Staßfurt l Rein rechnerisch hat der Wasser- und Abwasserzweckverband „Bode-Wipper“ (WAZV) das kommende Jahr in trockenen Tüchern. Der Wirtschaftsplan für 2017 ist fertig. WAZV-Chef Andreas Beyer stellt ihn am 13. Dezember den Vertretern aus den Mitgliedsorten bei der Sitzung der Verbandsversammlung vor.

Die Planungen gehen von Erträgen von rund 16,4 Millionen Euro aus. Dem stehen Aufwendungen von 15,9 Millionen Euro gegenüber. In der Bilanz kann der WAZV also einen Jahresüberschuss von rund einer halben Millionen Euro ausweisen. „Dieses Polster brauchen wir auch als Garantier, um die Gebühren stabil halten zu können“, sagt der Geschäftsführer. Obwohl perspektivisch der Trinkwasserverbrauch zurückgeht - damit auch die anfallenden Abwassermengen - plant der Verband mit gleich bleibenden Erträgen. Somit bleiben auch die Kosten für einen Großteil der Kunden gleich.

Gebühren

Die Gebühren ändern sich 2017 im Gebiet I nicht. Im Gebiet II, dem Bereich des ehemaligen Abwasserverbandes „Bodeniederung“ soll bei der Abwasserentsorgung die Grundgebühr um einen Euro von acht auf neun Euro pro

Monat stiegen. Dafür wird aber die Mengengebühr für Abwasser von 3,72 je Kubikmeter auf 33,30 Euro gesenkt. „Für einen Durchschnittsverbraucherhaushalt bringt das trotz der Grundgebührerhöhung Entlastung“, sagt der Verbandschef. Die Änderung muss aber die Verbandsversammlung noch beschließen.

Perspektivisch, so Andreas Beyer, müssten sich die Verbraucher aber auf Preissteigerungen einstellen. Wasser- und Abwasserentsorgung seien stark von fixen Kosten für Leitungen, für Pump- und Hebeanlagen sowie für die Kläranlage abhängig. Der Bevölkerungswandel macht sich bemerkbar: Immer weniger Menschen müssen für die vorgehaltene Infrastruktur bezahlen. Ein Fakt, mit dem auch Vorversorger kämpfen. Andreas Beyer berichtet, dass Wasserlieferanten Preissteigerungen ab 2018 angezeigt hätten, darauf müsse dann auch der WAZV reagieren.

Andreas Beyer ist aber auch überzeugt, dass Mehraufwendungen nicht nur zu Lasten der Kunden ausgeglichen werden können. Der Geschäftsführer sieht auch die Verbandsverwaltung in der Pflicht. Derzeit lässt er eine Strukturanalyse durchführen. „Wir wollen wirklich alles umkrempeln und künftig weniger Personal mit vielen Aufgaben betrauen.“ Zudem würden auch Gespräche mit den Mitgliedsgemeinden geführt, welche Aufgaben der WAZV noch übernehmen könnte, zum Bespiel im Trinkwasserbereich.

Verschiedener Aufwand und gute Zinslage

Gleichzeitig kommen aber 2017 noch einmal zusätzliche Aufwendungen für Bode-Wipper dazu. Andreas Beyer nennt Tariferhöhungen für das Personal sowie die Finanzierung von Gutachten für den Brandschutz im Verwaltungssitz Am Schütz, für PC-Ertüchtigung um Datenschutzvorgaben entsprechen uns können und schließlich für Planungsvorleistungen bei Fördermittelanträgen.

Der Verband profitiert daneben aber von der derzeit günstigen Kreditfinanzierungslage. Er rechnet deshalb im kommenden Jahr mit 174 000 Euro weniger Zinsaufkommen.

Investitionen für 2017

Der Wasser- und Abwasserzweckverband „Bode-Wipper" (WAZV) investiert 2017 rund 4,8 Millionen Euro. Das geht aus dem Wirtschaftsplan hervor. „Das Geld wird in allen Bereichen, Abwasser wie Trinkwasser, und in beiden Abrechnungsgebieten eingesetzt", sagt Verbandsgeschäftsführer Andreas Beyer. Die Summe sei in diesem Jahr etwas höher als sonst. Das hänge mit der Finanzierung der laufenden Umbauarbeiten an der Staßfurter Kläranlage zusammen. „Sie wird energetisch saniert und in ihren Abläufen konzentriert", so der Verbandschef. „Wir möchten die erste Kläranlage in der Region sein, bei der gewissermaßen das Stromkabel gekappt wird."

Geplant ist, dass der benötigte Strom, immerhin rund 1,1 Millionen Kilowattstunden im Jahr, für die Anlage vor Ort produziert wird. Dafür soll es unterschiedliche Quellen geben. Zum Beispiel drei Windräder, aber auch eine Photovoltaikanlage. Zudem wird eine Wasserturbine an den Ablauf der Anlage gebaut, in dem das gereinigte Wasser in die Bode fließt, 3000 Kubikmeter pro Tag sollen für rund 50 000 Kilowattstunden Strom sorgen. Schließlich wird Energie aus dem Klärschlamm selbst gewonnen in einer Drei-Phasen-Hochlastfaulung. „Wir machen uns ein Stück weit unabhängiger von den steigenden Energiekosten." 2010 hat der WAZV von 14 Cent für die Kilowattstunde bezahlt, aktuell sind es 18 Cent.

Daneben will der Verband Maschinen wie Rührwerke und Pumpen der  20 Jahre alten Anlage austauschen. Eine Klärstraße wird komplett stillgelegt und als Mengenausgleichsmöglichkeit genutzt, wenn in Stoßzeiten oder bei Starkregenereignissen viel Abwasser anfällt. „Damit wollen wir erreichen, den Betrieb der Kläranlage zu vergleichmäßigen", sagt Andreas Beyer.