Brumby l Wer an der A14 Richtung Magdeburg oder auf der anderen Seite Richtung Halle düst, sieht sie ja von weiten, die beiden Schilder, die zum Tanken am Autohof in Brumby und zum Essen im Fast-Food-Restaurant einladen. Daneben ist noch viel Platz im Gewerbegebiet in Brumby. 45 000 m² sind am Autohof frei. Dazu gibt es drei Flächen weiter östlich am Ort, die 26 000, 6600 und 7500 m² groß sind. Der Wunsch der Stadt Staßfurt? Das Gewerbegebiet beleben. Das würde die Wirtschaftskraft steigern.

Damit das gelingt, wurde ein Projekt mit dem sperrigen Titel „Integrierte Raum- und Energieplanung – Pilotprojekt Brumby“ ins Leben gerufen. Dieses fußt auf einem visualisierten 3D-Projekt des Fraunhofer-Instituts in Magdeburg aus 2018. Was in Brumby passiert: Eine intelligente Software wird entwickelt, mit der die Planung des Gewerbegebiets vorangetrieben werden kann. Schon angesiedelte Branchen werden abgeklopft, die Erschließung des Internets analysiert, energetische Bedingungen betrachtet. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Staßfurt kann danach gezielt Firmen ansprechen. Die Suche wird erleichtert.

Nachdem 2019 die Idee entwickelt wurde und der Stadtrat im Mai einstimmig zugestimmt hatte, nimmt das Projekt nun Formen an. 100 000 Euro betragen die Entwicklungskosten der Software. Staßfurt hatte Fördermittel in Höhe von 80 000 Euro beantragt. „Den Zuschlag dafür haben wir im September 2019 bekommen“, sagt Christian Schüler von der Staßfurter Wirtschaftsförderung. „Aktuell sind wir dabei, den Standort so aufzunehmen, dass wir alle Unternehmen einbinden können.“

Einsatz der Software ab September 2020

Ein Branchenmix ist durchaus gewünscht. Schon jetzt gibt es ein halbes Dutzend größerer Firmen im Gewerbegebiet. Autoteile, Digitalfunkgeräte, Betonfertigteile oder Motoren für Rollläden werden dort hergestellt. „Es geht nicht nur um Quantität, sondern um innovative und gut bezahlte Jobs“, erklärt Schüler. „Wir denken zukunftsgerichtet.“

Derzeit ist eine Magdeburger Firma damit beauftragt, die Software zu entwickeln. Der Vertrag mit der Stadt Staßfurt wurde Ende 2019 unterschrieben. Ende August 2020 soll die Software vorliegen. Ab September könnte sie zum Einsatz kommen.

Mit im Boot bei der Umsetzung ist auch das Fraunhofer-Institut in Magdeburg. „Wir sind der Technologie-Dienstleister für diese neuartigen Planungsmethoden“, erklärt Andreas Höpfner, Leiter Raum- und Strukturentwicklung beim Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung. „Es werden bestimmte Ansiedlungen simuliert. Eine ganzheitliche Planung von Standorten ist mit der Software möglich.“ Das Pilotprojekt Brumby sei dabei deutschlandweit einmalig. So kann mit Hilfe der Software der Energieverbrauch ermittelt werden. Anzahl von Arbeitsplätzen und Steuern können vorhergesagt werden. „Das macht es leicht, Ansiedlungen voranzutreiben“, sagt Höpfner. Das Brumbyer Pilotprojekt soll dann auch Vorbild sein für die Umsetzung von ähnlichen Projekten in den Gewerbegebieten Nord-Ost, Nord, Berlepsch oder Am Silberfeld.

Ende März wird es in Brumby einen ersten Infotermin zum Arbeitsstand geben. Am 28. Mai wird Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) mit Julia Arlinghaus, Leiterin des Magdeburger Fraunhofer-Instituts, in Brumby vorbeischauen.