Staßfurt l In den vergangenen Wochen stiegen die Corona-Zahlen im Salzlandkreis wieder deutlich an. Eigentlich täglich hat das Gesundheitsamt im Salzland neue Fälle gemeldet. Die Verwaltungen sind in Alarmbereitschaft. Der immer wiederkehrende Appell ist eindeutig: Abstand halten, Mund-Nasen-Schutz benutzen, Hygieneregeln beachten.

Gerade für die Wirtschaft ist es ja wichtig, dass es nicht zu einem zweiten Lockdown wie im Frühjahr kommt. Viele Unternehmen haben mit den Auswirkungen des Coronavirus zu kämpfen und kommen nur schwer wieder auf die Beine. Wie sind die wirtschaftlichen Zahlen im Corona-Jahr? Die Wirtschaftsförderung hat dazu kürzlich im Bauausschuss über die Situation in der Bodestadt, im Salzlandkreis und in Sachsen-Anhalt informiert.

Nur 11 Prozent Kurzarbeitergeld

30 Prozent der Unternehmen in Sachsen-Anhalt haben demnach Kurzarbeitergeld beantragt, aber nur 11 Prozent es auch tatsächlich genutzt. „Viele Unternehmen beantragen das Kurzarbeitergeld vorbeugend“, sagt Christian Schüler von der Staßfurter Wirtschaftsförderung. 1,6 Prozent mehr Arbeitslose wurden vermeldet. Für Unternehmen wurde die Insolvenzantragspflicht daher bis Ende des Jahres ausgesetzt.

Besonders hart trifft es die Tourismusbranche. Im April seien die Übernachtungen um 84 Prozent zurückgegangen. Es wurden 56 000 Anträge auf Soforthilfe bei der Investitionsbank eingereicht. 280 Millionen Euro wurden ausgezahlt. Diese Überbrückungshilfe wurde bis Jahresende verlängert.

Der Vorteil in der Krise: Viele Unternehmen verstärken die Digitalisierung. 75 Prozent aller Unternehmen haben 2020 in IT und IT-Dienstleistungen investiert. Digitale Geschäftsmodelle werden ausgebaut.

Anzahl der Arbeitslosen

Im Salzlandkreis sieht der Arbeitsmarkt so aus: Es gab im August 2019 7817 Arbeitslose. Das macht eine Quote von 8,3 Prozent. Diese ist im Juli 2020 auf 8,5 Prozent (7942) und im August 2020 auf 8,6 Prozent (8036) gestiegen. Für den September heißt es von der Agentur für Arbeit: „Vorsichtiger Optimismus, Arbeitslosigkeit sank erstmals seit Corona.“ 7524 Arbeitslose sind gemeldet. Das sind 8,1 Prozent.

Seit Beginn der Corona-Pandemie wurde im Salzlandkreis bis Ende September für etwa 19 000 Arbeitnehmer Kurzarbeit beantragt. Etwa 1900 Betriebe sind betroffen.

Im Altkreis Staßfurt sind die Arbeitslosen-Zahlen ähnlich. Von Juli auf August 2020 stieg die Arbeitslosenzahl um 17 Personen auf 1899. Das ist eine Quote von 8,9 Prozent. Vor einem Jahr lag diese bei 8,8 Prozent. Im September lag die Quote bei 8,5 Prozent. 1814 Menschen waren ohne Arbeit.

"Unternehmen geht es gut"

Alles soweit in Ordnung also trotz Corona? Ist die Stadt Staßfurt gut aufgestellt? „In Staßfurt gibt es eine heterogene Wirtschaftsstruktur“, sagt Christian Schüler. Statt einiger großer Unternehmen gebe es viele mittelständische und kleine Unternehmen. Der Arbeitsmarkt in Staßfurt ist nicht davon abhängig, dass es einigen wenigen Firmen gut geht. „Es gibt viele verschiedene Branchen. Den Unternehmen in Staßfurt geht es einigermaßen gut“, sagt Schüler. Auch das Großunternehmen Ciech Soda als Beispiel wäre mit mehr als 500 Arbeitsplätzen kaum gebeutelt von der Krise. „Das ist ein sehr gutes Zeichen“, so Schüler.

Weil viele Menschen in Corona-Zeiten nicht mehr weit weg in den Urlaub fahren oder fliegen und lieber in der Region bleiben, könnte auch der heimische Tourismus profitieren. Matthias Büttner (AfD), Vorsitzender des Bauausschusses, berichtete, dass es im Salzland-Center viel mehr Touristen gebe. Diese würden fragen, wo man zum Beispiel in Staßfurt essen gehen könnte. „Vielleicht kann man entsprechende Überblicks-Flyer mit QR-Codes in den Zimmern auslegen“, so Büttner. „In der Tat gibt es in Corona-Zeiten mehr Deutsch-Touristen“, bestätigt Christian Schüler. In den letzten Wochen wären die Flyer nicht mehr ausgelegt worden. Er nahm das als Hinweis mit. „In Wernigerode gibt es zwei Millionen Touristen, die Stadt lebt davon. Wir müssen in Staßfurt jeden mitnehmen. Das hilft“, so Büttner.