Egeln l Die Egelner Wasserburg oder genauer die dortige Burgkapelle, die vor 810 Jahren erstmals erwähnt wurden, stehen im Mittelpunkt zahlreicher Führungen von Museumsleiter Uwe Lachmuth. Dabei erfahren die Besucher viel aus der wechselvollen Geschichte dieser Anlage.

Wegen ihrer bedeutenden Lage wurde sie 1250 von den Edlen von Hadmersleben erobert, die dann fast 200 über die Geschicke der Stadt Egeln mitbestimmten. Nach dem Aussterben der Edlen von Hadmersleben kam Egeln an die Grafen von Barby-Mühlingen, die bereits 1375 eine Erbverbrüderung mit den Edlen von Hadmersleben beschlossen hatten und sich gegenseitig als Erben einsetzten. Aber eine Verpflichtung darin war auch der Witwe des Kurt von Hadmersleben zu Egeln und deren Tochter Sophie eine jährliche Rente bzw. Mitgift zu zahlen. Da jedoch Burchard IV von Mühlingen zu Barby gerade nicht gut bei Kasse war, verpfändete er Stadt und Burg Egeln an seinen Onkel den Magdeburger Erzbischof Günther II von Schwarzburg. Dieser gab sein Pfand trotz vieler Proteste der Grafen von Barby aber dann nicht mehr heraus.

Geschichte erlebbar

Zudem half dem Erzbischof auch noch ein Zufall bei der Finanzierung eines Neubaus auf der Burg. Papst Eugen IV. schrieb einen Sonderablass zur Finanzierung eines Konzils aus, bei dem versucht werden sollte, die römisch-katholische Kirche mit der abgespaltenen griechisch-orthodoxen Kirche wieder zu vereinigen. Im Bistum Magdeburg wurde eifrig gesammelt, doch die griechische Kirche sagte das Konzil vorzeitig ab.

Da der Papst das Geld nicht einforderte, behielt es der Erzbischof und ließ sich auf der Egelner Burg ein stattliches Haus, den neuen Palas errichten. Unter den Domherren, von denen immer einer als Amtshauptmann auf der Burg weilte, zog auch wieder Ruhe in Egeln ein. Handwerk und Handel erblühten, was auch durch neue Rechte, die die Domherren den Bürgern zustanden, gefördert wurde. Der Egelner Bürgereid lautete seit dieser Zeit: „Ich schwöre zu Gott dem Allmächtigen, das ich meinem gnädigen Herrn eines Hochwürdigen Domkapitels der Erzbischöflichen Kirche zu Magdeburg, dem Gericht und Rate allhier in Egeln will getreu, hold, gehorsam und gegenwärtig sein. Ihrem Schaden und Nachteil will ich nach meinem höchsten Verstande und Vermögen wehren, verhüten und vorkommen und dagegen derselben Nutzen und Frommen schaffen und befördern helfen und will alles dasjenige, was einem getreuen Untertan eignet und gebühret, stets und fest halten, als mir Gott helfe und sein heiliges Wort.“

Wer mehr darüber erfahren möchte, sollte sich am Sonntag, 5. November, 14 Uhr, im Torhaus der Wasserburg Egeln einfinden, wenn der Museumsleiter die letzte diesjährige Sonntagsführung anbietet. Ebenso ist an diesem Tag auch der Maler und Grafiker Klaus Gumpert vor Ort. Er lädt von 1 bis 16 Uhr zur Besichtigung seines Burgateliers ein.

In den Räumlichkeiten, die einst die Magdeburger Domherren bewohnten, befindet sich heute ein historisches Café, das man über eine geschwungene Treppe erreicht, über die damals bereits Königin Luise, General Bernadotte oder Feldmarschall Blücher schritten. Bilder und Einrichtung erinnern heute noch an die einstige Bedeutung dieser Burganlage.