Schwerpunkte bei Unfallarten im Salzlandkreis

Unfallarten

1. Wildunfall

2. Wenden

3. Abstand

4. Vorfahrt

... Geschwindigkeit

Stand 2018 (Januar bis Sept.)

825

671

389

288

101

Stand 2017 (Januar bis Sept.)

805

543

372

305

95

Staßfurt l Der Anstieg der Wildunfälle im Salzlandkreis ist nach Angaben von Wolfgang Rost zu großen Teilen menschengemacht. Der Vorsitzende der Jägerschaft Staßfurt mit 150 Mitgliedern sagt: „Es hält sich kein Mensch mehr beim Autofahren an die Warnschilder zum Wildwechsel." Er wurde selbst erst dieser Tage von einem Auto mit rund 170 km/h bei Nebel auf einer Strecke mit Wildwechsel überholt, wo 70 km/h vorgeschrieben waren.

„Aber selbst bei über 70 km/h haben weder Wild noch Autofahrer die Chance zu reagieren." Zwar fühlen sich Menschen in immer größeren Autos sicher, aber „auch die Begegnung mit einem verwundeten Tier nach einem Unfall kann für den Autofahrer gefährlich werden", gibt der Neundorfer Jäger zu Bedenken.

Die Jägerschaft Staßfurt sieht bei der wachsenden Anzahl an Wildunfällen den Menschen in der Schuld und in der Pflicht. Wichtig sei es, gerade in der Dämmerung langsamer zu fahren und bremsbereit zu sein. „Denn auch die Reflektoren funktionieren in der Dämmerung noch nicht", sagt Wolfgang Rost. Außerdem setzt bei Wildtieren der Fluchtinstinkt ein, wenn sie durch dritte Störfaktoren aufgeschreckt wurden. Auf abgeernteten Feldern finden sie dann keine Deckung mehr und rennen schlichtweg über die Straße.

Wildunfälle führen die Liste der Verkehrsunfälle im Salzlandkreis immer noch unangefochten an. So registrierte die Polizei 2017 in der Region insgesamt 5359 Unfälle. An 1099 Zusammenstößen war Wild beteiligt. Dabei kam es zu 18 Unfällen mit Personenschaden, darunter 15 Leichtverletzte und fünf Schwerverletzte. Bis zum September gab es im Salzlandkreis 825 Unfälle mit Tieren, im Vorjahreszeitraum waren es noch 805. Auch in diesem Jahr rechnet die Polizei wieder mit mehr als 1000 Wildunfällen. Die Polizei macht auch den stetig wachsenden Verkehr für die Zunahme der Wildunfälle verantwortlich.

Menschen ziehen Wild an

Die eigentliche Ursache liegt tiefer. „Dass die Anzahl von Rehen und Wildschweinen an den Ortsrändern wächst, ist ebenso menschengemacht. Mit falsch verstandener Tierliebe füttern Menschen herrenlose Katzen und locken dadurch auch Wildtiere in die Dörfer und Städte", sagt Wolfgang Rost. Leerstehende Gartenanlagen entwickeln sich zu Rückzugsgebieten für Schwarz- und Rehwild. Illegaler Müll mit Essensresten und anderem Unrat auf den Feldwegen locken die Tiere heran. „Dem Wild wird der Lebensraum immer mehr genommen, durch den Ausbau von Gewerbegebieten, aber auch durch Straßen. Die B6 ist zum Beispiel eine Grenze, die das Wild gar nicht übertreten kann."

Die Anzahl der Wildunfälle steigt konstant. Aber weder von Bund, Land oder Kreis kommen Hilfen. „Die Reflektoren, die unsere Mitglieder der Jägerschaft Staßfurt an den meist gefährdeten Straßen angebracht haben - zum Beispiel zwischen Neundorf und der B6, am Butterweckerweg oder zwischen Staßfurt und Lust, zahlen wir als Vereinigung aus der eigenen Tasche", erklärt Wolfgang Rost. „Also, wir tun etwas im Interesse der Tiere und der Bevölkerung. Aber wir fordern, dass die Menschen auch mitmachen und langsam fahren!" Akustische Signale oder Silberstreifen, die das Wild abschrecken sollen, werden laut Wolfgang Rost nichts nützen. „Die Tiere passen sich der Zivilisation schnell an." Sie lernen schnell, dass von diesen Dingen keine Gefahr ausgeht.

Bei Unfall Polizei rufen

Sollte auch bei angepasster Geschwindigkeit einmal ein Tier vor das Auto laufen, empfiehlt die Polizei generell, das Fahrzeug trotzdem weiter geradeaus zu steuern. Dabei entsteht nur Sachschaden. Personenschäden sind meistens die Folge von Ausweichmanövern. Nach einem Wildunfall sollte die Polizei verständigt werden, nicht zuletzt, um den Schaden für die Versicherung aufzunehmen. Die Einsatzleitung kontaktiert bei Bedarf den zuständigen Jäger, falls ein verletztes Tier getötet werden muss. Auf keinen Fall sollten verletzte Tiere selbst getötet werden, da sie sich mitunter wehren.