Lutz Graf Schwerin von Krosigks

Geboren am 22. August 1887 in Rathmannsdorf.

Studium 1905 bis 1914 in Lausanne, Oxford, Halle.

Mitarbeit im Reichsfinanzministerium ab 1920,

Reichsfinanzminister ab 1932.

Verhaftung am 22. Mai 1945, Verurteilung in Nürnberg 1949 als Kriegsverbrecher zu zehn Jahren Haft. Begnadigung/Entlassung 1950/51.

Beratung und kritische Begleitung des bundesdeutschen Haushalts ab 1954.

Gestorben 4. März 1977 in Essen. (Aus Recherchen des Rathmannsdorfer Ortschronisten Günter Hartwig) (fr)

Rathmannsdorf l Ziemlich empört reagiert Rathmannsdorf auf die Äußerung des Giersleber Bürgermeisters zum Standort der Freien Grundschule, die in diesem Jahr auf dem Schlossgelände eröffnet wird. In seinem Ringen um den Erhalt der Giersleber Schule hatte Peter Rietsch (Freie Bürger Giersleben) den Standort für die neue Grundschule Rathmannsdorf als problematisch bezeichnet, weil im dortigen Schloss Hitlers Finanzminister geboren worden sei und gewohnt habe (Salzland-Kurier, 22. Februar). Lutz Graf Schwerin von Krosigk (1887 bis 1977) war 1949 in einem der Nürnberger Prozesse als Kriegsverbrecher verurteilt worden.

Der ehemalige Bürgermeister und Leiter des kleinen Heimatmuseums Rathmannsdorf Günter Hartwig schüttelt den Kopf: „Absoluter Quatsch! Erstens ist das Geschichte. Zweitens war Lutz Graf Schwerin von Krosigk bereits zu Hindenburgs Zeiten Finanzminister und hat nach dem Zweiten Weltkrieg sogar das Finanzministerium der Bundesrepublik noch viele Jahre beraten.“ Zudem habe er vor über 100 Jahren im Alter von 14 Jahren Rathmannsdorf verlassen, um die Klosterschule Roßleben zu besuchen, so Hartwig, der für die Dorfchronik auch dieses Kapitel tiefgründig recherchiert hat. Niemand könne außerdem behaupten, dass das Dorf jemals und in irgendeiner Form eine Wallfahrtstätte gewesen wäre.

Unter die Gürtellinie

„Die politische Einordnung der Person sei dahingestellt“, meint der seit einigen Wochen wieder für Rathmannsdorf zuständige Pfarrer Arne Tesdorff zur Geschichte dieses Sohnes der hiesigen Familie von Krosigk, „Aber ein Gebäude oder ein Gelände, wo jemand gewohnt hat, für die Bildung von Kindern auszuschließen, ist einfach abstrus. Wie viele Gebäude in Berlin dürften bei so einer Herangehensweise denn nicht mehr genutzt werden?“ Die Grundschule in Rathmannsdorf finde er im übrigen „eine spannende Geschichte“.

Ortsbürgermeister Klaus Magenheimer (Linke) betrachtet es so: „Das geht ,unter die Gürtellinie und ist an den Haaren herbeigezogen‘, solche Kriterien aufzuführen im Kampf um Grundschulstandorte. Rathmannsdorf ist nicht stolz auf die Karriere dieses einstigen Schlossbewohners. Und für den Ort hat diese Vergangenheit auch nie eine Rolle gespielt.“ Mit einem Grundschulstandort habe das jedenfalls überhaupt nichts zu tun.

Erschrocken über die Äußerungen des Giersleber Bürgermeisters war auch Steffen Berendt, Geschäftsbereichsleiter des Beruflichen Bildungs- und Rehabilitationszentrums (BBRZ) e.V. Der Verein engagiert sich für die Grundschule mit christlicher Ausrichtung.

Bei einer am Mittwoch, 18 Uhr, im Speisesaal des Schlosses stattfindenden Infoveranstaltung für Eltern will sich der Träger der Schule auch zur entfachten Diskussion äußern.

Christin Jöhnke, eine Mutter aus Rathmannsdorf, die sich schon auf die Einschulung im August in die Schule vor der Haustür freut, will zu dieser ganzen Geschichte nur eines sagen: „Für mich ist es die Hauptsache, dass mein Sohn eine gute Bildung erfährt und vor Ort wohl behütet untergebracht ist.“

Peter Rietsch war am Wochenende nicht zu erreichen, um seine Meinung zu den empörten Reaktionen zu hören.