Egelner Mulde l „Wir finden keine Leute mehr“, sagt Hauptamtsleiterin Dagmar Witzke am Rand einer Veranstaltung. Zwei offene Stellen hat die Verwaltung der Verbandsgemeinde aktuell offen. Besonders gesucht sind von Bürgermeister Michael Stöhr ausgebildete Verwaltungsfachangestellte.

Der Verbandsgemeindebürgermeister weiß, dass er mit seiner Suche nicht allein ist. Vor gut zehn Jahren war der Markt mit Fachpersonal noch gut gefüllt. Nicht alle öffentlichen Verwaltungen bildeten damals aus, weil es genug ausgebildete Leute gab. Inzwischen hat sich die Situation dramatisch verändert. Wer nicht ausbildet, wird in der Zukunft kaum noch Fachpersonal haben, lautet jetzt die Devise.

Vor allem aber entwickelt sich ein Wettbewerb unter den Kommunen, den die kleinen Gemeinden nicht gewinnen können. „Wir haben erst zwei Mitarbeiter an Magdeburg verloren“, sagt Michael Stöhr. Die Kollegen kamen aus der Landeshauptstadt. Jetzt müssen sie weniger weit zur Arbeit pendeln und werden auch noch viel besser bezahlt.

Die Stadtverwaltung der Landeshauptstadt wirbt aktuell mit vielen freien Stellen. Interessant für die möglichen Bewerber ist aber, dass die Bezahlungen in der Regel ein oder mehr Stufen über der der kleinen Gemeinden liegt. Das kann sich am Monatsende im Geldbeutel richtig auswirken, weiß Michael Stöhr.

Bessere Bezahlung in Magdeburg

Die Landeshauptstadt könne mehr Gehalt anbieten, weil die Verantwortung der Leute dort in der Verwaltung ganz anders sei als in einer kleinen Verwaltungseinheit, wie in der Egelner Mulde. Die bessere Bezahlung in der Landeshauptstadt sei nicht willkürlich, sondern entspreche dem Tätigkeitsprofil. Nur auf der Strecke blieben die kleinen Städte und Gemeinden, in denen die Verwaltungsfachangestellten bei gleicher Tätigkeit nicht so reichlich entlohnt werden.

Auswirkungen hat die Entwicklung in Zukunft vor allem bei der Auswahl künftiger Auszubildender. Aus Magdeburg oder aus der unmittelbaren Nähe werde er in Zukunft keinen mehr einstellen, sagt Michael Stöhr. Die Gefahr sei einfach zu groß, dass die Leute schnell wieder weg seien, begründet er seine Entscheidung. Bei Auszubildenden wird es allerdings schwer werden zu erahnen, welchen Weg die jungen Leute nach der Ausbildung einschlagen werden.

Bei ausgebildeten Kollegen ist es dagegen einfacher. Hier wird der Bürgermeister in Zukunft mehr darauf schauen, woher die Bewerber kommen, kündigt er an. Eine Alternative seien hier auch sogenannte Seiteneinsteiger. Das handhabte er schon mit dem Sachbearbeiter für den Brandschutz im Ordnungsamt, nachdem der langjährige Mitarbeiter und ehrenamtliche Feuerwehrmann sich nach Brandenburg erfolgreich beworben hatte. Der neue Kollege war ebenfalls Mitglied der Feuerwehr. Um die notwendige Qualifikation zu erlangen, muss er sich neben der Arbeit noch auf die Schulbank setzen und eine berufsbegleitende Qualifikation durchlaufen, schildert er.

Das sei für den einzelnen Mitarbeiter nicht einfach, weil die Qualifikation sehr zeitintensiv sei, sagt der Bürgermeister. Auch müsste die Familie dazu bereit sein, auf gemeinsame Zeit zu verzichten, macht er deutlich. Trotzdem sei dies eine Alternative, um auch in Zukunft noch die offenen Positionen in der Verwaltung besetzen zu können. An das Gehaltsniveau der Landeshauptstadt werde die Verbandsgemeinde auch in Zukunft nicht herankommen, ist er überzeugt.

Auf der anderen Seite ist das Leben im ländlichen Raum allerdings auch weniger teuer als in der Großstadt. Trotzdem bleibt die Personalsuche in der Zukunft eine Herausforderung. Längst gilt nicht nur für Unternehmen, dass sie die Schüler schon in der Schule abholen müssen. Wenn die Sekundarschule an der Wasserburg die Unternehmen ins Haus bittet, ist auch die Verbandsgemeinde mit der Verwaltung dort vertreten. In den kommenden Jahren gehen weitere Mitarbeiter in den Ruhestand. Noch vor einigen Jahren musste die öffentliche Verwaltung kaum für sich werben. Auf jede Ausbildungsstelle kam eine Vielzahl von Bewerbern. Inzwischen ist der Markt leer gefegt. Die öffentliche Hand konkurriert inzwischen mit der Wirtschaft. Hier ergeben sich viele Möglichkeiten für die Schulabgänger. Während die Wirtschaft mit steigenden Einstiegsgehältern lockt, ist dies in der Verwaltung kaum möglich. Doch auch hier hat Magdeburg bereits für Staunen gesorgt, sagt Michael Stöhr. Die jungen Fachangestellten erhielten eine deutliche höhere Bezahlung als in der Egelner Mulde, wundert er sich. Offenbar muss auch die Landeshauptstadt zusehen, dass sie das ausgebildete Personal halten kann. Denn auch die Nachbarbundesländer werben in Sachsen-Anhalt um die jungen und gut ausgebildeten Leute.

Wohin die Entwicklung geht, sei momentan noch nicht abzusehen, heißt es aus dem Egelner Rathaus. Dennoch sei auch dort klar, dass sich die Verwaltung mehr um den Nachwuchs kümmern müsse. Das sei eine Herausforderung in den kommenden Jahren. Wahrscheinlich, meint der Verbandsgemeindebürgermeister, werde die Verwaltung dabei ebenso auf Quereinsteiger mehr setzen müssen, wenn die Stellen anders kaum noch zu besetzen seien.