle Wohnmobilstellplätze als Idee auf den Weg gebracht. All das sind Maßnahmen, die dazu beitragen sollen, die Stadt attraktiver für Touristen zu machen. Vor allem auf Tagesgäste wird da geschielt.

Keine festen Termine

Und tatsächlich gibt es ja auch Stadtführungen. Keine zu festen Terminen. Aber wer Interesse hat, kann sich abwechselnd von Peter Knauf und Jörg Puhl, die ehrenamtlich sich als Staßfurter Auskenner engagieren, oder von Museumsleiter Michael Scholl durch die kleine aber feine Innenstadt führen lassen. „Wir sind nicht Wernigerode“, sagt Scholl. „Die Strukturen sind nicht gegeben.“ Trotzdem machen Reisebusse auch ab und zu in Staßfurt Halt. Busunternehmen aus ganz Deutschland buchen laut Scholl über die Homepage der Stadt Touren und machen Halt in der Salzstadt. Dann geht es an die individuelle Absprache, am Stadt- und Bergbaumuseum geht die Tour los.

Unter Titeln wie „Salzige Tour“ oder „Glück Auf Tour“ führt der Touristenführer durch Staßfurt. Ein wichtiger Haltepunkt beim historischen Stadtrundgang ist immer das alte Rondell von 1427. Aber auch der alte Güterbahnhof, die alte Post, die Heinrich-Zille-Straße, der Benneckesche Hof, die ehemalige Interimskirche oder das Hackesche Haus sind Anlaufpunkte. Insgesamt 23 Stationen gibt es auf der Tour. Dauer: Etwa anderthalb Stunden. Kosten: Zwei Euro. Gerade im Sommer war der Zuspruch gut. Gerne hätte auch Scholl mehr Hinweisschilder, mehr Infotafeln zu historischen Gebäuden. Einige wurden gestohlen, andere beschmiert. Einen „Alptraum“, nennt Scholl die Beschilderung.

Am Ende des Tages ist es so: In Staßfurt ist der gute Wille gefragt. Wer sucht, der findet. So könnte das Motto lauten. „Wir haben ein enorm verbessertes Stadtbild“, sagt OB Sven Wagner. Er verweist da auch auf den Sperlingsberg, der neu bepflanzt wurde. „Es ist sicher Luft nach oben.“ Aber so schlecht wie der Tourist aus Haldensleben, sieht Wagner die Stadt freilich nicht aufgestellt. So hat der OB auch für die scheinbar fehlenden Informationen für Touristen ohne Smartphone am Stadtsee die passende Antwort parat. „Wir haben dort drei blaue Stehlen, die über den Stadtsee und seine Geschichte informieren. Dazu eine Tafel über die Kalischächte.“ Auch hier gilt: Wer suchet, der findet.