Staßfurt/Bernburg l Seit der Schließung des Wertstoffhofs an der ehemaligen Deponie zwischen Staßfurt und Hohen-erxleben durch den Kreiswirtschaftsbetrieb hagelt es Kritik. Die Lesermeinungen sind mitunter sehr deftig. Wo die Mitarbeiter jetzt eingesetzt sind, ist eine immer wieder gestellte Frage.

„Viele Bürger klagen, aber nichts ändert sich. Es sind Lösungen gesucht!“, verweist zuletzt Christine Daumann darauf. Die Hohenerxleberin ist ebenso empört, nachdem sie nun einen Ausflug zum Wertstoffhof Bernburg unternehmen musste, während nur drei Kilometer von ihrem Wohnort die Anlage geschlossen wurde.

„Da fährt man nun wegen eines defekten Toasters bis nach Bernburg“, überspitzt es die Seniorin. Fast aus den Latschen gekippt sei sie, als fünf Euro für die Entsorgung eines Stücks Plastik-Schlauch verlangt wurden.

Dass es nicht mal mehr Grüngut-Container in den Orten gibt und zu guter Letzt nun auch noch die Osterfeuer ausfallen müssen, mache die ganze Sache nicht einfacher, meint Christine Daumann und schließt mit der Frage: „Was wird eigentlich aus dem neuen Wertstoffhof für Staßfurt, der ja ursprünglich am 1. Januar 2020 in Betrieb gehen sollte?“

Der Landkreis reagiert auf die vielen Fragen. Sprecherin Marianne Bothe ringt dabei um Verständnis, und es schwingt auch die Bitte um Verhältnismäßigkeit mit: „Die wirklich außergewöhnliche Krisenzeit verlangt Außergewöhnliches von uns allen. Wie gut, dass neben der medizinischen Hilfe auch die Grundversorgung mit Nahrungsgütern, Energie oder Wasser – und auch die Entsorgung – noch ohne echte Probleme sichergestellt sind.“

Manch Ärgernis könnte schon vermieden werden mit einem Blick in die Satzung, wie der Service des Kreiswirtschaftsbetriebs (KWB) geregelt sei. „Wegen eines ausgedienten Toasters von Hohenerxleben nach Bernburg zu fahren, muss jedenfalls nicht sein. Der KWB würde ihn kostenfrei vor der Haustür abholen.“ Und was das Stückchen Schlauch betrifft, lasse sich vermuten, dass es sich um ein etwas größeres Stückchen gehandelt habe. „Wir empfehlen, solche Dinge zwischen den Beteiligten direkt zu klären.“

Zum geplanten neuen Wertstoffhof Staßfurt teilt Marianne Bothe mit: „Aufgrund der Vielzahl abfallrechtlicher Fragen steht die Entscheidung, den neuen Standort über das umfangreiche Verfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz zu beantragen. Eine einfache, schneller zu realisierende Baugenehmigung wäre nicht ausreichend. Die Verantwortlichen erstellen derzeit die Antragsunterlagen.“

Den temporären Wertstoffhof 2020 zu eröffnen, werde schwierig, schätzt auch KWB-Geschäftsführer Ralf Felgenträger ein. „Der aktuelle Staßfurter Wertstoffhof wurde auf Grund der Pandemie geschlossen“, erinnert Felgenträger, „Und die Mitarbeiter sind in Aschersleben und Schönebeck eingesetzt. Wenn die Gefahr vorbei ist, wird der Wertstoffhof auch in Staßfurt wieder geöffnet“, so der KWB-Chef.

„Dass die Grüngut-Annahmestellen geschlossen sind, ergibt sich ebenfalls aus der Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus“, ergänzt die Sprecherin vom Salzlandkreis. Grüngutannahmestellen würde niemand ernsthaft als lebensnotwendig einschätzen. Grüngut könne auf dem eigenen Grundstück zeitweilig gelagert oder kompostiert werden.

Marianne Bothe unterstreicht nochmal, wie wichtig die Sicherstellung der täglichen Abfallentsorgung ist: „Dazu gehören die Touren für die schwarzen, braunen und blauen Tonnen sowie die Betriebsbereitschaft der drei großen Wertstoffhöfe in Aschersleben, Bernburg und Schönebeck. Bisher gelingt diese Aufgabe, was im landesweiten Vergleich nicht selbstverständlich ist.“

Andernorts würden ganz andere Probleme auftreten, wo komplett alle Wertstoffhöfe geschlossen wurden.

„Im Salzlandkreis sind die Wertstoffhöfe – anders als in anderen Landesteilen – weiterhin geöffnet, wenn auch die Wege zu Standorten mitunter etwas weiter ausfallen. Dennoch können wir die Annahme von Wertstoffen weiterhin gewährleisten.“

Landrat Markus Bauer erklärt dazu, dass das nur möglich sei, weil bereits vor Wochen verschiedene Szenarien hierzu durchgegangen wurden. „Das möchten die Bürger bei ihrer Kritik stets bedenken.“ Und er appelliert, die Gesamtsituation und die Prioritäten im gesellschaftlichen Miteinander im Blick zu behalten. Bauer wird nicht müde, immer wieder den Solidaritätsgedanken zu bemühen, bittet um Vernunft, Rücksichtnahme und gegenseitige Unterstützung.

Verbrenn-Verbot vorübergehend aufheben?

Auch in der Verbandsgemeinde Egelner Mulde stößt die Schließung der Wertstoffhöfe, aber insbesondere des Standortes Wolmirsleben, auf Kritik. Dadurch müssen die Kleingärtner, die ihr Grüngut entsorgen lassen wollen, extrem lange Wege bis nach Aschersleben, Bernburg oder Schönebeck zurücklegen. Das ist für viele aus ökonomischer Sicht unverhältnismäßig. Hinzu kommt, dass in den Mitgliedsgemeinden vorläufig auch keine Grüngut-annahme erfolgen darf.

Der Verbandsgemeinde-Bürgermeisterr Michael Stöhr (UWGE) befürchtet, dass einige Unvernünftige die langen Wege nicht in Kauf nehmen werden und ihre Gartenabfälle stattdessen in die Feldflur abladen. „Die Leute dürfen wegen des Kontaktverbotes ja nicht raus. Deshalb habe ich den Antrag an den Krisenstab des Salzlandkreises gestellt, ob es nicht möglich ist, für eine begrenzte Zeit eine Ausnahmegenehmigung für das Verbot der Gartenabfallverbrennung in dieser Ausnahmesituation zu bekommen“, sagte Stöhr.

Rückendeckung erhält er vom Regionalverband der Kleingärtner Staßfurt. „Obwohl ich persönlich aus Umweltgründen gegen das Verbrennen bin, würde ich eine Ausnahmegenehmigung für die Kleingärtner begrüßen“, sagte der Vorsitzende Ingo Knabe und fügte hinzu: „Es wird zurzeit so viel CO2 eingespart. Da würde das bisschen der Kleingärtner gar nicht ins Gewicht fallen.“

Die Landkreisverwaltung hat Stöhrs Ansinnen gestern negativ beantwortet. „Um es deutlich zu sagen: Grüngut abzugeben, gehört aus unserer Sicht nicht zu den aktuell notwendigen Dingen. Vielmehr hat aus Sicht des Kreiswirtschaftsbetriebs Priorität, die Entsorgung von Restabfall, Bioabfall inklusive der zusätzlichen Grüngutabfuhr in haushaltsüblichen Mengen und Papier zu gewährleisten. Darüber hinaus ist erstes Gebot, die Gesundheit der Bürger zu schützen. Daran orientieren sich alle Entscheidungen“, sagte Landkreis-Sprecher Marko Jeschor der Volksstimme.

Ausgehend von den Erfahrungen zur illegalen Müllablagerung in den vergangenen Jahren könne man die Sorge von Michael Stöhr durchaus nachvollziehen. „Allerdings appellieren wir an alle Bürger, eben nicht aus Bequemlichkeit unsere und damit auch die eigene Heimat zu verschandeln. Wir bitten deshalb die Bürger, wachsam zu sein und Verstöße zu melden“, so Jeschor.

Er verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die Beseitigung von illegal in der Feldflur verkippten Unrates wiederum Kosten verursache, die am Ende die Allgemeinheit über ihre Müllgebühren zu tragen habe.