Staßfurt l Für den seit über zehn Jahren brach liegenden Luisenplatz eröffnet sich eine neue Perspektive. Die Lebenshilfe „Bördeland“ hat die leerstehenden Gebäude mit Parkplatz und einem weiteren Grundstück, insgesamt über 6000 Quadratmeter Fläche, gekauft. „Alles ist beim Notar durch. Jetzt fehlen nur noch einige behördliche Genehmigungen“, sagt Stefan Labudde im Volksstimme-Gespräch. Der Lebenshilfe-Geschäftsführer erklärt, dass es sich dabei aber um eine Formsache handele. „Zu 99,9 Prozent wollen wir den Luisenplatz beleben.“ Bei einer Versammlung sind die Vereinsmitglieder jetzt offiziell über das Vorhaben informiert worden.

Die Lebenshilfe „Bördeland“ will eine Außenstelle ihrer Hauptwerkstatt, gelegen an Strandbadstraße, in der Stadtmitte neu eröffnen. Der Luisenplatz soll Standort für Montagearbeiten werden. „Das ist hauptsächlich Konfektionierung“, erklärt Stefan Labudde. „Die Werkstattmitarbeiter stellen im Auftrag verschiedener Firmen Teile zusammen und verpacken sie verkaufsfertig.“ Als ein Beispiel für einen größeren Auftrag, an dem die Werkstätten bereits arbeiten, nennt der Geschäftsführer Grillschalen.

Platzprobelm

Dass die Lebenshilfe einen neuen Standort für die Montagearbeiten sucht, hängt mit dem den Platzbedingungen in der Hauptwerkstatt zusammen. „Die Häuser an der Strandbadstraße platzen aus allen Nähten. Die Erweiterungsmöglichkeiten dort sind beschränkt.“ Die Werkstätten - dazu gehören unter anderem auch der Tierpark, das Café am Athenslebener Weg, die Servicestelle gegenüber vom Bahnhof oder Stellen in Egeln und Hecklingen - sind Teil des Rehabilitationsangebotes für Menschen mit geistigen-, seelischen- oder Sinnes-Behinderungen. „Ihnen bieten wir hier berufliche Bildung, Teilhabe am Arbeitsleben und damit einen gleichberechtigten Platz in unserer Gesellschaft.“ Die individuell gestaltete Arbeit in den Werkstätten nehme Rücksicht auf die Fähigkeiten und Neigungen der Mitarbeiter und vermittele dadurch Bestätigung und Selbstwertgefühl, weil Beschäftigung auf dem Ersten Arbeitsmarkt nicht möglich sei. Insgesamt sind 361 Werkstättenmitarbeiter tätig. Bis maximal 40 sollen am neuen Standort arbeiten.

Lange, so Stefan Labudde, habe die Lebenshilfe nach einem geeigneten Objekt gesucht. Der Luisenplatz sei die beste aller betrachteten Möglichkeiten. Die Räume sind barrierefrei, sie liegen zentral in der Stadt und sind für die Werkstattmitarbeiter, meist nicht mobil , gut zu erreichen, eine Bushaltestelle ist vor Ort. Die dezentrale Organisation der Werkstätten insgesamt sei eine große Herausforderung. Allerdings ermögliche die kleinteilige Struktur, so der Lebenshilfe-Chef, dass Beschäftigte wohnortnah arbeiten. Schließlich trage alles auch einen Inklusionsgedanken. Menschen mit Handicaps leben und wirken mitten in der Stadt, die Stadtgesellschaft erlebt sich vielfältig. „Aus diesem Grund wollten wir auch nicht in ein Gewerbegebiet ziehen.“

Umbau

Bis zum Jahresende will die Lebenshilfe „Bördeland“ den Werkstattbereich am Luisenplatz eingerichtet haben. Kauf und nötiger Umbau (Sanitär- und Sozialräume, Werkstattbereich) kosten geplant knapp unter einer Million Euro, so Stefan Labudde. Aktuell, so berichtet der Geschäftsführer, liefen Gespräche für weitere mögliche Ansiedlungen in der Nachbarschaft zur Werkstatt. Bis Anfang Juni sollen hier Ergebnisse erzielt werden, damit die Feinplanungen beginnen.