Atzendorf l „Wir werden unsere Ausbaubeiträge nicht zahlen, wenn die Situation so bleibt“, kündigt Günter Schmidt aus Atzendorf an. Diese drastische Drohung trägt der Anwohner der Herzstraße letzte Woche im Namen seiner Nachbarn vor. Besonders jene, die im unteren und tiefer gelegenen Teil der Straße Richtung Hauptstraße wohnen, hatten beim Unwetter im August Land unter.

„Das Wasser stand am 15. August einen halben Meter hoch“, erklärt Günter Schmidt am Dienstag vor zwei Wochen im Ortschaftsrat Förderstedt. Dass es mal stark regnen kann, sei nicht mal das Hauptproblem der Anwohner. Man frage sich eher, ob die Abläufe falsch geplant wurden, als die Herzstraße bis Mai 2019 komplett neu gebaut und erstmals mit einem Regenwasserkanal versehen wurde.

„Zwischen Hausnummer 2 und Hausnummer 10 ist über acht Grundstücke lang kein einziger Gully“, so Günter Schmidt, der in der Herzstraße 1 wohnt. Er vermutet sogar, dass beim Bau der Straße ein Gully vergessen wurde. „Eigentlich sollte laut den Planungsunterlagen, die wir Anwohner damals von der Stadt bekommen haben, noch ein Gully vor Hausnummer 6 sein.“

Das Problem sei auch, dass der Anfang der Herzstraße tiefer liege als die Umgebung. Aus Richtung Kaufhalle, Bornscher und Magdeburger Weg laufe alles Regenwasser ab und sammle sich bei den Anwohnern.

Von Atzendorfs Wasserproblemen können auch die Ortschaftsräte an dem Abend ein Lied singen. Günter Döbbel (FDP) vom Ortschaftsrat berichtet: „Wir haben das Problem seit 1995. Wir haben viel analysiert und diskutiert. Passiert ist nichts.“

Milchgraben läuft nicht

Döbbel ist erbost, dass das Problem nach Jahren noch nicht entschärft wurde: „Das Problem betrifft den ganzen Ort. Am Sportplatz saufen wir zuerst ab. Der Milchgraben fasst zu wenig Wasser. Also saufen auch Kirch- und Bauernstraße ab. Vor langer Zeit ist ein Abfluss bei Gröning weggefallen, das verschärfte das Problem. Der Milchgraben soll das Wasser eigentlich zum Marbegraben befördern. Weil das nicht funktioniert, gibt es dort einen Rückstau. Es dauert zwei bis drei Stunden, bis alles abläuft. Und zusätzlich drückt es dann noch im Schmutzwasserkanal am Sportplatz hoch – ins Klo der Anwohner.“

Unternommen wurde zwar etwas – das muss der Richtigkeit halber dazu gesagt werden: Zu den regulären Reinigungsarbeiten des Milchgrabens war ein Abschlagsbauwerk eingesetzt worden.

Allerdings habe dies nicht den gewünschten Effekt gebracht, wie Ortsbürgermeister Peter Rotter (CDU) berichtet: „Das Abschlagsbauwerk am Milchgraben hat viel Geld gekostet, kann aber nicht arbeiten.“ Denn der Dorfteich, der hier als Vorfluter dienen soll, kann nicht funktionieren: „Der Dorfteich muss ertüchtigt und entschlammt werden“, fordert Rotter. Auch er schimpft: „Das predigen wir seit Jahren und es tut sich nichts.“

Drei Stunden lang gekehrt

Zurück zu den Anwohnern der Herzstraße. Günter Schmidt griff am Tag nach dem Unwetter gleich selbst zum Besen und führte einen dreistündigen Arbeitseinsatz in seiner Straße durch: „Eine fünf Zentimeter dicke Schlammschicht war zu uns gespült worden.“

Ob der eine Gully nun wirklich vergessen worden war oder nicht, für die Anwohner der Herzstraße bleibt der Zustand ein Unding: „Bei Starkregen ist das bei uns immer so“, berichtet Schmidt. „Wir sollten im Rahmen unserer Straßenausbaubeiträge auch für den Regenwasserkanal zahlen. Aber so wie es jetzt ist, funktioniert es nicht. Die Stadt ist verpflichtet, das Regenwasser von der Straße zu entsorgen. Stattdessen fließt es nun auf unsere Grundstücke.“ Die Anwohner forderten die Stadt auf, sich zu kümmern, entweder mit einem Ortstermin, Spülen des Kanals oder den fehlenden Gully nachzurüsten.

Die Stadt Staßfurt antwortet auf die Volksstimme-Frage, wie man in der Herzstraße Abhilfe schaffen kann, auch nach von zwei Wochen noch nicht.

Der Wasser- und Abwasserzweckverband „Bode-Wipper“, der bei Regenwasserproblemen gern erwähnt wird, ist übrigens in Atzendorf nur für Schmutzwasser und Trinkwasser zuständig. Regenwasser auf Grundstücken und Straßen ist Sache der Stadt Staßfurt.