Staßfurt l Wie geht es mit der Tafel ab 1. Juli weiter? Um diese Frage ging es in einer Gesprächsrunde im Staßfurter Rathaus. Der „Verein für Soziales und Betreuung“ betreibt diese Tafel derzeit. Beteiligt am Gespräch am vorigen Mittwoch waren Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD), die Gleichstellungs- und Inklusionsbeauftragte Christine Fischmann, Andreas Steppuhn als Vorsitzender der Tafeln in Sachsen-Anhalt, Ines Grimm-Hübner, Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Salzland, Michael Hauschild (SPD), Vorsitzender im Ausschuss für Jugend, Senioren und Soziales, Tafelleiter Bernhard Heyroth sowie mehrere Tafelmitarbeiter.

Zum 30. Juni hatte die Stadt Staßfurt nach dem Willen der Kommunalpolitiker dem Betreiber die Räume in der Steinstraße 33 gekündigt. Grund waren Verwerfungen mit dem Vorsitzenden des Vereins Steffen Globig. Dieser hatte 2019 ohne detaillierte Absprache mit seinen Partnern ein Konzept für ein „Soziokulturelles Zentrum“ eingereicht. Durch die Fraktionen hatte Globig den Missmut der Kommunalpolitiker erzeugt.

Die Mitarbeiter der Tafel nahmen Globig in Schutz, verfassten einen offenen Brief und starteten eine Unterschriftensammlung. Besonders die Awo geriet dabei zwischen die Fronten, obwohl sich diese bis heute zurückhält. Es gilt: Die Awo könnte die Tafel übernehmen, wenn sich der bisherige Betreiber zurückziehen muss.

Mitarbeiter und Küche bleiben

Die Gespräche am Mittwoch zeigten nun aber, dass an einer Lösung ab Juli gearbeitet wird. „Es war ein konstruktiver Austausch. Ich habe alle Fragen beantwortet“, sagt Ines Grimm-Hübner, Geschäftsführerin bei der Awo Salzland. Was ist den derzeitigen Beschäftigungen der Mitarbeiter der Tafel? Was ist mit der Küche? Hier konnte Grimm-Hübner besänftigen. „Wir werden alle Mitarbeiter übernehmen, wenn es möglich ist“, sagt sie. Und der Betrieb mit warmen Mittagessen muss nicht zwangsläufig eingestellt werden. „Die Küche kann bestehen bleiben“, so Grimm-Hübner. Sie wartet nun vor allem auf ein Zeichen des aktuellen „Vereins für Soziales und Betreuung“.

Dieser wollte vorigen Donnerstag eine Mitgliederversammlung abhalten. Sie wurde verschoben, weil ein Mitglied des Vorstands kurzfristig erkrankt war. „Die Versammlung wird am Donnerstag nachgeholt“, sagt der Vereinsvorsitzende Steffen Globig.

Zwei Tagesordnungspunkte werden auf dem Plan stehen. Erstens: die Einstellung des Tafelbetriebes. Zweitens: die Auflösung des Vereins. Stimmen die Mitglieder beiden Sachen mehrheitlich zu, wird der Übergang zur Awo zum 1. Juli vorangetrieben. „Zwar ist die aktuelle Lösung, dass wir die Tafel weiter betreiben, für uns die beste, aber die Auflösung ist die realistischste Option. Wir müssen zu einer Entscheidung kommen.“

Andere Optionen sind kaum denkbar. Ein Umzug des Vereins mit der Tafel in andere Gebäude in Staßfurt hatte sich zerschlagen.

Stadtrat entscheidet am 25. Juni

Die positiven Signale aus der Gesprächsrunde am vorigen Mittwoch haben auch alle weiteren Beteiligten mit Erleichterung zur Kenntnis genommen. „Mir persönlich ist es sehr wichtig, dass die Mitarbeiter übernommen werden und es einen nahtlosen Übergang in den Juli gibt“, sagt Tafelleiter Bernhard Heyroth, der selbst nicht Mitglied des „Vereins für Soziales und Betreuung“ ist und nach den Streitereien mit Steffen Globig diesem als Tafelleiter nachgefolgt ist und „von außen als Vermittler eingestellt ist“, wie er selbst sagt. „Ich halte mich raus beim Streit und sorge dafür, dass der Scherbenhaufen nicht größer wird. Ich bin froh, wenn die Tafel wieder in ruhiges Fahrwasser gerät.“ Er steht auch für den Übergang zur Awo bereit. „Für die Leute, die zur Tafel gehen, ist es egal, wer die Tafel betreibt. Wichtig ist, dass die Versorgung stimmt“, sagt er.

Versöhnliche Töne kommen auch von Sven Wagner. „Keiner muss um seinen Arbeitsplatz dort bangen. Es wird jeder gebraucht. Im Hintergrund gibt es bereits Gespräche mit dem Jobcenter.“ Über das Treffen im Rathaus sagt Wagner: „Es war eine sehr angenehme Runde.“ Er hofft, dass der Stadtrat am 25. Juni auch formal die Entscheidung der Verwaltung mitträgt. Wobei ja alle Fraktionen auch in Arbeitsgruppen die Verwaltung mit diesem Weg der Neuausrichtung beauftragt hatten.

„Die Awo hat sich bei dem Gespräch sehr sachlich vorgestellt. Es wurde nach vorn geschaut. Wichtig ist, dass kein Bedürftiger spürt, dass sich zum 1. Juli etwas verändert“, sagt Michael Hauschild (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Jugend, Senioren und Soziales. Mit einem guten Gefühl ist auch Andreas Steppuhn, Vorsitzender beim Landesverband der Tafeln, herausgegangen. „Es war ein angenehmes Klima“, sagt er. „Die Probleme mit der Awo sind ausgeräumt.“

Bei der Awo braucht es noch einen Vorstandsbeschluss. Der soll in nächster Zeit erfolgen.