Staßfurt/Egeln/Hecklingen/Güsten l Feucht-fröhliche Stimmung beim Wasser- und Abwasserzweckverband (WAZV) „Bode-Wipper“. Der öffentliche Versorger erreicht einen neuen Tiefstand bei den Wasserverlusten. 2014 gingen im gesamten Verbandsgebiet, unter anderem mit Staßfurt, Egeln, Hecklingen und Güsten, noch 600.000 Kubikmeter wertvolles Trinkwasser verloren. 2019 war es nur noch die Hälfte – 307.000 Kubikmeter, also eine Senkung von 21 auf 12 Prozent.

Weniger Wasserverluste war eines der Hauptziele des Wasserverbands in den letzten Jahren. „Weiter runter wird es kaum gehen. Die aktuellen 12 Prozent sind das Minimum, das man bei unserer Netzstruktur und dem zu geringen Mitteleinsatz erreichen kann“, sagt Geschäftsführer Andreas Beyer. Besonders die letzten vier Jahre seien mit Verlusten von durchschnittlich 13 Prozent besonders gut gelaufen.

Gebühren stabil

Für die Trinkwasserkunden im Verbandsgebiet werden die Erfolge nicht direkt bei den Gebühren spürbar. Eher kann der Verband seine finanziellen Verluste halbieren und dadurch die aktuellen Trinkwassergebühren halten, sprich er muss sie nicht erhöhen. In 2019 verbrauchten Privathaushalte und Firmen im Verbandsgebiet ganze 2,163 Millionen Kubikmeter.

Jedes Jahr zeigt die Abschlussrechnung, dass der Verband mehr Trinkwasser von der Trinkwasserversorgung Magdeburg gekauft hat, als alle Kunden im Verbandsgebiet zusammen abgenommen haben. Die Differenz sind die Wasserverluste. Um deren Spur zu verfolgen, hat der WAZV in den letzten Jahren „in alle Richtungen ermittelt“, wenn man die Suche nach den Ursachen mit Ermittlungen der Polizei vergleicht.

Rohrbrüche und Wasserdiebe

„Hauptermittler“ beim Verband ist der sogenannte Rohrnetzüberwacher. Der Mitarbeiter hat seit Beyers Antritt 2013 einzig und allein die Aufgabe, das Netz nach Lecks abzusuchen. In Staßfurt zum Beispiel sucht er im Idealfall zwei Mal im Jahr das komplette Leitungssystem nach Rohrbrüchen ab. Der Mitarbeiter kann mit einer „Horchdose“ und Kopfhörer am Hydranten tatsächlich hören, wo ein Loch sein könnte.

Noch eine „Fahndungsmethode“ ist ein aufwendiges Computersystem, mit dem die Zentrale am Schütz das Geschehen in den Wasserleitungen quasi live verfolgen kann. Am Monitor des sogenannten „Fernwirksystems“ sind die Durchflussmengen der Trinkwasserleitungen sichtbar. „Zählerschächte senden regelmäßig aktuelle Daten“, erklärt Beyer. „Insgesamt 40 solcher Messstationen haben wir im Verbandsgebiet installiert.“ Auffälligkeiten meldet das System direkt auf das Handy des Technikers in Bereitschaft.

Bei Wasserdieben handelt es sich um Privathaushalte oder Firmen, die heimlich Wasser abzwacken und nicht bezahlten. Wie der Verband diesen Leuten auf die Schliche kommt, kann man aus „ermittlungstaktischen Gründen“ nicht verraten. „Wir konnten in letzter Zeit eine Vielzahl von Fällen zur Anzeige bringen“, so Beyer. Solche „Kunden“ müssen ihre Gebühren für einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren nachzahlen.

Starke Unterschiede zwischen Orten

Sorgenkind bei den Wasserverlusten war immer Staßfurt. Mit bis zu 100 Jahre alten Leitungen hatte die Kernstadt vor sechs Jahren noch über die Hälfte aller Wasserverluste im ganzen Verbandsgebiet des WAZV (2014 345 000 Kubikmeter, 2019 102 000 Kubikmeter).

Positive Beispiele bessere Zahlen sind auch die Orte Atzendorf, Etgersleben, Egeln-Nord oder Wolmirsleben. Dort konnten Verluste auf acht bis 15 Prozent gesenkt werden.

Problem-Orte sind aktuell Warmsdorf/Amesdorf (Verluste 19 Prozent), Förderstedt (23 Prozent) und Schneidlingen (22 Prozent). Ursache sind laut Beyer meistens alte Leitungen, die anfällig für Rohrbrüche sind.

Neue Leitungen müssen her

Nachdem der Wasser- und Abwasserzweckverband nun bei den Wasserverlusten auf der Zielgeraden ist, so Beyer, steht bald schon das nächste Großprojekt an. Es müssen etliche alte Leitungen im 380 Kilometer langen Netz ersetzt werden. Das technische Erneuerungskonzept wurde durch die Verbandsversammlung im Frühjahr 2019 einstimmig beschlossen. Nun geht es um die Frage, wie der Verband den dreistelligen Millionenbetrag stemmen kann, ohne dass die Trinkwassergebühren unbezahlbar werden.