Rathmannsdorf l Dass es sich bei den beiden Vorfällen um einen gezielten Angriff auf das BBRZ handelt, möchte Geschäftsführer Klaus-Dieter Graul ausschließen. Das BBRZ habe keine Feinde und er glaube auch nicht, dass die Vorfälle überhaupt Attacken von außen auf die Bildungseinrichtung sind - durchaus in Zeit von vergiftetem Joghurt in Supermärkten.

Was ist passiert? Nachdem die Feuerwehren wegen eines seltsamen Geruchs am Mittwochvormittag das Gelände auf schädliche Stoffe abgesucht, aber nichts gefunden hatte, kam es am Mittwochabend zu einem weiteren Vorfall.

Bauchschmerzen

Die Polizei des Salzlandkreises teilt mit, dass fünf Jugendliche aus dem BBRZ im Alter von 16 bis 20 Jahren ins Klinikum Aschersleben eingeliefert worden sind. Das BBRZ ist eine Einrichtung, in der Jugendliche mit Lernschwierigkeiten verschiedene Ausbildungen absolvieren können und gesondert betreut werden, teilweise sind sie vor Ort untergebracht.

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„Wir sind in dem Moment unserer Aufsichtspflicht nachgekommen. Die fünf Jugendliche hatten über Bauchschmerzen geklagt, daher sind wir mit ihnen ins Krankenhaus gefahren“, erklärt der Geschäftsführer Klaus-Dieter Graul.

Die Jugendlichen waren zum Zeitpunkt des Vorfalls offenbar beim Abendessen. Es wird meistens zusammen in einem Gemeinschaftsraum zu Abend gegessen. Die Polizei teilt mit, dass sich die Jugendlichen dort wie immer aus einem Gemeinschaftskühlschrank bedient hätten.

Klaus-Dieter Graul vermutet, dass den Jugendlichen an dem Abend wie so oft Tee zur Verfügung stand, der vor Ort zubereitet wurde. Um Getränke aus Tetra Paks oder Falschen habe es sich wohl nicht gehandelt. Klaus-Dieter Graul mutmaßt sogar, dass hier ein anderer Jugendlicher aus dem BBRZ den Auszubildenden einen üblen Streich gespielt habe. Vielleicht habe jemand irgendetwas in den Tee gekippt.

Untersuchung

Dennoch: Die Polizei kann solche Vorfälle nicht als „Bubenstücke“ abtun, sondern sie muss hier „gefährliche Körperverletzung“ in Betracht ziehen. Polizeisprecher Marco Kopitz teilt mit: „Die Ermittlungen seitens der Polizei wurden nach dem Hinweis aus dem Klinikum aufgenommen. Die Getränkereste wurden zur Analyse sichergestellt.“

Im Labor des Landeskriminalamts (LKA) werden die Getränkereste aus der Kanne nun untersucht. Dann kann ermittelt werden, ob es sich um unschädliche Stoffe handelte und ob alles ein Scherz oder ein ernsthafte Tat war, also versuchte Vergiftung, erklärt Polizeisprecher Marco Kopitz.

Die Polizei sagt auch, dass ein Zusammenhang zwischen beiden Fällen „nicht ausgeschlossen werden“ kann. Die Beamten wurden erst beim zweiten Vorfall mit dem Getränk aktiv, weil sie vom Krankenhaus benachrichtigt wurden. Der Vorfall mit den Gerüchen wurde zur Onlineanzeige gebracht, was mit großer Verzögerung bei den Ermittlern einläuft.

Ob die Stoffe, die die Jugendlichen zu sich genommen haben, gefährlich waren und wie weiterverfahren wird, muss die Polizei jetzt klären. Aktuell gibt es in beiden Fällen keinen Hinweis auf einen Verursacher.

Zwei der fünf Jugendlichen waren am Donnerstag schon wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden, die anderen drei sollten noch am Abend zurückkehren können. Klaus-Dieter Graul gibt an, dass es ihnen wieder gut gehe und dass das Krankenhaus keine Hinweise auf schädlichen Substanzen bei ihnen gefunden habe. Auch die Polizei teilt mit, dass „keine Lebensgefahr“ für die Jugendlichen bestand.

Gerüche

Nun gab es aber am selben Tag bereits am Vormittag einen Vorfall, der ebenfalls auf Flüssigkeiten hindeutete: Die Feuerwehren Staßfurt, Rathmannsdorf, Löderburg, Könnern und Schönebeck waren vor Ort, weil es seit einem Tag im alten Schloss seltsam roch. Sie sperrten alles ab und versuchten, die Ursache des Geruchs zu finden.

Die Schönebecker Feuerwehrmänner waren sogar mit dem CBRN-Erkunder (chemisch, biologisch, radiologisch und nuklear) im Einsatz. Mit diesem Spezialwagen können radioaktive und chemische Kontaminationen aufgespürt und gemessen werden. Auch Mitarbeiter vom Salzlandkreis, der zuständig ist für Brand- und Katastrophenschutz, sollen vor Ort gewesen sein.

Die Polizei erklärt, dass es übelriechende Flüssigkeiten waren, die an verschiedene Türen der Einrichtung geschmiert worden waren. Die Feuerwehren versuchten, die Stellen mit Wasser abzuwaschen. Offenbar konnten keine Proben der Flüssigkeit mehr genommen werden.

Klaus-Dieter Graul sagt, dass sich der Geruch inzwischen verflüchtigt habe. Bereits am Mittwoch sagte er, dass der Ausbildungsbetrieb im BBRZ normal weiterläuft. Auch die Polizei tendiert zur Bewertung, dass die Tat keinen ernsten Hintergrund hat und aus den Reihen der Schüler rührt.