Brumby l Es ist gerade einmal zweieinhalb Monate her, dass die neue Ortsumgehung Brumby für den Verkehr am 17. Oktober 2018 freigegeben wurde. Aber schon jetzt ist die Bilanz der Unfälle erschreckend.

Peter Maier, Stadtrat und Ortschaftsrat aus Brumby (Die Linke/offene Liste) schlägt Alarm: „Wir hatten seit Oktober schon mehrere schwere Unfälle an der Kreuzung“, sagt er. „Die Behörden müssen schnell etwas unternehmen“, fordert er. „Oder wollen wir warten, bis noch mehr passiert?“

Schwer einsehbar

Tatsächlich kann die Bauweise der Ortsumgehung aus der Perspektive eines Laien mit den Unfällen und ihren Ursachen in Zusammenhang gebracht werden: Die Ortsumgehung verläuft südlich des Ortes in einem Bogen um Brumby. Eine neue Kreuzung ist in ihrer Mitte zur Neugatterslebener Straße entstanden, die in den Ort hinein und in anderer Richtung nach Neugattersleben führt.

„Diese Kreuzung ist schwer einsehbar“, findet Peter Maier. Tatsächlich: Fährt man vom Ort Brumby aus auf die Kreuzung, sieht man als Autofahrer auf der linken Seite die heranbrausenden Autos auf der Ortsumgehung erst spät. Denn diese tauchen erst spät aus einer Böschung mit Brücke und hinter der Kurve auf. Die Böschung ist der Höhe des Geländes geschuldet und die Straße wurde zum Lärmschutz für Anwohner in diese Ebene hineingelegt.

Zu viele Schwerverletzte

Zwei Unfälle mit Schwerverletzten, über die die Polizei öffentlich informiert hatte, haben genau das zur Ursache: Zwei ältere Fahrer sahen die Fahrzeuge auf der Ortsumgehung zu spät und es kam zu schweren Zusammenstößen.

Die Unfallbilanz der neuen Ortsumgehung ist schon jetzt erschütternd: „Seit der Freigabe verzeichnen wir nur für diese Kreuzung vier Unfälle mit sieben Schwerverletzten. Bei zwei Unfällen gab es jeweils drei Schwerverletzte und bei einem weiteren Unfall noch einen Schwerverletzten“, berichtet Kommissar Klaus Peter Schneider auf Nachfrage.

Der stellvertretende Sprecher des Polizeireviers Salzlandkreis darf zwar bei dem kurzem Zeitraum offiziell noch nicht von einem Unfallschwerpunkt sprechen, „aber die Kreuzung entwickelt sich gerade in diese Richtung“, vermutet er. „Die Polizei hat das Problem aber schon erkannt und etwas ins Rollen gebracht.“

Auch bei der Landesbehörde, die sich um die Ortsumgehung Brumby kümmern muss, ist das Problem schon ins Visier gerückt. Es gibt eine sogenannte Unfallkommission, die sich regelmäßig trifft, um Probleme wie Unfallschwerpunkte mit Ampeln, Warnsignalen, Umbauten oder anderem zu entschärfen. Sie besteht aus der Polizei, der Verkehrsbehörde des Salzlandkreises und dieser Landesbehörde, genauer Landesstraßenbaubehörde.

Behörden arbeiten an Lösungen

„Aufgrund des bisherigen Unfallgeschehens wurde durch die Unfallkommission unter Federführung der Polizei bereits ein Gesprächstermin vereinbart“, bestätigt Stefan Hörold, Regionalbereichsleiter West der Landesstraßenbaubehörde. Bei dem noch kommenden Termin sollen die Unfallsituation in Brumby und die örtliche Situation im Zusammenhang mit dem Unfallgeschehen ausgewertet werden.

„Abschließend werden mögliche Maßnahmen zur Vermeidung von Unfällen vereinbart und letztendlich gemeinsam umgesetzt“, so Stefan Hörold. Über die Ergebnisse wird dann informiert. Wann und welche Maßnahmen es an der Kreuzung geben wird, steht noch nicht fest.

Was Ortschaftsrat Peter Maier aus Brumby auch sorgt, sind die Vollsperrungen solcher Unfallstellen an der Kreuzung nach einem Unfall. „Stehen die Autos dort, weil gesperrt ist, kommen sie über Brumby nicht mehr nach Calbe“. Denn mit dem Bau der Ortsumgehung ist die Durchfahrtsstraße im Ort Brumby für Autofahrer in Richtung Calbe zur Sackgasse geworden. Nur Rettungsdienste, Polizei, Radfahrer und Landmaschinen dürfen den Feldweg benutzen. „Kann das nicht besser geregelt werden?“, fragt Peter Maier.

Bei Sperrung große Umwege

Die Polizei muss dazu sagen: Nein, das kann nicht besser geregelt werden. Tatsächlich haben andere Autofahrer, die von der Autobahn nach Calbe wollen oder andersherum, im Fall eines Unfalls schlechte Karten. „Bei einer Absperrung des Unfallorts müssen wir den Verkehr ableiten und nicht umleiten“, erklärt Kommissar Klaus Peter. Eine Umleitung, für die wiederum die Straßenverkehrsbehörde zuständig wäre, wird wegen der kurzen Zeit der Sperrung bei einem Unfall in der Regel nicht eingerichtet.

„Es hat absoluten Vorrang das Leben der Menschen an der Unfallstelle zu schützen“, so Klaus Peter Schneider. Also die betroffenen Fahrer und Beifahrer, aber auch die Polizisten bei ihrer Arbeit. „Außerdem müssen Spuren gesichert werden, die später große Bedeutung haben für Versicherungen und so weiter und wo es bei den Betroffenen um viel Geld geht.“ Das halbseitige Absperren einer Unfallstelle sei für die Polizei kaum praktikabel.

Jeder Autofahrer sei in solch einem Fall selbst für seine weitere Fahrtroute verantwortlich und muss durchaus lange Umwege in Kauf nehmen. „Vielen Verkehrsteilnehmern fehlt dafür das Verständnis.“ Aber bei Stau auf Autobahnen müssten wegen der Verkehrsführung sogar noch größere Belastungen in Kauf genommen werden.