Brumby l „Wir sind genau wie alle anderen Menschen auch und machen nichts Ungewohnliches“, sagt Conny Hartmann (36). Er sitzt mit seinem Ehemann Thomas Hartmann (46)auf der Couch im Wohnzimmer. Stimmige Einrichtung, Blick in den Garten, drei niedliche Hunde wuseln um den Couchtisch herum. Thomas und Conny lächeln sich gegenseitig an. Beide sind zurückhaltend und lachen unheimlich gern, wenn sie erzählen.

Das Wort „schwul“ ist für die beiden irrelevant. Auch von „homosexuell“ oder „gleichgeschlechtlichem Ehepaar“ sprechen die beiden nicht. Solche Begriffe stecken Menschen nur unnötig in eine Schublade. „Jeder ist, wie er ist“, meint Conny und ist dabei ganz ernst. Die beiden stellen sich immer als „verheiratet“ vor.

Geheiratet haben Conny und Thomas am 6. Juli 2018 im Staßfurter Rathaus und waren damit eines der ersten und wenigen gleichgeschlechtlichen Ehepaare der Stadt. 2015 haben sie das Haus in Brumby im Internet entdeckt, es gekauft und renoviert. Vorher lebten beide zusammen in Magdeburg. Conny stammt ursprünglich aus Atzendorf, Thomas kommt aus Magdeburg.

Schönes Haus in Brumby gefunden

Warum ausgerechnet Brumby? „Wir sind nur wegen des Hauses hierher gezogen“, sagt Conny. Ob im Ort nun viel los ist oder nicht – nach der Arbeit kommt man sowieso nach Hause und will vom Alltagsstress entspannen. Wenn die beiden Mal ausgehen, sind sie in 20 Minuten in Magdeburg. „Aber wir sind eigentlich relativ ruhig und keine Partygänger“, lacht Thomas. Freunde treffen, zuhause ausspannen, kochen, den Garten genießen steht am Wochenende meistens auf dem Plan, auch mal ins Kino. „Man wird eben auch älter“, lachen die beiden. Und eine „Szene“ gibt es in Magdeburg sowieso nicht.

Egal wo man wohnt, es gibt immer nette und auch immer seltsame Leute. Die Nachbarn seien „entspannt“, sonst kennen die beiden kaum jemanden im Ort. Und wie alle Neulinge in einem Dorf haben Conny und Thomas auch bei ihrem Einzug ins Haus das eine oder andere neugierige Verhalten der Alteingesessenen mitbekommen. Da schaute mal ab und an jemand direkt durchs Fenster. Da stellten sich die Jugendlichen an den Gartenzaun, um den laufenden Fernseher im Wohnzimmer im Blick zu haben. Als die Hecke zum Garten durch eine Mauer ersetzt wurde, hat eine Nachbarin bedauernd angemerkt, dass man ja nun gar nicht mehr ins Wohnzimmer schauen könne. Wieder ein Grund zum Lachen, wenn die beiden das erzählen.

Der Alltag besteht bei dem Paar aus Arbeit, Sport in einem Staßfurter Fitnessstudio und ihren drei Hunden Jack, Coco und Finchen. Auch Fische, ein Chamäleon, zwei Eidechsen und Schildkröten leben in gepflegten grünen Terrarien mit im Haus.

Szene-Friseur in Staßfurt

Mit ihrer Kollegin Melanie haben Conny und Thomas am 1. Juni 2019 in der Staßfurter Steinstraße einen neuen Szene-Friseur und -Barbier aufgemacht. Das „Studio 35ct“ trägt die Anfangsbuchstaben von Conny und Thomas im Namen und ist noch in der Anfangsphase, eine Stammkundschaft baut sich allmählich auf.

Conny ist gelernter Friseur und war vorher von Brumby aus mobil unterwegs. Thomas war Maler und Lackierer, ist von Enercon in Magdeburg weg und kümmert sich im Laden um Organisation, Finanzen und Wellnessbehandlungen. „Wir haben eigentlich schon einiges erreicht, wenn man Mal drüber nachdenkt“, sagt Thomas und schaut seinen Mann nachdenklich an.

Die beiden machen das immer so: Sie setzen sich gemeinsam neue Ziele und arbeiten gemeinsam an der Umsetzung. „Eigentlich steht bei uns jedes Jahr ein neues Projekt an“, sagt Thomas. Langweilig wird es nie. Das Leben bringt immer seine Überraschungen und Herausforderungen mit.

Stetig neue Großprojekte

Tatsächlich hat das Paar immer ein neues Großprojekt am Laufen: 2017 haben sie das Haus in Brumby renoviert. 2018 wurde geheiratet. Nach der Hochzeit klügelten sie gleich die Idee mit dem Laden aus. Selbständigkeit, Gründung und Eröffnung kamen 2019. 2020 steht nun die Meisterschule im Vordergrund, die Conny gerade neben der Arbeit macht. „Danach machen wir wieder Pläne“, lacht er.

Das Leben genießen und Zufriedenheit – nicht mehr und nicht weniger ist das Ziel der beiden. „Ich sehe mich mit einem Glas Wein auf der Terrasse sitzen“, sagt Thomas, wenn er sich sein Leben in zehn Jahren vorstellen soll. „Viele befassen sich auch zu sehr mit dem Leben anderer“, meint Conny zum Thema Zufriedenheit.

Gemeinsamkeit ist in dieser Beziehung ganz wichtig. Dieselben Ziele auf Arbeit und dieselben Interessen in der Freizeit verbinden zwei Personen miteinander. Der eine zieht mit dem anderen mit und umgekehrt, ohne Diskussionen. Deshalb nehmen sich Thomas und Conny regelmäßig bewusst Zeit zu zweit, um zu verreisen, mal herauszukommen aus dem Alltag und etwas Neues zu sehen.

„Klar gibt es auch kleine Reibereien, aber das ist normal und man fängt sich schnell wieder“, verrät Conny. Vertrauen und freundschaftlicher Umgang sind das A und O.

Harmonie von Anfang an

Bei Thomas und Conny harmonierte und passte es von Anfang an. Seit sie sich kennengelernt haben, waren sie zusammen. Das war selbst für Thomas ganz selbstverständlich, der sich erst geoutet hat, als er Conny kennenlernte. Vorher war er mit Frauen zusammen, weil „das eben so war. Da habe ich gar nicht drüber nachgedacht.“ Trotzdem, zurückblickend waren diese Freundinnen „ganz schön anstrengend“, sagt Thomas und Conny lacht herzhaft mit.

„Conny ist eben Conny“, hatte Thomas seinen Eltern später über seinen neuen Mitbewohner am Telefon erzählt. Es war nicht schwer, der Familie die Neuigkeit zu erklären. Conny gehörte eben zu Thomas und andersherum.

Kennengelernt hatten sie sich 2012. Sie hatten auf einer Chatseite im Internet miteinander geschrieben. Auf der Suche war damals keiner von beiden. Aber ein Treffen machten sie dann doch aus. „Das war am 19. November 2012 in Magdeburg“, sagt Thomas, der alle wichtigen Daten auswendig nennen kann. „Von Anfang an war Sympathie da.“ Und seitdem war die Sache klar.

Seit 2012 sind die beiden ein Paar. Sie machen keinen Hehl daraus, öffentliche Liebesbekundungen passen sowieso nicht zu ihrem Charakter. Es gab nie Anfeindungen oder dumme Sprüche. „Die Kunden im Laden finden es normal und angenehm“, erzählt Conny. Und wenn die Leute reden würden, würde die beiden das sowieso nicht tangieren.

Pragmatischer Heiratsantrag

Der Heiratsantrag 2017 kam ganz pragmatisch. Thomas kam nach der Arbeit nach Hause, das Haus in Brumby war gerade in der Renovierung. Conny war mit Fließenlegen beschäftigt. „Was ist das für ein Blumenstrauß auf dem Tisch?“, fragte Thomas seinen Freund. „Na, da musst du mal gucken gehen“, erwiderte Conny.

„Bei den Blumen habe ich dann einen Ring entdeckt“, erzählt Thomas.

Die Hochzeit am 6. Juli 2018 wollten sie im kleinen Kreis und zuhause feiern. Die Standesbeamtin im Staßfurter Rathaus hat ihnen viel Organisation abgenommen. Am großen Tag erschienen dann beide in einem hellen Anzug, begleitet von Freunden und Familie. Die Rührung war groß, beide hatten feuchte Augen. „Und danach gab es zuhause in Brumby eine Poolparty über drei Tage“, sagt Conny und lächelt seinen Mann an. Der grinst zurück.

Sie selbst beschreiben ihre Geschichte immer so: „Wir haben uns damals nicht gesucht, aber gefunden.“