Staßfurt l An einem Einlauf am Süd-Ufer hängen unendlich viele Einwegtücher, auch davor schwimmt eine gehörige Anzahl davon im Wasser. „Die hat man bis runter zum Real am Haken“, berichtet der 30-Jährige, „Unter der Bodebrücke Salzrinne hängt bei jedem zweiten Wurf so ein Lappen dran.“

Dabei könnte es so schön sein an der Bode. Ein Naturparadies, eine idyllische Flusslandschaft inmitten der Stadt Staßfurt. „Ich habe hier schon Rehe am gegenüberliegenden Ufer unterhalb des Schlachthofs bei der Wasseraufnahme gesehen“, so Maik Engelmann. In dem Fluss seien alle möglichen Fischarten vertreten – Karpfen, Hecht, Barsch...

Angesichts solcher Verschmutzungen wie an diesem Einlauf ist derweil an Angeln oder gar an einen Genuss des Fangs aus der Bode nicht zu denken. Zumindest unterhalb der öffentlichen und Industrie-Einläufe, die am Staßfurter Schütz beginnen.

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Abwasser-Einleitung war schon im Mai bekannt

Unser Angelfreund wusste sich nun nicht anders zu helfen – „Wenn ich das so weiter laufen lassen würde, würde ich mich schlecht fühlen“ – und informierte die Polizei. Auch ein Mitarbeiter des Ordnungsamts sei mit ihm an die Bode gekommen und hätte sich die „Sauerei“ angeguckt. „Der Sachverhalt über die Einleitung von Abwässern in die Bode wurde uns am 1. September bekannt“, sagt Ordnungsamtsleiterin Susanne Henschke. Bereits im Mai dieses Jahres habe es diesbezüglich schon einen Vorgang gegeben. „In beiden Fällen wurde sofort der zuständige Wasser- und Abwasserzweckverband Bode-Wipper informiert und aufgefordert, die weitere Einleitung von Abwässern in die Bode abzustellen.“

Naturfreund Engelmann wartet darauf, was passiert. „Ich hoffe, dass das bald ein Ende hat. Sowas ist doch heutzutage nicht mehr nötig bei den technischen Möglichkeiten. Zumal man nicht weiß, was in der Nähe eines Krankenhauses eingeleitet wird.“

Dass das Abwasser aus dem unmittelbar am Einlauf gelegenen Krankenhaus stammen könnte, weist Dr. Alexa von Dossow, Regionalleiterin Kommunikation bei Ameos Ost, strikt von sich: „Unsere Abwässer gehen definitiv in das Kanalsystem, wie es sich gehört. Und auch nur das, was rein darf.“

Dass die Einrichtung überhaupt keine Schuld trifft, bestätigt derweil Andreas Beyer. Der Geschäftsführer des Wasser- und Abwasserzweckverbands (WAZV) Bode-Wipper erklärt: „Dieses Problem ist uns bekannt, und wir arbeiten an einer Lösung. Wir haben den Schieber erstmal zugemacht, kontrollieren täglich und reinigen, wenn nötig. Es kann momentan nichts dergleichen mehr kommen.“ Der Grund für die Situation, mit der man natürlich selbst nicht zufrieden sei, ist folgender: „Der WAZV und die Stadt Staßfurt haben kürzlich für rund 600 000 Euro den Mischwasserkanal DN 1200/800 (Nennweite-Durchmesser 1200 und 800 Millimeter) in der Wasserkunststraße saniert. Diese Baumaßnahme war erforderlich, da die Sohle im Kanal komplett ausgespült war, was im Ergebnis den Abfluss massiv eingeschränkt hat.“ Nun habe dieser Kanal nach der Sanierung wieder eine optimale Abflusseigenschaft, also auch die Feststoffe können besser abfließen. Im weiteren Verlauf verjüngt sich der Kanal aber auf einen DN 200, was regelmäßig zur Verstopfung an diesem „Flaschenhals“ führt. „Durch das Aufstauen kommt es zu einem Schmutzwasserabschlag in die Bode. Solche Abschläge sind genehmigt, erfolgen in der Regel aber nur bei Starkregen in geringer Konzentration. Sonst würde der Stadtbereich ,absaufen‘. Momentan suchen wir gemeinsam mit der Wasserbehörde und der Stadt nach einer langfristigen Lösung“, unterstreicht Beyer, „Die kann aus jetziger Sicht nur der schon lange geplante Stauraumkanal an dieser Stelle sein. Allerdings bestehen hier auch finanzielle Zwänge bei der Stadt.“