Groß Börnecke l Es sieht alles andere als schön aus und kommt meist über Nacht: Plötzlich ist die Hauswand verunstaltet, ein Verkehrsschild beschmiert oder der Papierkorb auf einem Spielplatz besprüht. Es trifft die Eigentümer der Objekte oder Häuser, wenn Sprayer nachts ihre Spuren hinterlassen. So geschehen in Groß Börnecke.

Hier wählten die „Maler“ auf ihrem Streifzug im Dezember 2018 sogar einen Tatort zentral, beleuchtet, mitten im Dorf aus: Das Rathaus.

Stadt: Kosten nicht bekannt

Eine leuchtend weiße Hauswand des Gebäudes, auf der weiter oben auch das Wappen des Ortes und sein Name stehen wurde verunstaltet. In der selben Zeit, wie die Polizei bestätigt, wurden auch andere Objekte bekritzelt, etwa eine Wand am Dorfgemeinschaftshaus.

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Dass es überhaupt dazu kommen muss, ärgert Einwohner. Wolfgang Hoffmann kann nur mit dem Kopf schütteln. „Das ist einfach unmöglich, weil sich nicht gehört“, sagt der Groß Börnecker, wird er auf die Beschmierungen angesprochen. Der stellvertretende Ortsbürgermeister ist sauer, wenn er sieht, dass das Eigentum anderer damit zerstört wird und kann nicht verstehen, was in den Köpfen der Leute vorgeht, die so handeln und dann noch das Rathaus verschandeln. Ähnlich war die Stimmung kürzlich auch im Ortschaftsrat, als das Thema zur Sprache kam. Im Juli war die Wandkritzelei damals am Rathaus noch nicht beseitigt. Jetzt wurde gehandelt.

Auskunft zu dem Fall kann die Leiterin des Ordnungsamtes der Stadt Hecklingen Marion Strecker geben, auch wenn das Groß Börnecker Rathaus sich seit einigen Jahren nicht mehr im Besitz der Kommune befindet und verkauft wurde – heute sind hier Mietwohungen drin.

Marion Strecker sagt, dass der Fall bereits im Dezember gleich danach zur Anzeige gebracht wurde. „Jetzt kennen wir die Verursacher, die Beschmierungen sind weg“, konnte die stellvertretende Bürgermeisterin am Donnerstag informieren. Was die Beseitigung gekostet hat, kann seitens der Stadtverwaltung nicht mitgeteilt werden. Dies entziehe sich ihrer Kenntnis, meinte Marion Strecker, dass die Verursacher zur Kasse gebeten wurden, was generell so üblich sei, wenn feststehe, wer den Schaden verschuldet hat.

Polizist Mike Wesendorf ist als Regionalbereichsbeamter für die Stadt Hecklingen im Einsatz und kennt die Angelegenheit.

Fingerabdrücke schwierig

Mit der Frage konfrontiert, wie die Beamten präventiv vorgehen, um solche Sachbeschädigungen zu vermeiden, erklärt Wesendorf, dass „vorbeugend Streife gefahren wird.“ Das sei eine Grundvoraussetzung damit es erst gar nicht dazu komme. Wenn es dann passiert sei, was nicht ausgeschlossen werden könne, erhebe der Geschädigte Strafanzeige gegen unbekannt. Es sei denn, die Namen des oder der Täter seien bekannt. Ansonsten würden Umfeldermittlungen laufen. Mit Fingerabdrücken sei es problematisch, denn in der Regel werde an den Orten nichts weiter angefasst. Ausnahme sei, wenn verdächtige Gegenstände etwa weggeworfene Farbutensilien gefunden werden, die würde man dann natürlich untersuchen.

Leidtragende seien in jedem Fall immer die Besitzer der betroffenen Objekte oder Grundstücke. Denn sie müssten für die Beseitigung aufkommen und hätten die Unannehmlichkeiten. Sei der Verursacher bekannt, könnte der Schaden aber eingeklagt werden, so Mike Wesendorf.

Sicher ist, dass die Beseitigung nicht einfach ist. Das kann ein Mitarbeiter vom Hecklinger Stadtbaubetrieb erklären. Marcus Hupel weiß von Fachfirmen, die sich auf die Reinigung von Fassaden spezialisiert haben. Er habe gehört, dass das sehr aufwändig ist. Am Ende müsste die Wand überpinselt werden. Hier liege das Problem, genau den Farbton zu treffen, der dem Original sehr nahe kommt und ihm im besten Fall entspricht, um nicht zu sehen, dass hier was gestrichen wurde.

Brief im Polizei-Postkasten

Zurück zur Rathausmauer in Groß Börnecke. Die Polizei kennt die Verursacher jetzt. Der Fall wurde als abgeschlossen zu den Akten gelegt. Pressesprecher Marko Kopitz bestätigte, dass Strafanzeige gestellt wurde und die Personen festgestellt wurden. Mittlerweile wurden die Beschuldigten von der Staatsanwaltschaft in Magdeburg angehört. „Sie haben sich bei den Regionalbereichsbeamten mit einem Brief entschuldigt, dass es ihnen Leid tut“, sagte Kopitz. Sie seien eine Art „Selbststeller“ und hätten den Brief mit ihren Namen in den Briefkasten gesteckt, obwohl sie vorher bekannt gewesen sein sollen.

Bei den Tätern handelte es sich um zwei Jugendliche. „Das Verfahren wurde nach Jugendgerichtsgesetz eingestellt“, teilt Oberstaatsanwalt Frank Baumgarten von der Staatsanwaltschaft Magdeburg auf Anfrage der Volksstimme mit. Die zwei Täter wurden mit einer „erzieherischen Maßnahme ermahnt“, erklärte der Pressesprecher.