Rathmannsdorf/Staßfurt l Spektakulär, aber weniger gefährlich war der Besuch eines Luchses vor einigen Wochen, als die große Wildkatze auf dem Rathmannsdorfer Sportplatzgelände ein Reh verspeiste (Salzland-Kurier berichtete). Was jetzt auf der gepflegten Anlage passiert, treibt den Sportfreunden dagegen richtig Sorgenfalten auf die Stirn.

Unmittelbar am Spielfeldrand waren Wildschweine auf Nahrungssuche und haben die Grasnarbe auf mehreren Quadratmetern komplett auf den Kopf gestellt.

Der SV Rathmannsdorf sieht schlicht seinen „heiligen Rasen“ bedroht. Das gepflegte Grün an der Seitenlinie wurde in den vergangenen Wochen mehrmals heimgesucht von den Schwarzkitteln, die vermutlich im angrenzenden Köksbusch zu Hause sind.

Keine Jagd möglich

Mit Unterstützung einheimischer Jagdfreunde wurde nach der ersten Wühlattacke versucht, die wilde Rotte mit entsprechend getränkten Materialien zu vergrämen. Offensichtlich ohne Erfolg. Die Schwarzkittel kamen wieder.

An eine Jagd auf die tierischen Vandalen ist derweil nicht zu denken.

Kreisjägermeister Jens Hennicke beschreibt, warum: „Es handelt sich hier nach dem Jagdgesetz um einen befriedeten Bezirk. Dort darf grundsätzlich keine Jagd ausgeübt werden.“

Im Rahmen des Notstandsrechts des Eigentümers könnte die Jagd allerdings befristet durch die Untere Jagdbehörde und die Waffenbehörde genehmigt werden, nennt Hennicke den Ausnahmefall, wenn Vergrämungsversuche nicht gefruchtet haben.

„Sollte eine Genehmigung erteilt worden sein, ist zwingend auf die Sicherheit bei der Jagdausübung zu achten“, unterstreicht der Kreisjägermeister. „Der Antrag für eine solche Jagd muss durch den Eigentümer des betroffenen Grundstücks gestellt werden.“

Braucht es eine Einfriedung?

Das wäre im Fall der Rathmannsdorfer Sportstätte die Stadt Staßfurt.

Und für Oberbürgermeister Sven Wagner eine Premiere im Bereich der Stadt Staßfurt. „Sollten die Vergrämungsversuche weiterhin nicht zum Erfolg führen, müsste die Möglichkeit einer kompletten Einfriedung des Geländes geprüft werden“, so Wagner.

Momentan ist der hintere Bereich der Sportanlage in Richtung Natur und ehemaliger „Kanonenbahn“ quasi offen.

Den Sportfreunden ist derweil schon sehr daran gelegen, dass ihr Fußballrasen nicht doch irgendwann in Mitleidenschaft gezogen wird. Erst vor elf Jahren wurde der Platz grundhaft saniert. Auch mit Hilfe von Eigenmitteln.

Vier Wildschweine sorgten bereits im Dezember 2012 für Aufregung mitten in Hecklingen. Drei der Tiere, eine Bache und zwei Überläufer, waren damals in den Biergarten des Kulturzentrums Stadt Hecklingen eingedrungen.

Daraufhin hatte der Wirt das massive Stahlgittertor vom Hof des Lokals zugesperrt. Vertreter von Ordnungsamt, Polizei und Jägern waren bereits vor Ort, kamen aber nicht mehr dazu, einzugreifen. Die Bache sprengte das Hindernis im zweiten Anlauf. Die Tiere verließen fluchtartig und unauffindbar die Stadt und kehrten zurück in die Natur.