Rathmannsdorf l Das Geschenk von unschätzbarem Wert hat den 18 Einschülern und dem kleinen Dorf, das schon seit etwa 40 Jahren keine Schule mehr hatte, in erster Linie ein Verein gemacht. Das Berufliche Bildungs- und Rehabilitationszentrum e.V. (BBRZ) sah Bedarf und sich berufen, die neue Bildungsstätte aufzubauen und die Trägerschaft für diese sogenannte Bekenntnisschule zu übernehmen. Mit im Boot ist die evangelische Kirche.

Das Schloss Rathmannsdorf, auf dessen herrlichem Gelände sich die Schule befindet, und die wenige Meter entfernte St.-Pauli-Kirche bilden geschichtlich und räumlich eine Einheit. Und so ist der Weg am Sonnabend für die Abc-Schützen zum Einschulungs-Gottesdienst auch nur ganz kurz.

In der einstigen Patronatskirche lädt Pfarrer Arne Tesdorff Klein und Groß zum Mitmachen ein. Das entsprechende Echo findet Kantorin Birgit Wassermann mit ihren Liedern sofort.

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Tesdorff und der künftige Religionslehrer Tobias Gruber segnen die 18 Mädchen und Jungen, bitten Gott, sie auf allen Wegen zu behüten. Schließlich erklärt Arne Tesdorff den Lernenden am Beispiel des Bauern, dass beim Wachsen auf dessen Feldern nicht immer alles nach Plan geht. Geduld, Vertrauen und Liebe gehörten ebenfalls dazu. Und nicht zuletzt liege das gute Gedeihen in der Hand Gottes, so der Pfarrer.

Mit „Pauken und Trompeten“ vom Spielmannszug Blau-Weiß Hettstedt geht‘s schließlich zur Schule, wo die heiß ersehnten Zuckertüten warten.

Doch ersteinmal beschert Schulleiterin Ute Ellert den Eltern eine kleine Mutprobe, nachdem sich die Chefin vor der riesigen Einschulungs-Gesellschaft noch wünscht, „dass alle Kinder, die durch diese Schule gehen, als richtig gute Menschen rauskommen“. Das Lehrerteam, zu dem auch Grit Compera und Birgit Niehoff gehören, entführt die ersten Abc-Schützen der neuen Schule nun zur ersten kurzen Unterrichtsstunde. Hier üben sich die ehemaligen Kita-Kinder in Geduld und anderen Verhaltensregeln, die Grundlage für ein erfolgreiches Miteinander-Lernen in sieben Fächern sind.

Und in der ersten „Stunde“ erfahren die Lehrer, was die Jüngsten von der nächsten Zeit erwarten und was sie sich für die Schule wünschen. Arthur will natürlich Rechnen und Schreiben lernen. Nina: „Dass wir uns alle verstehen.“ Paul möchte: „Dass die Schule immer so schön bleibt wie sie ist.“ Und Jannik ist es wichtig, „dass wir gute Freunde werden“.

Ute Ellert, die übrigens zuletzt elf Jahre als Leiterin einer staatlichen Schule im Salzlandkreis tätig war, kündigt für den Montag noch schnell an, dass sich die 18 Jungen und Mädchen, von denen sechs aus Rathmannsdorf stammen, ihre Sitzordnung selbst aussuchen können und dass diese dann auch bestehen bleibt – wenn‘s funktioniert!

Das hoffen natürlich auch die Eltern, die ihre Kinder aus unterschiedlichsten Gründen sogar von Staßfurt in die neue Grundschule nach Rathmannsdorf schicken.

René Spalteholz aus Hohen-erxleben rechnet vor allem mit der Verlässlichkeit der Lehrer, einem persönlichen Vertrauensverhältnis und intensiver Betreuung für Sohn Anton. Uwe Werner aus Staßfurt war von Anfang an begeistert, als er von der Alternative im Nachbardorf hörte. Für Tochter Nina findet er es unter anderem wichtig, dass sich Schule und Hort an einem Ort befinden.

Schulleiterin Ute Ellert hat derweil schon die nächsten Abc-Schützen im Blick. Für das Schuljahr 2020/21 haben sich die ersten Eltern bereits Plätze für ihre Kinder reserviert.

Wer sich die neue Schule anschauen will, hat spätestens beim Weihnachtsmarkt des BBRZ am 28. November die Möglichkeit dazu. Dann öffnet auch die Bildungsstätte ihre Pforten.

Der Unterricht an der evangelischen Grundschule Rathmannsdorf läuft im Rahmen des staatlichen Lehrplans, Sport momentan in der Turnhalle Neundorf. Die Essenversorgung erfolgt frisch über die Küche des BBRZ vor Ort. Ein Fahrdienst wird Schülern von außerhalb angeboten. Der Träger erhebt ein Schulgeld von 150 Euro (monatlich). In Gründung befindet sich ein Förderverein.