Groß Börnecke l Wie sieht der Beruf des Erziehers in der Zukunft aus? Welche Möglichkeiten bieten Digitalisierung un Co ? Gibt es sogar spezielle Programme, die Pädagogen in ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen später einmal nutzen, weil das für alle einen Vorteil bringt? „Ja,“, sagen Forscher der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg und Pädagogen aus Potsdam, Magdeburg und Groß Börnecke. Sie trafen sich am Donnerstag in Groß Börnecke in den Räumen des Kinder- und Jugendhilfezentrums „Am Wasserturm“ (KJHZ).

Die Einrichtung koordiniert die Zusammenarbeit eines neuen Vorhabens. Es zielt darauf ab, in den nächsten drei Jahren eine neuartige Software zu entwickeln, die Fachkräfte bei der Auswahl pädagogischer Methoden unterstützt und Kindern eine Beteiligung daran ermöglicht. Viel Geld wird in die Hand genommen: Der Bundesforsforschungsministerium gibt 1,3 Millionen Euro. Die Mittel stammen aus dem Topf „Förderung von Maßnahmen für den Forschungsschwerpunkt ‚Zukunft der Arbeit: Mittelstand – innovativ und sozial‘. Das Geld wird voranging dazu dienen, die Personalkosten der Mitwirkenden zu decken.

Mit ihrer ersten Zusammenkunft gaben rund 20 Teilnehmer in dieser Woche den Startschuss. Ihr Ziel ist es, ein IT-Werkzeug zu entwickeln, das pädagogische Prozesse transparent dokumentiert und analysiert. „Fachkräfte werden so in ihrer Arbeit entlastet, die pädagogische Arbeit kindgerecht und partizipativ umgesetzt“, heißt es in einer Mitteilung. Praktisch könnte das Ganze in einer App für das Handy münden.

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Um zu erklären, was damit gemeint ist, zieht KJHZ-Geschäftsführer Sven Schulze den Vergleich mit der Internet-Verkaufsplattform Amazon. Hier werde genau analysiert, wer was gekauft habe und was den Kunden interessieren könnte. So würden entsprechenden Handlungsempfehlungen möglich sein. So ähnlich müsse man sich das Programm vorstellen, aber eben nur auf entsprechende Erziehungsmethoden umgemünzt.

Dazu werden die Forscher in den nächsten Monaten viele Informationen der teilnehmenden Einrichtungen aus den vergangenen Jahren, die in Papierform aufgelaufen sind, digitalisieren, füttern und analysieren. Das heißt, dass bereits bestehende Dokumentationen von Erziehern, also etwa pädagogische Tagebücher, in eine Datenbank eingepflegt und fortlaufend ausgewertet werden.

Das KJHZ bewarb sich um die Förderung schon 2018 zusammen mit den Projektpartnern. Im vergangenen Jahr stand fest, dass die Mittel zur Verfügung stehen. Eigentlich sollte die Auftaktveranstaltung schon eher stattfinden. Sie musste Corona-bedingt in den Juli verschoben werden.

„Anlass für die Bewerbung um das Projekt war für uns die Fachkräfteproblematik. Das heißt, dass wir uns gefragt haben, wie kriege ich Neueinsteiger in den Erziehungsprozess rein und wie kann ich ihnen das Erfahrungswissen alter Hasen wirksam an die Hand geben“, erklärt Schulze. Zum anderen habe man sich gefragt, wie man „Erziehungsprozesse konstant mit einem einheitlichen Erziehungsstil anwenden kann.“

Nicht nur das KJHZ aus Groß Börnecke – hier werden unter anderem rund 80 Mädchen und Jungen in Heimen an verschiedenen Standorten im Salzlandkreis betreut – macht mit. Auch Kindertagesstätten aus Potsdam beteiligen sich. Erzieher waren am Donnerstag ebenfalls in Groß Börnecke. Für die Mitarbeiterinnen könnte die neuartige App eine technische Hilfe sein, die unterstützt. „Wir erhoffen uns eine Arbeitserleichterung mit der Arbeit mit den Kindern, eben was die Dokumentation anbelangt“, erklärt Kita-Leiterin Elke Lange.

Welchen Vorteil kann so eine neuartige Software für die Kinder bringen? Dazu erklärt Erziehungswissenschaftlerin Prof. Kerstin Eschwege der Staßfurter Volksstimme, dass Kinder damit eine bessere Möglichkeit eingeräumt werden soll, Rückmeldungen zu geben. „Es soll ein digitales Werkzeug entwickelt werden, dass auch die Meinung von Kindern mit einbezieht. Für die Kinder bringt es den Vorteil, das sie mehr Mitspracherecht haben, wie sie ihren Alltag gestalten wollen.“ Das wiederum könne Grundlagen für später stellen, selbstbestimmend entscheiden zu können, erklärt die Pädagogin.

Die ersten Ergebnisse des Vorhabens sollen in zwei Jahren vorliegen.

Kontrolliert wird das Forschungsprojekt von einem Dienstleister. Das ist das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) „Wir arbeiten im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung“, erklärte die zuständige Mitarbeiterin Albena Spangenberg gegenüber der Staßfurter Voklksstimme. Ziel sei es, „dass die Projekte auch gut abgewickelt werden und erfolgreich beendet werden.“